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In der Bezirksliga fast zuhause

Sportverein Wachendorf gründete sich 1930

WACHENDORF (ski). Ein Dreivierteljahrhundert ist es mittlerweile her, dass auch in Wachendorf der Fußballsport Einzug hielt – erst unterm Kürzel FC, dann vereinsmäßig organisiert unter dem katholischen Namen „Deutsche Jugendkraft“ (DJK). Am kommenden Wochenende nun feiert der legitime Nachfahre von beiden, der Sportverein Wachendorf, sein 75-Jahr-Jubiläum.

29.09.2005
  • Willibald Ruscheinski

Mit einem Sektempfang und anschließenden Ansprachen beginnt am Samstagabend um 19.30 Uhr die offizielle 75-Jahr-Feier des Sportvereins Wachendorf in der örtlichen Mehrzweckhalle. Auf dem Programm des Abends stehen außerdem Ehrungen verdienter Mitglieder sowie Showeinlagen der Smarties vom Wanderclub, Kunstradfahren mit den Geschwistern Ilona und Sarah Steinmetz, eine Dia-Show zur Vereinsgeschichte und zum Abschluss orientalischer Bauchtanz.

Alleinunterhalter Marcel Steinmetz spielt dann am Sonntag um 10 Uhr zum Frühschoppen auf. Ab 11 Uhr gibt es Mittagessen, unter anderem Schlachtplatten, Schnitzel und Bauernbratwürste, später auch Kaffee und Kuchen. Das Jubiläums-Wochenende beschließt am Sonntagabend um 20 Uhr der zum 15. Mal stattfindende SVW-Showtanzabend in der Halle, wie stets mit Darbietungen mehrerer Gastvereine.

So weit es sich nach den Vereinsaufzeichnungen rekonstruieren lässt, sagt der seit acht Jahren amtierende SV-Vorsitzende Manfred Hänle, begann der Spielbetrieb bereits im Spätsommer 1929. In Gang gebracht hatte ihn ein gewisser Max Schlierer, der nicht aus Wachendorf gebürtig war, aber am Ort arbeitete. „Sehr bald“, so Hänle, reichte es dem neugegründeten FC dank ordentlichem Zulauf seitens der männlichen Bevölkerung zu einer kompletten Elf, die nun erste Spiele gegen die Teams aus den Nachbar-Flecken austrug.

Taten es dafür anfangs noch die Dorfwiesen im Brühl, so genügten sie den Ansprüchen bald nicht mehr, und mit einfachsten Mitteln, sprich: sehr viel Handarbeit, legten die Kicker im Gelände am Riedholz einen Sportplatz an. Offenbar der örtliche Pfarrer sorgte dann dafür, dass sich die Fußballer 1930 unter dem gängigen Kürzel DJK in die katholische Sportbewegung einreihten. So nahmen sie von da an auch am regulären Spielbetrieb teil.

Allerdings nur drei Jahre lang, denn nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden auch am oberen Neckar die Verbände aufgelöst und das Vereinseigentum des DJK Wachendorf beschlagnahmt. Erst im Mai 1948 kam es zur Wiedergründung, die von 28 alten und neuen Mitgliedern ausging, unter ihnen die spätere Vorstände Anton Schüle, Josef Biener und Emmerich Faiß. Mit viel persönlichem Einsatz und vergleichsweise wenig Geld packte der Sportverein Ende der sechziger Jahre dann den Bau eines neuen Sportplatzes samt Sportheim an.

Zu ihren heutigen Dimensionen wuchs sich die Wachendorfer Sportanlage in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus: 1989 wurde das neue Sportgelände für den Spielbetrieb frei gegeben, und 1997 nahm der SV sein mit 13 000 freiwilligen Arbeitsstunden errichtetes neues Vereinsheim in Besitz. Weil die Gemeinde Starzach das Wohngebiet Holzwiesen vergrößern wollte, gab der Verein dann 2002 auch noch seinen alten Sportplatz ab und baute dafür einen neuen Trainingsplatz.

Obwohl in den siebziger Jahren eine Tischtennis-Abteilung hinzu kam, später der Laufsport und nach dem Bau der örtlichen Mehrzweckhalle in den Achtzigern auch eine Frauen-Gymnastikgruppe sich dem SV anschloss, blieb der Fußball unangefochten die dominierende Sportart im Verein. Zumal entsprechenden Erfolge nicht ausblieben und die Erste Mannschaft zwei Mal sogar den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Abgesehen von solchen Höhenflügen hält sich der Sportverein Wachendorf seit einem Vierteljahrhundert bemerkenswert kontinuierlich in der Bezirksliga Nördlicher Schwarzwald.

Komplett mit fußballerischem Nachwuchs aus dem eigenen Flecken wie früher, sagt Manfred Hänle, wäre das allerdings inzwischen nicht mehr zu schaffen. Auch deswegen zeigte sich der Verein aufgeschlossen, als Ende der neunziger Jahre Gespräche über die Gründung eines Gesamt-Starzacher Sportvereins in Gang kamen. Noch beim letzten runden Geburtstag des SV im Jahr 2000 zeigte sich Hänle zuversichtlich, dass an der Fusion „über kurz oder lang kein Weg vorbei“ führen werde – inzwischen ist der Versuch gescheitert. .

Beim Jugendfußball allerdings arbeiten die Sportvereine der drei Starzacher Höhen-Ortsteile seit gut eineinhalb Jahrzehnten reibungslos in Spielgemeinschaften zusammen und schaffen es so immer wieder, trotz wachsender Freizeit-Konkurrenz Jahr für Jahr Jugendteams in verschiedenen Altersklassen zu bilden, die auch diverse Titel holen. Wenn den SV Wachendorf mit seinen derzeit 330 Mitgliedern überhaupt der Schuh drückt, sagt Manfred Hänle, dann hauptsächlich dort, wo auch andere Vereine ihre Probleme haben: „Es wird immer schwieriger, ehrenamtlich Engagierte zu finden – ob nun für die Betreuung der Jugendmannschaften oder die Bewirtschaftung des Vereinsheims.“

Sportverein Wachendorf gründete sich 1930
In der Aufstellung (von links hinten nach rechts vorn) Vees-Schlierer-Ruggaber-Seifer-Probst-Beth-Schwab-Speidel-Vees-Linsenmann-Biener lief die DJK Wachendorf 1932 auf. Ein Jahr, nachdem dieses stolze Mannschaftsbild entstand, lösten die Nazis den Verein auf und beschlagnahmten sein Vermögen.

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29.09.2005, 12:00 Uhr

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