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Bildungszentrum Ammerbuch: Bebauungsplan in Sicht

Sporthalle, Parken, Erschließung, Unterführung am Bahnhof befürwortet

Der Verkehr soll vor allem über den Poltringer Weg fließen, doch die Bürger dort müssten nicht aus dem Häuschen geraten – am Bahnhof wird eine Unterführung direkt zum neuen Bildungszentrum führen: Ammerbuchs Räte befürworteten mit großer Mehrheit die Vorschläge der Planer.

14.07.2015
  • Ernst Bauer

Ammerbuch. Noch einmal wurde am Montagabend mehr als zwei Stunden lang intensiv über das Millionenprojekt der 11.500-Einwohner-Gemeinde im Westen des Landkreises diskutiert, wurde vor allem auch versucht, die Bedenken der Anwohner am Poltringer Weg zu zerstreuen (siehe unten); jene befürchten, in Zukunft von einer Verkehrslawine überrollt zu werden – wenn der Neubau der Gemeinschaftsschule samt Sporthalle hinterm Entringer Bahnhof erst mal steht und täglich 560 Schüler ins „Bildungszentrum“ strömen; feierabends kommen noch die Vereine hinzu, die die Sporthalle mitnutzen.

Sporthalle, Parken, Erschließung, Unterführung am Bahnhof befürwortet
Land in Sicht: Hier hinten soll das Bildungszentrum gebaut werden, der Rat beschloss jetzt auch den Grunderwerb für 1,17 Millionen Euro.

Diese lange umstrittene „handballtaugliche“ Zweifeld-Halle stieß nach den letzten Modifikationen auf einhellige Zustimmung, worüber sich besonders Bürgermeisterin Christel Halm freute, wie sie dem TAGBLATT kurz vor Sitzungsbeginn verriet: Sie sei glücklich, dass man nun endlich einen Kompromiss gefunden, alle Interessen unter einen Hut gebracht habe.

Die neue Sporthalle sieht nach Schilderung des Projektsteuerers Gerd Grohe nun folgendermaßen aus: größerer Multifunktionsraum, abgestufte Tribüne, Küche „etwas nach hinten gerutscht“, aber trotzdem gut ans Foyer angebunden, nach „intensivem Ringen“ doch noch einen Stiefelgang reingebracht.

„Wir haben es tatsächlich geschafft, dass jetzt alle mit dieser Halle einig sind“, freute sich Halm. Es habe sich wirklich gelohnt, dass man sich die Sache noch einmal genauer angeschaut und gesagt habe: „Wir machen unsere Ammerbuch-Halle“.

Sporthalle, Parken, Erschließung, Unterführung am Bahnhof befürwortet
Der Poltringer Weg soll als Hauptzufahrt zur Schule dienen, mit Bahnübergang oben.

Bei der Verkehrserschließung des neuen Schulgeländes hinterm Bahnhof war der Entscheidungsprozess ebenfalls nicht einfach. Das Gremium befürwortete schließlich – wie in allen Punkten nahezu einstimmig – die vom Baubeirat empfohlene Variante 3 c. „Wir brauchen uns nichts vormachen, es wird nicht mehr so sein wie vorher“, meinte die Bürgermeisterin, „da wird mehr Verkehr sein“ – vor allem im Poltringer Weg. Von 250 zusätzlichen Pkw-Fahrten in der „morgendlichen Spitzenstunde“ (zwischen 6.30 und 7.30 Uhr) geht der Stuttgarter Verkehrsplaner Frank Peter Schäfer aus.

Bei der Parkierung riet Schäfer, am besten alle 64 Parkplätze zusammenzufassen, auch die der später mal vorgesehenen Kita – und zwar westlich der Bahntrasse. Dort sei kein Schallschutz erforderlich. Der Balinger Umweltplaner Klaus Grossmann, der mit seinem Büro über die Sommerpause nun den Bebauungsplanentwurf ausarbeiten wird, ging auch kurz auf den „Bühler-Plan“ ein – ein Bürger hatte vorgeschlagen, den ganzen Komplex zu drehen und die Parkplätze dahinter anzusiedeln: nicht umsetzbar, lautete Grossmanns Fazit, aus rechtlichen, aber auch aus Kostengründen.

Eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer südlich des Bahnhofs mit zwei Aufzügen, Treppen und Fahrschiene für Räder empfahl Rolf Kockerd vom Stuttgarter Ingenieurbüro Vössing – keine Brücke, denn „die müsste zwischen 6,50 bis sieben Meter hoch sein“.

In der Diskussion drehte sich fast alles um die Sorgen der Anlieger am Poltringer Weg und beim Bahnhof. Sabine Kappeler (GAL) hinterfragte nochmal den Schallschutz. Grossmann: „Auf der anderen Seite der Bahn, da geht‘s ohne.“ Und die Parkplätze – „warum nicht hinter der Schule?“ Viel zu steil, da man müsste man einen Höhenunterschied von vier Metern überwinden, lautete die Antwort von Architekt Grohe. Mit welchem Lärm haben die Anwohner zu rechnen?, wollte Niklas Becker (GAL) wissen. Jenseits der Bahn liege man überall „im grünen Bereich“, unter den Richtwerten, ließen die Planer verlauten.

Peter Schneck (CDU) wies darauf hin, dass sicher nicht alles über den Poltringer Weg fließt. Für den werde es eine wesentliche Entlastung geben, wenn am Bahnhof die Unterführung realisiert wird. Bei gutem Wetter könne man auch mit dem Fahrrad, „von Poltringen und Reusten rüber“, zur Schule fahren. Später wurde auch noch angeregt, diese illegalen Pkw-Schleichpfade am besten zu legalisieren.

„Ziel sollte sein, dass möglichst viele nicht mit dem Auto kommen, sondern mit der Bahn“, unterstrich Dietmar Hammer (GAL). Deshalb habe man das Bildungszentrum schließlich auch am Bahnhof angesiedelt. Später bekomme man ja auch noch einen nördlichen Zugang, von der Mädlesbrück her, erinnerte Robert Gimmel (BWV) an die Pläne im Zuge der Ammertalbahn-Elektrifizierung. Und man bekomme einen 15-Minuten-Takt, bekräftigte Andreas Steinacker (GAL). „Der reguliert auch ein Stück weit die Anfahrt über den Poltringer Weg“ – weil die Bahnschranke dann jede Viertelstunde unten ist. Karl Haischt (CDU) hatte Sorge, dass er als Landwirt die ganze Schule „einstaubt“, wenn es keinen geteerten Weg für die Bauern gibt. „Da werden wir eine Lösung finden“, versprach Halm.

Einstimmig beschloss das Gremium den Grunderwerb von rund 4,2 Hektar „Ob dem Bahnhof“, für 1,17 Millionen Euro, davon entfallen etwa 600.000 aufs Bildungszentrum. Und wenn das ganze Projekt scheitern sollte?, fragte der Altinger Ortschaftsrat Jörg Bauer. Darauf die zuversichtliche Bürgermeisterin: „Das Geld ist nicht zum Fenster rausgeworfen, brauchsch koi Angscht han! Und im Übrigen kommt die Schule.“

  • Recht ungehalten reagierte Bürgermeisterin Christel Halm in der Bürgerfragestunde am Montag auf die hartnäckigen Nachfragen von Anwohnern des Poltringer Wegs: „Warum keine zweite Zufahrt?“, so der Tenor. „Wir sind massiv geschockt über die neuesten Entwicklungen! Es sieht so aus, als ob wir die Last allein tragen müssten.“
  • >„Es ist noch gar nichts beschlossen“, erklärte Halm, das sei ein Bebauungsplan, „da ist noch nichts in Stein gemeißelt“. Momentan sei nur dieser eine Bahnübergang geplant; aber „es muss nicht die einzige Zufahrt bleiben, wir setzen alles daran, dass die Bürger Entlastung bekommen, dass wir einen breiten Konsens finden“, versicherte Halm.
  • >Doch die Bürger gaben sich nicht zufrieden: „Man wird immer wieder vertröstet“, kritisierte einer. Die Elektrifizierungder Ammertalbahn liege ja noch in weiter Ferne – mit vager Aussicht auf den neuen Bahnübergang, eine zweite Zufahrt von der Mädlesbrück her.
  • >Das sei Sache des Kreises, die Gemeinde habe es nicht in der Hand; „wir können nicht die Zeppelinstraße jetzt als zweite Zufahrt aufbauen, wenn sie wegkommt“, hieß es von der Verwaltungsbank.
  • >„Also Leute, wollen wir nun eine Schule oder keine?“, fragte Halm schließlich zurück – und erklärte die Bürgerfragestunde kurzerhand für beendet.

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14.07.2015, 12:00 Uhr

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