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Umbau im Berufsschulzentrum des Landkreises Reutlingen kostet etwa 150 000 Euro

Sporthalle als Notunterkunft

Vor drei Wochen haben die Arbeiten begonnen, nun ist die Sporthalle der Theodor-Heuss-Schule als Notunterkunft für Flüchtlinge fertig. Schon im September dürfte der Platzbedarf so groß sein, dass 120 Menschen in die Halle ziehen werden.

08.08.2015
  • Thomas de Marco

Reutlingen.Der Boden mit den Markierungen für die verschiedenen Sportarten ist mit dicken Grobspanplatten abgedeckt, darauf sind Ständer für die Trennwände geschraubt. 400 laufende Meter mit diesen Wänden ziehen sich durch die Halle und formen 22 Kabinen. Maximal 120 Personen können untergebracht werden. Vorgesehen sind die Kabinen für etwa sechs Einzelpersonen.

Vor der Halle stehen zwei Container mit Sanitäranlagen und einer für fünf Waschmaschinen und ebenso viele Trockner. Nächste Woche sollen noch zwei Küchencontainer mit je zehn Kochplätzen danebengestellt werden. Da die Strom-Kapazität der 1972 erbauten Halle bei weitem nicht ausreicht, werden Leitungen auf einer Metallkonstruktion über den Weg zur nächstgelegenen Transformator-Station geführt. Rund 150 000 Euro kostet der Umbau, erklärt Diplom-Ingenieur Peter Michels, zuständig für alle Schulen im Landkreis.

„So etwas habe ich in meinem Beruf bisher noch nie erlebt“, sagt Stefan Häußler, der Leiter des Kreisschul- und Kulturamts, zu dem auch das Gebäudemanagement gehört. „Das ist zwar noch kein Katastrophenszenario, aber eine Notmaßnahme, die unseren sonstigen Unterbringungskonzepten nicht entspricht. Aber in der Zeit, die wir zur Verfügung haben, ist nichts anderes möglich.“ Erst am Montag hat Häußler schriftlich mitgeteilt bekommen, dass dem Landkreis im August 283 Flüchtlinge zugewiesen werden. Bis Juni waren es noch maximal nur 130 Personen pro Monat.

Ab 13. August wird nun erst einmal das Alte Lager in Münsingen sukzessive mit 250 Flüchtlingen belegt. Dafür hat das Landratsamt einen pensionierten Ex-Mitarbeiter reaktiviert, der dieses Projekt koordinieren soll. Häußler rechnet damit, dass die Sporthalle im Berufschulzentrum dann im September benötigt wird.

„Wir wissen nicht, wie lange wir die Halle brauchen. Geplant ist, dort Menschen unterzubringen, bei denen absehbar ist, dass ihre Verfahren schnell entschieden werden“, sagt Häußler. Schnell entschieden heißt in der Regel, dass am Ende ein positiver Bescheid steht, weil die Flüchtlinge aus Kriegsgebieten kommen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Halle für wenige Monate brauchen.“

Weil Häußler mit seinem Gebäudemanagement derzeit nicht nur solche Notfall-Unterkünfte erstellt, sondern auch normale Wohn-Objekte nach dem Konzept der dezentrale Unterbringung verwaltet, ist zusätzlich eine Bauingenieurin eingestellt worden. Genehmigt wurde die unbefristete Stelle im Frühjahr im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik. Die Frau nimmt am 17. August ihre Arbeit auf und kümmert sich ausschließlich um Asylgebäude.

Während die große Halle im Sportgebäude der Heuss-Schule für die Unterbringung vorgesehen ist, wird die kleine Halle als Aufenthaltsraum eingerichtet. Dort stehen dann Tische und Stühle sowie Tischtennisplatten. In diesem Raum wird auch gegessen. Geliefert werden die Mahlzeiten von der Insiva GmbH aus der Großküche in Rappertshofen, vor Ort werden die Speisen nur noch erwärmt. Die Küchencontainer sind nur für kleinere Kochaktionen vorgesehen.

Dank eines glücklichen Zufalls seien im Berufsschulzentrum noch Container übriggeblieben, in denen unterrichtet worden war, als die beruflichen Gymnasien ausgebaut wurden, sagt der Leiter des Kreisschul- und Kulturamts. „Die lassen wir stehen, da hätten wir dann bei Bedarf gleich Räume für Sprachkurse oder andere Betreuungsangebote“, sagt Häußler.

Während die Halle für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt wird, muss der Sportunterricht eingeschränkt werden. Die 1992 gebaute Hans-Kern-Sporthalle am Rande des Berufschulzentrums werde dann intensiver für den Schulunterricht genutzt, sagt Häußler. Das gehe sicherlich zu Lasten von Vereinen. Vorrang hätten dabei Schülerinnen und Schüler an beruflichen Gymnasien, die Sport als Prüfungsfach belegen. Vor den Ferien hat es noch Abstimmungsgespräche zwischen Landratsamt und den Schulleitern gegeben. Wie alles konkret geregelt wird, das ergibt sich wahrscheinlich erst kurz bevor die Flüchtlinge dann tatsächlich untergebracht werden.

Sporthalle als Notunterkunft
400 laufende Meter Trennwände formen 22 Kabinen: Die Sporthalle der Theodor-Heuss-Schule kann jetzt 120 Flüchtlinge aufnehmen.Bild: Haas

Guido Wolf, der CDU-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, hat sich gestern in Münsingen über die Entwicklungen und Herausforderungen der Flüchtlingsunterbringung im Landkreis Reutlingen in formiert. Er hat dabei mit Landrat Thomas Reumann sowie mit Asylbewerbern in zwei verschiedenen Unterkünften gesprochen. „Um die Herausforderungen gut lösen zu können, braucht es einen Schulterschluss der Parteien und kein parteipolitisches Gefetze. Sonst profitieren davon Kräfte, die wir am Wahlsonntag nicht im Parlament finden wollen“, mahnte Wolf anschließend bei einer Pressekonferenz im Alten Lager, wo demnächst 250 Flüchtlinge untergebracht werden. Künftig soll es im Kreis Reutlingen auch einen Schulterschluss von Kommunalpolitik und
Kirchen geben.

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08.08.2015, 12:00 Uhr

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