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Weltspartag

Sparschweine bekommen trotz Minizinsen viel Futter

Die Bundesbürger sorgen sich, weil ihre Rücklagen kaum noch etwas abwerfen. Am sparsamsten sind die Baden-Württemberger.

26.10.2016
  • DIETER KELLER

Berlin.. Weltfeiertag der Sparkassen“ hieß der Weltspartag, als er 1925 eingeführt wurde. Am Freitag ist es wieder einmal soweit: Kinder schlachten ihre Sparschweine, bringen den Inhalt zu Sparkasse oder Bank und werden mit einem kleinen Geschenk belohnt. Doch zum Feiern ist dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, nicht zumute. Denn Sparen wirft derzeit keine Zinsen mehr ab, und das bereitet den Deutschen bei der Vermögensbildung die größten Sorgen.

Dies ergab das Vermögensbarometer, für das der DSGV bereits zum 15. Mal über 1800 Bundesbürger repräsentativ befragen ließ. 58 Prozent der Befragten nannten die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) als ihre größte Sorge. Vor einem Jahr waren es erst 41 Prozent. Alles andere von Euro und Europa bis zur politischen Lage spielt keine Rolle. Die persönliche finanzielle Lage bezeichnete noch jeder Zweite als gut oder sehr gut. Doch seit 2014 ist dies rückläufig.

Gerade in diesen Tagen wird Fahrenschon besonders häufig gefragt, ob sich Sparen noch lohnt. „Ja, unbedingt“, lautet seine Antwort. „Sparen ist in Zeiten ausfallender Zinsen sogar noch wichtiger als jemals zuvor.“ Denn Zinsen lassen das Vermögen nicht mehr wachsen. Gerade fürs Alter muss daher noch mehr zurückgelegt werden.

Allerdings passiert das kaum: Nur 5 Prozent wollen mehr sparen. Doch auch nur 12 Prozent wollen weniger zurücklegen. „Alles in allem reagieren die deutschen Sparer sehr besonnen“, lobt der Sparkassen-Präsident.

Die Baden-Württemberger sind weiter die sparsamsten Deutschen: Ihre Sparquote lag 2014 bei 11,4 Prozent; neuere Zahlen gibt es noch nicht. Sie verwendeten also besonders wenig ihres verfügbaren Einkommens für den laufenden Konsum. Im Bundesdurchschnitt lag die Sparquote bei 9,5 Prozent. Am wenigsten gespart wurde in Mecklenburg-Vorpommern mit 5,6 Prozent.

Ein anderes Bild zeigen die Sparguthaben: Nach einer Analyse der Postbank hatte jeder Bundesbürger 2015 im Schnitt 22 033 EUR auf dem Sparbuch oder als Termingeld und Sparbrief angelegt. Das waren 676 EUR mehr als im Jahr zuvor. Dabei lagen die Baden-Württemberger mit 23 175 EUR und 501 EUR nur im Durchschnitt. Die dicksten Sparbücher hatten die Hessen mit 47 317 EUR. Am meisten neu zugelegt haben im vergangenen Jahr die Hamburger mit 2808 EUR. Offensichtlich investieren Badener und Schwaben sehr viel stärker in anderen Anlageformen.Kein Wunder: Bei der Frage, welche Produkte sich für den Vermögensaufbau am besten eignen, steht das Sparbuch mit 16 Prozent erst an sechster Stelle, Tendenz deutlich rückläufig. Der Erwerb einer Immobilie zur eigenen Nutzung belegte mit Abstand Platz 1. Dies wurde doppelt so häufig genannt wie 2007. Der Erwerb einer Immobilie zum Vermieten, ein Bausparvertrag und die Lebensversicherung wurden deutlich seltener genannt. Nur 12 Prozent halten Aktien für einen guten Weg.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Die Sicherheit ihrer Anlagen ist für die Bundesbürger laut Vermögensbarometer am wichtigsten. Gegenüber Flexibilität und Verfügbarkeit hat sie im Vergleich zu 2015 noch gewonnen. Eine hohe Rendite fiel dagegen auf den fünften Platz zurück.

Die Zweifel nehmen zu, ob es überhaupt Sinn macht, fürs Alter zu sparen. „Vertrauen ist ein scheues Reh“, warnt Fahrenschon. So seien Diskussionen in der EU-Kommission über eine Zwangsvergemeinschaftung der Einlagensicherung im EU-Raum „zusätzliches Gift“. Die EZB müsse einen Weg aus ihrer Nullzinspolitik aufzeigen.

Wer viel hat, der kann auch viel sparen: Das Prozent aller Haushalte mit den höchsten Einkommen legt rund 58 000 EUR pro Jahr auf die hohe Kante. Das ist gut ein Drittel des Einkommens, ergab eine Analyse des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung. Die 30 Prozent mit den niedrigsten Einkommen dagegen sparen gar nicht, sondern machen im Schnitt 600 bis 1200 EUR neue Schulden. Das verstärkt die Konzentration der Vermögen bei wenigen.

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26.10.2016, 06:00 Uhr

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