Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Highland Zack!

Sportliches Stammestreffen der Narrenzünfte in Talheim

Highland Games in Talheim? Das hört sich nach einem Widerspruch an. Ist es aber nicht: Die Talheimer Saibachdeifel und 17 weitere Narrenzünfte warfen sich in Kilts und holten Schottland ins Schwäbische.

29.06.2014
  • Michael Sturm

Dieser Samstag ist wieder mal typisch: Es regnet, es nieselt. Der Gipfel des Mount Ross ist von Wolken umwabert. Was macht der Schotte bei so einem Wetter? Er macht Sport. Er scheucht blökende Schafe auseinander und wirft Baumstämme durch die Gegend. Und wenn er dann heimkommt will er Haggis, einen Eintopf, den außerhalb der Grenzen Schottlands niemand aufstoßfrei durch die Kehle bringt. Diese kulturellen Eigenschaften hat früher schon der germanische Barde Heino von der Hannelore in seiner weithin berühmt gewordenen Weise „Caramba, Karacho, ein Whisky“ beschrieben.

Sportliches Stammestreffen der Narrenzünfte in Talheim

Das Treffen der Clans in Talheim am Samstag war dazu bestimmt, herauszufinden, welcher der Stämme der stärkste sei. Und natürlich „weil man sich sonst das ganze Jahr über nicht sieht“, wie Frank-Peter Haas, Stammesältester der MacSaibachs, bemerkte. Dieser Clan hatte als Veranstalter alles hervorragend präpariert. Der Acker wurde extra stoppelig gelassen, um den Füßen durch möglichst rauen Untergrund noch nehr Halt zu bieten. Die Teilnehmer hatten neun Wettbewerbe zu absolvieren. Sechs davon waren für einzeln Antretende: Sie warfen Baumstämme, schleuderten Steine, schleppten Felsbrocken und warfen Eier, so weit sie konnten. Sie übten sich im Holzschloipfa, einer regionalen Variante des Holz-Schleppens, und führten – mal mehr mal weniger gekonnt – den Highland-Ritt vor: Dabei rutschte einer einem Mannschaftskameraden den Buckel hinauf und musste mit Hilfe seines Untermanns eine Art Fischerstechen gegen die andere Partei absolvieren.

Gaudi bei den zweiten Highlandgames der Talheimer Saibachdeifel

Zum zweiten Mal kämpfen Narrenzünfte bei den Talheimer Saibachdeifeln um den Sieg bei den Highlandgames.

© Video: Christian Kretschmer 03:46 min

Übungen für die kompletten Trainingsgruppen der Clans gab es auch. Aus der fernen alpinen Region importierte man die Idee, sich mit Hilfe zweier Bretter über (an diesem Tag nicht vorhandenen) Schnee zu bewegen. Schwierig wurde das, weil alle gemeinsam an die beiden Latten geschnallt waren. In einem anderen Wettbewerb rollten die Stammesmitglieder ein Fass von einem zum anderen bis ins Ziel. Das haute manch gestandenen Mann um, etwa Philip Speidel von den O‘Steinlachs – der sich mit stark errötetem Schädel rücklings fallen ließ und pumpte, als wäre er ein See-Gespenst.

In einem Staffellauf musste eine mit aus einem Fass geschöpften Most gefüllte Kelle Mann für Mann – beziehungsweise Frau für Frau – übergeben werden. A propos übergeben: Weil sich die Athleten im Lauf des Wettbewerbstags immer wieder entleeren mussten, hatte der Clan der MacDixis ein transportables Klo bereitgestellt.

Die Clans hatten sich wieder in ihre Festtags-Kilts geworfen. Die MacSteins aus Tübingen kamen in ihrem Leder-Outfit zwar wieder wie die Ur-Menschen daher. Aber immerhin brachten die anderen sehr modische Noten hinein. So stachen die pinken Kilts der MacAlbtraufs aus Salmendingen ziemlich ins Auge.

Sportliches Stammestreffen der Narrenzünfte in Talheim

Auf die blödeste Frage, die man einem Schotten stellen kann, nämlich, was er unter seinem Rock trägt, gibt es natürlich die erwartet raue Antwort: „Einen Penis und zwei Hoden“, raunzt Ludger Geisler, Stammesältester der Mac Käpfles aus Hemmendorf. Er kann sich die großen Töne leisten: Sein Clan hat beim ersten Stammestreffen dieser Art, das voriges Jahr stattfand, bei den Herren den obersten Podestplatz gesichert.

Die beiden Siegestrophäen sind begehrt. Der kreativste der MacSaibachs – Captain MacFuture, alias Manfred Zukunft – hat sie gestaltet: Zwei mit Fellhaaren von Heidschnucken belegte Granitblöcke mit einem hölzernen Bogen drüber. Und wer bekommt sie? Hemmendorf jubelt! Die MacKäpfle triumphieren diesmal sowohl bei den Herren als auch bei den Damen. Letztere lassen den Dudelsack zuhause und stimmen einfach nur ihren Kriegsgesang an: „So seh‘n Sieger aus, schalalalala!“ Eine der ihren, Lisa Mähle, kündigte einen Einfall des Clans in Rottenburg an: „Das Neckarfest kann kommen!“ Highland Zack!

Die Highland-Games im etwa 400 Seelen starken Dörfchen Braemar haben einen Kultfaktor, der weit über die Grenzen Schottlands hinausgeht: Jedes Jahr am ersten Samstag im September verwandelt sich der Ort in ein riesiges Festival-Gelände. Die Veranstaltung ist meist bereits Wochen vorher ausverkauft. Braemar muss an diesem Wochenende dem Zustrom von bis zu 20.000 Besuchern trotzen. Diese ergötzen sich an den quäkenden Tönen der traditionellen schottischen Dudelsackmusik und an den Wettbewerben, in denen sich starke Männer messen: Sie werfen Baumstämme und Steine, ziehen Gewichte oder messen sich im Tauziehen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.06.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball