Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Untrainiert in die Liga

Sportler kritisieren Hallenmisere und mangelnde Information

Der Sportunterricht für einige Tübinger Schulen wird an anderen als den gewohnten Orten gehalten. Teilweise müssen die Kinder mit Bussen hingebracht werden. Und: Die Traglufthalle an der Jahnallee ist ersatzlos gekippt. Diese Nachricht verärgert vor allem die Sportvereine.

21.09.2012
  • Ute Kaiser

Tübingen. Erst wird die Spielhalle in der Uhlandstraße stillgelegt, damit das Uhland-Gymnasium saniert und erweitert werden kann. Dann platzten die Traglufthallen-Pläne. Das ruft die SPD-Gemeinderatsfraktion auf den Plan. Sie will von der Stadt wissen, wie viele Hallenstunden die Tübinger Schulen brauchen, um „einen bildungsplankonformen Schulsport“ anzubieten. Und ob die „kommunale Infrastruktur“ im laufenden Schuljahr ausreicht, um diesen Sportunterricht „in allen Tübinger Schulen zu gewährleisten“.

Schulen nehmen es zähneknirschend hin

Unterzeichnerin Amely Krafft sorgt sich darum, dass Sporthallen, die als Ausweichquartier genutzt werden teils so weit weg sind, „dass die Schüler länger mit Busfahren und Umziehen beschäftigt sind, als dass sie Sport treiben könnten“. Das Wildermuth-Gymnasium (WG) beispielsweise hat sich deswegen gegen die Rammerthalle in Weilheim entschieden.

„Wir waren traurig“, sagt Schulleiter Helmut Janisch über die Entwicklung. Allerdings hätten die Schulen „zähneknirschend“ auch „die Not der Stadt“ gesehen und mit den Zuständigen vom Fachbereich Schule und Sport nach einer gemeinsamen Lösung gesucht. Er freue sich, „dass wir durch die Kompromissbereitschaft aller Schulen eine tragbare Lösung gefunden haben“, wird Tübingens Erster Bürgermeister Michael Lucke in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert.

Schülergruppen, die um den Anlagensee joggen, schätzt Janisch, wird es allenfalls bis zum 8. Oktober geben. Danach, so heißt es von der Stadt, gilt der Verlegungsplan. Von da an fahren auch die Schulbusse zur Weilheimer Rammerthalle.

Die Gymnasien haben sich abgesprochen. Uhland- und Kepler-Sportler werden in der Gymnastikhalle des WG unterrichtet. Das wiederum ist in der Paul-Horn-Arena präsenter. Statt drei sporteln dort vier Gruppen parallel – auch im Turnraum und im Laufschlauch. Im Ganztagsbereich bieten die Gymnasien gemeinsam einige Sport-Arbeitsgemeinschaften an. Dass die Traglufthalle nicht kommt, hat aus Janischs Sicht einen kleinen positiven Aspekt. Für die Jugendlichen, die zumindest im Sommer die Kleinspielfelder an der Jahnallee intensiv nutzen, ändert sich nichts.

Ähnlich zähneknirschend wie die Schulen fügt sich der Tübinger Gesamtelternbeirat. „Wir sehen es kritisch“, sagt dessen Vorsitzender Rainer Drake, „aber keinem fällt eine bessere Lösung ein.“ Aus Sicht der Eltern ist einiges „sehr unglücklich gelaufen“. Damit meint Drake, „ohne eine böse Absicht unterstellen zu wollen“, die Kommunikation zwischen Rathaus und Betroffenen.

In seiner per Mail verbreiteten Erklärung bedauert Lucke, dass Sportvereine und andere Hallennutzer während der Bauzeit in der Uhlandstraße Einschränkungen hinnehmen müssen: „Diese Situation können wir derzeit leider nicht ändern.“ Bisher nutzten der Vereinssport und andere Institutionen die Spielhalle und den Gymnastikraum unter der Woche abends von 18 Uhr nach Angaben der Stadt 40 Stunden. 28 Stunden seien durch die Zusammenlegung von Sportgruppen, die Teilung von Hallen, die Reduzierung von Trainingszeiten und durch die Nutzung kleinerer Räume aufgefangen worden. Das heißt, zwölf Stunden pro Woche fallen ersatzlos aus.

„Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Detlef Reeg vom Stadtverband für Sport, „mit uns wurde nicht geredet.“ Nachdem sich die Pläne für die Halle im Gärtnereihof zerschlagen hatten, hofften die Sportler auf die Traglufthalle. Besonders bitter sei, dass sich der „seit Jahr und Tag“ bestehende Mangel noch einmal verschärft habe: „Das ist höchst unbefriedigend.“

Kein Ausweichquartier weit und breit in Sicht

Den Turnverein Derendingen (TVD) trifft die Misere derzeit besonders hart. Er kann bis 5. November die Kreissporthalle nicht nutzen. 27 Zeitstunden pro Woche hat er dort gebucht. Obwohl der TVD frühzeitig informiert war und sich auf die Suche begab, kam er nur mit einem Bruchteil der nötigen Trainingsstunden in anderen Hallen unter.

Vier Basketball-Teams, davon drei Landesliga-Mannschaften, konnten am Mittwoch nicht trainieren, weil die Ballspielhalle im Französischen Viertel noch nicht zur Verfügung stand. „Jede Halle, die schließt, erhöht den Druck“, sagt Felix Heisel, der bei den Basketballern für den Spielbetrieb zuständig ist. Seit zwei Jahren versucht die Abteilung vergeblich, in Hallen rund um Tübingen „einen Fuß reinzubekommen“. Doch überall hören die Verantwortlichen nur: „Alles ausgebucht.“

Hanns-Peter Krafft, den Vorsitzenden der TSG, treibt das Hallenthema schon jahrelang um. Er wünscht sich unter anderem bessere Info-Strukturen von der Stadt, damit der Verein den Einsatz der hauptamtlichen Trainer mit langfristigen Verträgen besser planen kann. Manchmal fördern erst Nachfragen bei den Hausmeistern der Hallen freie Trainingszeiten zutage.

Von der Kommunalpolitik erwartet Krafft außerdem eine konkrete Aussage, wie sie sich die Zukunft des Sports in Tübingen vorstellt. Aus Sicht von Bernd Wellhäußer ist die Antwort klar. „Die Stadt hätte schon lange eine Halle bauen müssen“, sagt der Zweite Vorsitzende des TVD. Das kommt auch immer wieder bei den Workshops mit der städtischen Fachabteilung zur Sprache. Der Gemeinderat müsste beschließen, dass in den nächsten zwei Jahren in Tübingen eine Halle gebaut wird. Doch bei den Ratsfraktionen, so Wellhäußers Eindruck, „hat der Vereinssport keine Priorität“.

Lesen Sie dazu auch das “Übrigens” in der Freitagsausgabe des Schwäbischen Tagblatts.

Sportler kritisieren Hallenmisere und mangelnde Information
Weil die Spielhalle in der Uhlandstraße nicht mehr für den Schulsport genutzt werden kann, haben die Stadt, die Uhlandstraßen-Gymnasien und die Grundschule Innenstadt in der letzten Ferien- und der ersten Schulwoche einen Verlegungsplan entwickelt. Ein Bestandteil davon ist die Verdichtung: Es trainieren mehr Gruppen als bisher parallel in einer Halle. Archivbild: Kuball

Für den Schulsport ändert sich in den kommenden beiden Jahren einiges: Die Gymnasien der Uhlandstraße weichen in die Wildermuth-Turnhalle, den Turnraum und den Laufschlauch der Paul-Horn-Arena sowie in die Weilheimer Rammerthalle aus. Bei guter Witterung können laut Stadt auch die sanierten Freizeitsport-Anlagen des SV 03-Stadions, der Jahnallee und die Kleinspielfelder in der Nähe der Schulen intensiver genutzt werden.
Die Schüler/innen der Grundschule Innenstadt nutzen die Wildermuth-Halle, die Turnhalle Silcherschule und (eine Klassenstufe) die Rammerthalle. Dort sportelt auch die Grundschule Weilheim, aber an anderen Tagen. Die Grundschule Kilchberg bleibt mit zwei von bisher vier Sportstunden in der Rammerthalle, die anderen beiden sind im Bewegungsraum der Schule.
Für alle Fahrten nach Weilheim werden Schulbusse eingesetzt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.09.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball