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Spediteur: „Letzter Kontakt um 15 Uhr“
Spediteur Ariel Zurawski gibt vor seinem Unternehmen in Polen ein Statement ab. Foto: dpa
Hintergrund zum Anschlag in Berlin

Spediteur: „Letzter Kontakt um 15 Uhr“

21.12.2016
  • JOANNA STOLAREK

Berlin. Zu drastisch waren die Bilder, die Ariel Zurawski zu sehen bekam. Mit zitternder Stimme erzählt er davon den Reportern der polnischen Medien. Zuzanna, die Frau von Lukasz U., dem Fahrer des Lkw, der für den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt genutzt wurde, war nicht imstande, sich diese anzusehen und ihren getöteten Mann zu identifizieren. Das übernahm sein Cousin und zugleich sein Chef. Ihm gehört das Speditionsunternehmen aus dem kleinen Ort Sobiemysl bei Gryfino, unweit von Stettin gelegen, direkt an der deutsch-polnischen Grenze. „Mein Fahrer ist tot“, bestätigte er. Er erkannte den 37-Jährigen auf den Fotos, die die Berliner Polizei geschickt hatte und die er in der Polizeidienststelle in Gryfino zur Ansicht bekam.

Kampfspuren entdeckt

Auf dem Bild will er Kampfspuren erkannt haben, das Gesicht von Lukasz war aufgeschwollen und blutig. Dass sein Cousin erschossen wurde, erfuhr er erst später. Der Mann vermutet, dass es gab mehr als einen Täter gab. „Lukasz war 1,80 groß und wog 120 Kilo, ein Mensch hätte ihn nicht so leicht überwältigen können“, sagte er.

Lukasz U., Vater eines 17-jährigen Sohnes, arbeitete seit mehreren Jahren als Lkw-Fahrer. Er wird als zuverlässig, ruhig und gewissenhaft beschrieben. Seit eineinhalb Wochen war er unterwegs. Der Laster transportierte Stahlkonstruktionen, etwa 25 Tonnen, von einem Ort in der Nähe von Turin in Italien nach Berlin. Der Pole kam am Montagmorgen um 7 Uhr, einen Tag früher als vereinbart, an seinem Ziel an: der Firma Thyssen Krupp Schulte am Weddinger Friedrich-Krause-Ufer. Seinen Lkw wollte man nicht entladen und bat ihn, am nächsten Tag zu kommen, berichtet Zurawski.

Der Fahrer versuchte immer wieder, seine Ladung loszuwerden. Das Unternehmen sah keine Möglichkeit, die Ware früher als geplant auszuladen. Das bestätigt die Sprecherin von Thyssen Krupp, Kerstin Göcke. Lukasz meldete sich gegen Mittag bei seinem Chef und schilderte ihm etwas verärgert die Situation. „Er sagte, die Gegend sei seltsam, es gebe dort kaum Deutsche, außer denen im Büro, ansonsten nur Muslime“, so Zurawski in einem Interview mit dem Sender TVN24. Danach ging sich der Fahrer einen Döner holen. Aufnahmen der Überwachungskamera bestätigen das. Den letzten Kontakt gab es gegen 15 Uhr. Da telefonierte er kurz mit seiner Frau, sie wollte sich später melden, erreichte ihn aber nicht mehr.

40 Minuten später meldete das GPS-Ortungssystem, dass der Lkw bewegt wird. Zu erkennen ist, dass der Lkw vor und zurück fuhr. „Das kam mir komisch vor, als ich es bemerkt habe. Als ob jemand lernen wollte, ihn zu lenken“, mutmaßt Zurawski. Dieses Manövrieren dauerte einige Minuten, danach blieb der Wagen bis 19.40 Uhr stehen.

„Die ersten Informationen, die ich erhielt, waren, mein Lkw fährt in Berlin rum“, so der Speditionschef. Der Fahrer, der als sehr regeltreu galt, hätte den Wagen nie nach der langen Fahrt bewegt. „Da wusste ich, etwas Schlimmes ist passiert.“ Zunächst vermutete er, der Wagen wurde wegen der Ladung gestohlen. „Wer aber würde was mit dem Stahl anfangen wollen?“

Gegen 19.45 Uhr habe der Laster seinen Standort dann endgültig verlassen. Nach wenigen Kilometern raste er in den Weihnachtsmarkt. Joanna Stolarek

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21.12.2016, 06:00 Uhr

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