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Digitalisierung

Sperrgebiete für das große „E“

Schnelles Internet statt Frust durch langsame „Edge“-Verbindung: Vor den vier Verwaltungsgebäuden der Gemeinde Eutingen im Gäu sollen WLAN-Hotspots eingerichtet werden. Die Mittel in Höhe von 26 000 Euro sind im Haushalt 2019 eingestellt, ein genauer Zeitpunkt für die Installation steht allerdings noch nicht fest.

16.02.2019

Von Maik Wilke

Im Park hinter dem Eutinger Rathaus haben Smartphonebesitzer oft schlechtes Internet. WLAN-Hotspots sollen das ändern. Bild: Karl-Heinz Kuball

Er dreht sich und dreht sich und dreht sich und dreht sich. Der Kreis, der bei Smartphones einer bekannten Marke anzeigt, dass sich das mobile Endgerät mit dem Internet „Verbinden…“ möchte. Unterhalb der Marktstraße ist es in Eutingen beinahe unmöglich, mit dem falschen Mobilfunkanbieter (nahezu alle mit Ausnahme der Telekom) die neuesten Nachrichten in Apps zu lesen oder auch nur per WhatsApp mit Familie und Freunden zu schreiben. Mit WLAN-Hotspots möchte die Gemeindeverwaltung nun verhindern, dass sich dieser Kreis weiter dreht.

Angedacht sind zunächst vier Areale, auf denen Smartphone-Besitzer schnelles Internet haben. „Die Hotspots sollen gerecht verteilt werden. Es wird also in jedem Ortsteil der Gemeinde einen geben“, erklärt Daniel Beilharz, stellvertretender Hauptamtsleiter der Gemeinde Eutingen.

Aufenthaltsqualität steigern

Die konkreten Standorte wurden noch nicht im Gemeinderat diskutiert. Angedacht ist von der Verwaltung jedoch, die Hotspots rund um die Verwaltungsgebäude einzurichten, da in den Gebäuden bereits Leitungen mit entsprechend starker Leistung verlegt sind. Das Signal wird über einen unauffälligen Funkmasten und ein Sendegerät an der Außenwand verstärkt. „Dann wäre keinerlei Grabung nötig“, erklärt Beilharz.

Die Kosten für die Sendemasten und die Installation liegen bei 26 000 Euro und sind bereits im diesjährigen Haushalt eingestellt. Beilharz betont jedoch, dass noch keine konkreten Angebote eingeholt wurden – „es ginge also auch günstiger“. Eine Förderung über die Europäische Union ist möglich, aber relativ unwahrscheinlich (siehe Infokasten „Hoffen auf den schnellsten Klick“).

Die Reichweite wäre dann laut Beilharz von der Gemeinde steuerbar. In Rottenburg beispielsweise ist der gesamte Eugen-Bolz-Platz ein WLAN-Hotspot. Damit werde man in Eutingen zum einen dem Wunsch des Gemeinderats gerecht, allgemein die Digitalisierung voranzutreiben, zudem steigern die WLAN-Hotspots die Aufenthaltsqualität für Bürger, die beispielsweise im Park hinter dem Eutinger Rathaus oder auf dem Platz vor der Weitinger Verwaltung verweilen.

209 Zugriffe täglich

In der Stadt Horb werden die öffentlichen Zugangspunkte jedenfalls recht gut genutzt: Im Durchschnitt haben in den letzten zwei Jahren täglich 209 Personen das öffentliche WLAN genutzt, erklärt Stadtsprecher Christian Volk auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. In Spitzenzeiten waren es bis zu 500 Anmeldungen an einem Tag.

Auch die Neckarstadt möchte übrigens erweitern: Den bisherigen sechs WLAN-Hotspots (am Bahnhof, Flößerwasen, Neckarstraße, Hirschgasse, Unterer Markt und am Marktplatz) in der Kernstadt sollen baldmöglichst Pendants in den Teilorten folgen. „In den Stadtteilen sind hierfür die Sport- und Gemeindehallen angedacht“, erklärt Volk. Probleme mit der Sicherheit hätte es für Verwaltung und User bisher nicht gegeben. Betreiber der Hotspots „Free Key Horb“ ist die Firma Innerebner aus Innsbruck.

Wann die nächsten Hotspots kommen, ist allerdings sowohl in Horb als auch in Eutingen unsicher. Zwar sind die Mittel im Eutinger Haushalt eingestellt, „doch noch ist es schwer abzuschätzen, wann wir die Hotspots tatsächlich installieren“, sagt Daniel Beilharz. Dies hänge auch davon ab, ob man von EU-Fördergeldern profitiere.

Bei der Initiative

„WiFi4EU“ können sich Gemeinden bewerben, um eine 15 000-Euro-Förderung zu erhalten. Die Gewinner müssen von den Mitteln bis 2020 kostenloses WLAN zur Verfügung stellen – an Plätzen des öffentlichen Lebens.

Das Problem: Die Entscheidung, welche Gemeinde vom EU-Geld profitiert, verläuft nach dem Windhund-Verfahren – wer zuerst kommt, mahlt zuerst. „Das läuft wie bei Tickets für Conventions oder Konzerte“, erklärte Daniel Beilharz, stellvertretender Hauptamtsleiter der Gemeinde Eutingen. „Von jeder Gemeinde wird beim nächsten Termin, der im Sommer sein wird, ein Vertreter am PC sitzen und sekündlich auf den entsprechenden Button klicken.“

Es wird also Glück brauchen, um die Förderung zu erhalten. Viel Glück: Bei der ersten Runde von „WiFi4EU“ am 7. November 2018 hatten sich innerhalb der ersten zehn Sekunden nach Öffnung des Portals über 4000 Gemeinden angemeldet, bis zum Ende des Antragszeitraums zwei Tage später waren es europaweit 13 000. Das Volumen des aktuellen Aufrufs beträgt 42 Millionen Euro, welches in 2800 „Gutscheinen“ eingeteilt wird. Konkurrenz für die Eutinger gibt es übrigens auch aus Horb. Die Stadtverwaltung wird ebenfalls versuchen, bei „WiFi4Eu“ zum Zug zu kommen.

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Erstellt:
16. Februar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Februar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 01:00 Uhr

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