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Beginn des Prozesses vor Landgericht Stuttgart

Sparda-Bankräuber vor Gericht

Der Sparda-Bankräuber hielt vor anderthalb Jahren die Tübinger in Atem. Er erbeutete über 30.000 Euro und verschwand spurlos. Jetzt muss sich der Mann aus dem Kreis Reutlingen vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.

29.09.2010
  • Kathrin Schoch

Stuttgart. Drei Banken hatte der 40-Jährige zwischen April 2009 und Juni 2010 überfallen: Am 16. April 2009 die Sparda-Bank am Europaplatz in Tübingen und ein Jahr später innerhalb von zwei Monaten die BW-Bank und die Volksbank in Filderstadt-Bonlanden. Insgesamt erbeutete der stets mit einer Schreckschusspistole bewaffnete Mann rund 48 000 Euro. Nach der dritten Tat schnappte ihn die Polizei dank eines aufmerksamen Zeugen auf dem Parkplatz des Toom-Marktes in Tübingen. Noch auf dem Weg ins Polizeipräsidium gestand der gebürtige Reutlinger auch die beiden anderen Überfälle. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere räuberische Erpressung vor, in zwei Fällen zudem erpresserischen Menschenraub: In Bonlanden hatte er zwei Bankkunden festgehalten und mit seiner Waffe bedroht.

Es ist vor allem die Leichtsinnigkeit des Täters, die die Beobachter des Prozesses den Kopf schütteln ließ: Die Banken hatte er willkürlich ausgewählt, sich bei dem Überfall in Tübingen nicht einmal maskiert. Dass er über ein Jahr unentdeckt blieb, ist wohl pures Glück. Immerhin wurde sogar in der Sendung „Aktenzeichen XY“ über ihn berichtet. Nützliche Hinweise ergaben sich aber nicht.

In allen drei Fällen marschierte der zweifache Familienvater ohne die Lage auszukundschaften in die Bankfilialen. In Bonlanden parkte er zweimal in der gleichen Tiefgarage und maskierte sich erst im Eingangsbereich mit Tuch und Baseball-Mütze. Dort lief ihm in beiden Banken jeweils ein Kunde in die Arme. „Die konnte ich ja nicht wieder gehen lassen“, sagte er. Mit vorgehaltener, aber ungeladener Pistole hielt er sie in Schach, bis er das Geld hatte. Alle bisher gehörten Zeugen schilderten ihn als ruhig und unaufgeregt: Er habe „deeskalierend“ gewirkt und Bankangestellte und Kunden zu beruhigen versucht. Die Zeugen des Tübinger Banküberfalls werden heute gehört. Das Urteil wird morgen erwartet.

Als Motiv gibt der Mann an, Angst vor einem finanziellen Engpass gehabt zu haben. Als gelernter Großhandelskaufmann habe er zur Zeit des ersten Überfalls zwar noch einen Job mit einem Monatsgehalt von 4000 Euro brutto gehabt. Er habe aber befürchtet, seine Stelle zu verlieren. Im Oktober 2009 kündigte er selbst und war bis zuletzt arbeitslos. Richter Ulrich Klein hörte mit Staunen zu: „Dass jemand prophylaktisch eine Bank überfällt, das ist mir noch nie untergekommen.“ Ob ihm nicht eher alles über den Kopf gewachsen sei, fragte er den Mann. Schließlich habe er für sein neues Haus einen Kredit von 300 000 Euro aufgenommen. Und später trotz der Arbeitslosigkeit zwei neue Autos für sich und seine Frau bestellt. Der Täter sprach von einer Legende, die er für seine Familie aufgebaut hatte. Die glaubte bis zuletzt, er gehe arbeiten. „Ich habe mich mit dem Rücken zur Wand gefühlt.“ Auf die Idee, sich Hilfe zu holen, sei er nicht gekommen.

Info: Vorsitzender Richter der 5. großen Strafkammer: Ulrich Klein; beisitzender Richter: Ingo Schumann; Staatsanwalt: Thomas Schek; Schöffen: Manfred Nagel, Brunhild Haisch; Verteidiger: Hans-Christian Wolff.

Sparda-Bankräuber vor Gericht
Kurz nach dem Überfall: die Sparda-Bank am Europaplatz im April vergangenen Jahres.Bild: Metz

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29.09.2010, 12:00 Uhr

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