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Seit dieser Saison: Fremdgehen erlaubt

Spieler können zwischen zwei Vereinen pendeln

Früher hieß es „entweder oder“. Seit dieser Saison können Fußballer „sowohl als auch“: sowohl bei ihrem bisherigen Verein spielen als auch in einem Klub nahe des Zweitwohnsitzes, zum Beispiel am Studienort. „Davon profitieren alle Tübinger Vereine“, sagt Joachim Götzendörfer vom TV Derendingen.

22.11.2012
  • Tobias Zug

Tübingen. Erst jüngst hat der Derendinger Abteilungsleiter Joachim Götzendörfer wieder zwei Anträge abgeschickt, die derzeit vom Württembergischen Fußballverband (WFV) bearbeitet werden. Zwei Spieler, die in Tübingen studieren, und beim TV Derendingen kicken wollen – aber parallel eben auch bei ihrem bisherigen Verein, wenn sie beispielsweise am Wochenende wieder auf Heimaturlaub sind.

Seit dieser Saison können Fußballer des WFV in zwei Vereinen spielen, wenn sie folgende Kriterien erfüllen: Sie haben einen zweiten Wohnsitz, der 150 Kilometer oder mehr entfernt ist vom ersten Wohnort. Der zweite Verein – im Normalfall im oder in der Nähe des zweiten Wohnorts – muss einem anderen Fußballverband angehören. Und der „abgebende“ Verein, also der Stammverein des Spielers, muss seine Zustimmung erteilen, dass dieser auch gleichzeitig bei einem anderen Verein spielen darf. Als Modellversuch hat der WFV dies vor zwei Jahren gestartet, seit dieser Runde fest in seiner Satzung verankert. „Die Anträge werden stetig mehr“, sagt Martin Kling, für den Spielbetrieb zuständiger Verbandsmitarbeiter, „bisher sind knapp 60 eingegangen.“ Gedacht ist diese Regelung für Scheidungskinder, stationierte Bundeswehrsoldaten, „aber hauptsächlich natürlich für Studenten“.

Derendingens Fußball-Abteilungsleiter Joachim Götzendörfer sagt, er finde diese Möglichkeit „sehr gut“: „Viele Studenten haben ja im September erst erfahren, dass sie nach Tübingen zum Studium kommen. Und die standen dann bisher auf der Straße, weil sie nicht mehr den Verein wechseln konnten.“ Jetzt können sie noch bis zum 31. Januar ein Zweitspielrecht beantragen, während die Frist für einen „einfachen“ Spielerwechsel am 31. August endete. „Diese Regelung dient dazu, dass der Fußball weiter dauerhaft junge Spieler hat“, sagt Götzendörfer, dessen Derendinger derzeit zwei Spieler aus anderen Verbänden mit „Zweitspielrecht“ haben. Wobei Martin Kling darauf verweist, dass nicht alle Verbände diese Regelung in ihre Statuten aufgenommen haben. „Bis jetzt haben wir mit 14 Verbänden so etwas wie eine Kooperation, da gab es auch keine Probleme“, sagt er. Allerdings haben die anderen Verbände manchmal auch andere Kriterien: So können beim Bayrischen Fußballverband Spieler ein Zweitspielrecht beantragen, die bereits 100 Kilometer weg von ihrem Erstwohnsitz leben. „Wir haben die 150 Kilometer beschlossen, weil wir relativ große Bezirke haben“, erläutert Kling, „da wollten wir vermeiden, dass irgendjemand diese Regelung ausnutzt.“

A-Ligist SV Oberndorf hat viele Studenten in seiner Fußballmannschaft, allerdings studieren die meisten in Karlsruhe oder Konstanz – die Fußballvereine dort gehören zwar anderen Fußballverbänden an (Badischer und Südbadischer), sind aber nicht weit genug entfernt, damit diese auch bei dortigen Vereinen spielen können. „Wir sind deshalb halt unter der Woche nicht so viele im Training, aber an den Spielen sind diese da“, berichtet SVO-Spielleiter Bülent Uguzer. Für Lutz Glocker haben die Oberndorfer jetzt aber ein Zweitspielrecht bekommen: Der Oberndorfer studiert in München, kickt dort beim Kreisklassen-Klub FC Teutonia München – jetzt hat er allerdings auch einen zweiten Pass bei seinem Heimatverein in Oberndorf, wo er am Wochenende auch gleich bei der zweiten Mannschaft mal wieder mitkickte.

Hätte Glocker im SVO-Trikot eine rote Karte bekommen, wäre er aber auch für Münchens Teutonia gesperrt worden: „Der Staffelleiter, der den Pass bekommt, sieht, dass dort noch ein Zweitspielrecht verhängt ist und muss uns das dann melden“, erläutert Martin Kling, „dann wird der Pass vom anderen Verband ebenfalls eingezogen. Das muss alles über gute Kontaktmöglichkeiten laufen.“

Mit einem anderen langjährigen SVO-Spieler haben die Oberndorfer auch wegen eines Zweitspielrechts gesprochen: Florian Klempp studiert seit einigen Jahren in Köln, wo er auch kickte. „Er hat jetzt aber gleich seinen Pass zu uns gebracht und wechselt wieder zu uns“, sagt Uguzer und fügt schmunzelnd hinzu, „wahrscheinlich war ihm das zu blöd, die vielen Unterlagen für die Wohnsitzbestätigung und Vereinszustimmung zu besorgen…“

Spieler können zwischen zwei Vereinen pendeln
Können sich freuen: Die Kicker des SV Oberndorf (von links Simon Sailer, Martin Kurz, Stephan Hartmann, Volker Joos) haben dank der neuen Zweitspielrechts-Regelung einen „neuen“ Mitspieler mehr in ihren Reihen.

Im Volleyball, Handball und Basketball gibt es keine Zweitspielrechte. „In der Regel wechseln die Studenten, die hier sind, auch gleich die Vereine“, sagt Thomas Welz, bei den Volleyballern des TV Rottenburg zuständig für die Leistungssport-Koordination. Wie im Basketball können im Volleyball allerdings talentierte Jugendspieler bei zwei Vereinen gleichzeitig spielen. So spielt Tim Stöhr von der Rottenburger U 18 auch bei den YoungStars Friedrichshafen in der Zweiten Liga. In der Basketballabteilung des SV 03 Tübingen sind ebenfalls Spieler in den jeweiligen Jugend-Bundesliga-Teams, die zum Beispiel auch parallel für den TV Rottenburg spielen. „Wir scouten die, arbeiten aber auch eng mit den jeweiligen Vereinen zusammen“, sagt Abteilungsleiter Thomas Unger. Beim Handball gibt es dagegen kein Spielrecht für einen zweiten Verein. „Da kann nicht mal einer in Schweden und in Deutschland spielen“, wie Florian Seidel sagt, Trainer der Spvgg Mössingen.

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22.11.2012, 12:00 Uhr

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