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Abrissarbeiten an der Merz-Villa laufen

Spatenstich für Parkhaus im Herbst

Vor sieben Jahren entschied der Mössinger Gemeinderat, dass die Merz-Villa im Stadtkern nicht saniert werden soll. Jetzt wird sie abgerissen, um Platz für ein Parkhaus zu schaffen. Die Geschichte des Hauses ist bewegt, den historischen Wert schätzen Experten als eher gering.

14.07.2015
  • Moritz SIebert

Mössingen. Bereits am Mittag war gestern die Südseite des Hauses in Einzelteile zerlegt. Ein Bagger sortierte das Material aus Mauern und Dachstuhl in vier große Container. Mit dem Abriss der Fabrikantenvilla auf dem Merz-Gelände fällt das letzte bauliche Andenken an die einstige Textil-Fabrik. Im Jahr 1938 hatte sich das stattliche Gebäude Otto Merz junior für seine Familie errichten lassen.

Noch im Herbst ist Startschuss für den Folgebau: Auf dem Areal zwischen dem stetig wachsenden Gesundheitszentrum im Westen und der Berggasse im Osten soll ein Parkhaus entstehen. Gleichzeitig mit dem Gesundheitszentrum sollen die Parkdecks dann im Frühjahr nächsten Jahres fertig sein.

Dass die Villa abgerissen wird, steht seit einigen Jahren fest – lange bevor überhaupt Pläne für ein Gesundheitszentrum geschmiedet wurden. Im Oktober 2008 hatte der Gemeinderat in einer dramatischen Sitzung mit 16 zu neun Stimmen gegen eine Sanierung des Gebäudes gestimmt. Das bedeutete damals vor allem das Ende des Kinderhauses, das seit den 1990er Jahren in der Villa untergekommen war. Eine Weiternutzung als Kindergarten war ohne Sanierung nicht möglich. Ein Neubau musste her. Mössinger Bürger beklagten damals die Geldverschwendung.

Seitdem hat die Villa verschiedene Konzepte für ihr Umfeld kommen und gehen sehen. Noch 2008 verfolgte die Stadt den Plan, eine Marktgalerie auf der Fabrikbrache zu errichten. Das Baugesuch reichte die Verwaltung im Sommer des Jahres ein, im darauffolgenden Herbst sollte der Spatenstich folgen. Noch ein Jahr später hatte sich aber nichts getan: Das beteiligte Immobilienunternehmen legte das Vorhaben wegen der Wirtschaftskrise auf Eis. 2011 begann die Stadt an einem neuem Projekt für das städtebaulich wichtige Gelände zu feilen: Von „großflächigem Einzelhandel“ war im Herbst die Rede im Rat. Den Abriss der maroden Villa handelten die Beteiligten als „eine mögliche Variante“ – mit dem Haus wäre das Gelände aber nicht besonders attraktiv für Investoren gewesen. In den Plänen für das Gesundheitszentrum, die die Stadt im Frühjahr 2013 erstmals öffentlich vorstellte, spielte die Villa jedenfalls keine Rolle mehr.

Schon in der Zeit, als es um eine mögliche Sanierung des Hauses ging, hatte das Denkmalamt die Merz-Villa als nicht besonders wertvoll eingestuft. „Als Denkmal ist es zu unbedeutend“, sagt auch Museumsleiter Hermann Berner. Aber klar sei der Abriss ein bisschen schade: Immerhin handle es sich um die zweitletzte Fabrikantenvilla in Mössingen. Mit der Burkhardtschen Villa in der Bahnhofstraße bleibe der Stadt nur noch eine.

„Wir sind lange davon ausgegangen, dass es sich um einen authentischen Ort des Generalstreiks handelt“, berichtet Stadtarchivarin Franziska Blum. „Tatsächlich ist dem nicht so.“ Die Villa hat sich der Fabrikant erst später bauen lassen. Wo allerdings die Familie davor gewohnt hat, sei nicht ganz klar. Neben der Architektur habe das Denkmalamt auch die „wandfeste Innenausstattung qualitativ als nicht nennenswert über das zur Erbauungszeit Übliche hinausgehend beurteilt“, teilt Blum mit. „Deshalb wurde auch keine Kulturdenkmaleigenschaft festgestellt.“ Baupläne aus dem Jahr 1937 liegen im Stadtarchiv. Über den Architekten des Hauses, Richard Gebhardt, ist Blum nichts weiteres bekannt. „Es scheint kein bekannter Architekt gewesen zu sein“, sagt sie. Von der Ausstattung hat sich Hermann Berner für die städtische Sammlung die Türen und eine gedrechselte Säule gesichert.

Spatenstich für Parkhaus im Herbst
Die marode Villa auf dem Merz-Areal wird zur Zeit abgerissen. Im Hintergrund ist der Rohbau des stetig wachsenden Gesundheitszentrums zu sehen. Bild: Franke

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14.07.2015, 12:00 Uhr

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