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Wettlauf mit dem Alter

Sport und Bewegung hilft vor allem Senioren, ihre biologische Uhr langsamer ticken zu lassen

Immer mehr ältere Menschen entdecken, dass sie Lebenserwartung und -qualität durch sportliche Bewegung erheblich verbessern können. Die biologischen Alterungsprozesse lassen sich durch Sport verzögern.

19.11.2015
  • KLAUS VESTEWIG

Stuttgart 2011 sorgte der Inder Fauja Singh in der Sportwelt für Schlagzeilen. Im biblischen Alter von 101 Jahren lief er den Toronto-Marathon in 8:25:16 Stunden. Acht Jahre zuvor hatte der Weißbärtige mit dem Turban nur 5:40:04 Stunden benötigt.

Ähnlich eindrucksvolle Beispiele von Fitness und Trainierbarkeit im Alter sind nachgewiesen. Eine amerikanische Studie zum Beispiel wies deutliche Kraftzuwächse bei trainierenden Hochbetagten über 90 Jahren nach. "Muskulatur kann sich selbst bei 100-Jährigen regenerieren", so versichert Prof. Clemens Becker. Der Leiter der Klinik für Geriatrische Rehabilitation (Altersmedizin) am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart hat bei im Durchschnitt 83 Jahre alten Patienten nach Übungen mit der Beinpresse einen Kraftzugewinn von fast 50 Prozent festgestellt, selbst sechs Monate später war der Leistungszuwachs noch messbar. Höchst ermutigende Ergebnisse liefern auch Forschungen mit Demenzkranken. "Bewegung senkt das Demenzrisiko um 30 bis 50 Prozent", sagt Anja Rutenkröger von der Demenz Support Stuttgart, einer Beratungsinstitution. Auch die positiven Auswirkungen von Ausdauertraining gerade bei Depression, sogar bei Krebs und hinsichtlich der kognitiven Funktionen sind inzwischen bestätigt.

"Das biologische Alter eines 60-Jährigen kann heute dem eines durchschnittlich 40-Jährigen, aber auch dem eines typischen 80-Jährigen entsprechen. Ein fitter Übergewichtiger wird älter als ein unfitter Dünner", hat Prof. Ansgar Thiel, der Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der Uni Tübingen, beim 39. Sportmedizinischen Seminar des Württembergischen Landessportbundes betont. In Vorträgen, Praxis- und Theorie-Workshops diskutierten in Stuttgart 370 Trainer und Übungsleiter über das Thema "Sport mit Älteren". Zwar sind die Ergebnisse der Deutschen Gesundheitsstudie alarmierend: Nur 16 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Männer betreiben Training, das anstrengt. Gerade ab dem Alter von 30 Jahren sinkt die Aktivitätsbereitschaft rapide. Die über 60-Jährigen aber - das zeigen auch die Mitgliederzahlen in den Sportverbänden - haben den gesundheitlichen Nutzen von Bewegung inzwischen mehr und mehr erkannt.

Um die biologischen Alterungsprozesse wenigstens einigermaßen aufzufangen, gibt es auch gar keine andere Wahl. Denn die neuesten Zahlen geben zu denken. Wie Prof. Urs Granacher vom Lehrstuhl für Trainings- und Bewegungswissenschaft an der Universität Potsdam in Stuttgart ausführte, bildet sich die Ausdauer (maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit) bereits ab dem 25. Lebensjahr um circa ein Prozent jährlich zurück, ab dem 70. Lebensjahr sogar signifikant um 20 bis 25 Prozent pro Lebensjahrzehnt.

Noch dramatischer ist der Verfall der Kraft. Zwischen dem Alter von 30 und 80 Jahren reduzieren sich Muskelmasse und Maximalkraft, gerade der unteren Extremitäten, um 30 bis 40 Prozent. "Bis 50 kann man die Kraft noch auf ganz gutem Niveau halten, aber vor allem ab 70 nimmt sie stark ab, die Schnellkraft sogar um jährlich drei bis vier Prozent", weiß Granacher. Um den Verlust an Muskelmasse - bei Männer gegenüber Frauen um fünf bis sieben Jahre später einsetzend - zu verringern, sollte mindestens zweimal in der Woche mit 70 bis 80 Prozent der Maximalkraft trainiert werden. Bei der Ausdauer rät der Wissenschaftler zu drei Einheiten die Woche - ein großes Pensum. Der Sport, richtig betrieben, verleiht dem Lebensabend ein Plus an Qualität.

Sport und Bewegung hilft vor allem Senioren, ihre biologische Uhr langsamer ticken zu lassen
Ausdauersport wie Radfahren erhöht die Lebensqualität. Foto: Monkey Business

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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