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Horb/Freudenstadt · Finanzwelt

Sparpotenzial: 1 Million Euro

Die beiden Volksbanken Horb-Freudenstadt und Baiersbronn Murgtal bereiten einen Zusammenschluss vor.

14.02.2020

Von Manuel Fuchs

Vier Vorstände, von links: Dieter Walz (Volksbank Horb-Freundenstadt), Jürgen Frey, Clemens Grießhaber (jeweils Volksbank Baiersbronn Murgtal) und Stefan Waidelich (Volksbank Horb-Freundenstadt). Bild: Manuel Fuchs

Kurzfristig war das Pressegespräch in der Freudenstädter Hauptstelle anberaumt worden: Nicht einmal 24 Stunden nach der Einladungs-E-Mail begrüßten die Vorstände der Volksbank Horb-Freudenstadt (VoBaHF), Dieter Walz und Stefan Waidelich, sowie ihre Kollegen Clemens Grießhaber und Jürgen Frey von der Volksbank Baiersbronn Murgtal (VoBaBM) gestern die Medienvertreter und verkündeten: Die Aufsichtsräte beider Volksbanken haben am Montagabend beschlossen, dass eine Fusion der beiden Banken vorbereitet werden soll.

Fusion scheiterte schon einmal

Den Plan gab es schon einmal: Vor ziemlich genau zwei Jahren scheiterte er an einem Veto des Baiersbronner Aufsichtsrats. Vor diesem Hintergrund ordnet Walz den neuen Anlauf ein: „So weit wie heute waren wir noch nie.“ Die aktuellen Beschlüsse seien in beiden Aufsichtsräten einstimmig gefallen. Walz weiter: „Es gibt ein gewisses Grundverständnis, dass Veränderungen und Anpassungen sicherstellen, dass wir auf der Höhe der Zeit bleiben.“

Grießhaber erläutert, was nach seiner Einschätzung anders ist als beim ersten Fusionsversuch. An erster Stelle führt er die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank an: „Die Hoffnung, dass sich etwas ändert, ist nicht erfüllt worden.“ Die Institute erwirtschafteten deutlich weniger Zinsüberschüsse, was die Bilanzen belaste. Daher sei der Entschluss richtig, „eine Partnerschaft einzugehen, um die Stärke vor Ort zu erhalten“. Erfreulicher Nebeneffekt: Momentan gehört die Geschäftsstelle in Baiersbronn-Mitteltal zur VoBaHF, und die VoBaBM bedient den Freudenstädter Ortsteil Kniebis. Diese Kreuzungen von Gemarkungen und Geschäftsgebieten wird der Zusammenschluss auflösen.

Die Parteien verhandeln zwar nach eigenem Bekunden auf Augenhöhe, und Grießhaber bemüht die Metapher von der VoBaBM als „begehrter Braut“, die solide Bilanzen vorweisen könne und sich in einer starken Verhandlungsposition befinde. Gleichzeitig macht er aber deutlich, dass kleinere Institute mit den stetig steigenden Anforderungen kaum Schritt halten können. Beispielsweise verlange die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) von jeder Bank, Beauftragte für Datenschutz, Sicherheit, Geldwäsche, Compliance, Wertpapierhandel und weitere Disziplinen zu benennen und zu schulen. Die VoBaBM hat 47 Angestellte; solche Pflichtposten schmälerten ihre Ertragschancen deutlich. „In dieser Betriebsgröße und bei dem Rad, das wir drehen wollen, fällt uns die Regulatorik auf die Füße“, formuliert Grießhaber prosaisch.

Den Berufs- und Entwicklungswünschen junger Fachkräfte könne ein kleines Haus wie die Volksbank Baiersbronn Murgtal ebenfalls nur eingeschränkt Rechnung tragen: Ein größeres Haus biete grundsätzlich mehr Aufstiegschancen. „Wir haben in den letzten Jahren tatsächlich Mitarbeiter wegen fehlender Perspektiven verloren“, bedauert Jürgen Frey.

Damit ist die funktionale Mindestgröße einer genossenschaftlichen Bank grob abgesteckt – gibt es auch eine Obergrenze? Walz weicht der Frage aus: Solange es gelinge, die Kundennähe zu pflegen, könne eine Volksbank auch sehr groß sein, sagt er und verweist auf die Volksbank Mittelhessen: Sie hat fast 200000 Mitglieder, mehr als 1200 Mitarbeiter und unterhält 82 Geschäftsstellen. Davon ist man in Freudenstadt noch ein gutes Stück entfernt (siehe Tabelle unten).

Neue Ansprüche der Kunden

Die sich stets wandelnden Ansprüche der Kunden legen die Vorstände in Beispielen dar: Zum einen nutzten viele digitale Möglichkeiten, um Bankgeschäfte jederzeit und von überall zu erledigen. Zum anderen seien Beratungsbedarf und Beratungspflicht bei komplexen Finanzprodukten massiv gestiegen. Grießhaber sieht gar ein Übermaß: „Verbraucherschutz wird so hoch gehängt, und wir machen da teilweise unsinnige Dinge.“ Die Anforderungen der BaFin nennt er „zum Teil völlig überzogen und am Bedarf vorbei“.

Der weitere Zeitplan lautet wie folgt: Spätestens Ende März sollen die beiden Aufsichtsträte den Entwurf eines Vorvertrags unterzeichnen. Daraufhin werden die Mitglieder beider Genossenschaften informiert, die Fusion dann in Vertreterversammlungen Ende Mai in Baiersbronn und Ende Juni in Horb beziehungsweise Freudenstadt zur Abstimmung gestellt. Bei einem positiven Votum gilt sie rückwirkend zum 1. Januar 2020. Die Vorstände versprechen sich von dem Zusammenschluss der beiden Volksbanken mittelfristig Einsparungen von 800000 bis 1 Million Euro pro Jahr, was ab Sommer 2022 spürbar werde, schätzt Walz. Frey ergänzt: „Ein paar kleinere Effekte, beispielsweise im IT-Bereich, kommen sofort zum Tragen.“

Keine Kündigungen

Fusionsbedingte Kündigungen soll es nicht geben: „Alle Arbeitsverträge werden übertragen beziehungsweise übernommen und es werden natürliche Fluktuationseffekte genutzt (zum Beispiel altersbedingtes Ausscheiden, andere Veränderungen)“ – so steht es wörtlich auf einem Handzettel, den die Banken im Pressegespräch verteilten. Eine solche „natürliche Fluktuation“ betrifft Clemens Grießhaber: Die neue Volksbank wird mit vier Vorstandsmitgliedern starten; Grießhaber bleibt bis zu seinem Ausscheiden zum 31. März 2021 Marktvorstand im Regionalmarkt Baiersbronn. Sein Posten wird nicht nachbesetzt, die Aufgaben unter den drei verbleibenden Vorstandsmitgliedern neu verteilt.

Künftig soll es die drei Regional-Marktbereiche Horb, Freudenstadt und Baiersbronn geben, die nach ihren Eckdaten ungefähr auf Augenhöhe agieren und jeweils eine Hauptstelle erhalten werden. Veränderungen im Bereich der Geschäftsstellen und ihrer Öffnungszeiten würden derzeit analysiert. Unter dem Motto „Kunde im Fokus“ suchen die Verantwortlichen nach „tragfähigen Zukunftslösungen“. Was das bedeutet, wisse man noch nicht, aber Dieter Walz schickt voraus: „Auf mittlere Sicht werden wir nicht mit 22 Filialen im Markt bleiben.“

Die Baiersbronner Kunden werden übergangsweise ihre bisherige IBAN nutzen können, verspricht Stefan Waidelich. „Wie lange genau, kann ich aber nicht sagen.“ Irgendwann werden sie sich mit einem neuen 22-stelligen Ziffernwurm arrangieren müssen.

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Erstellt:
14. Februar 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Februar 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2020, 01:00 Uhr

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