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Staatsanwalt glaubt dem Angeklagten nicht
Hat der 61-Jährige in einem Aussiedlerhof bei Deißlingen den Landwirt erstochen oder ist der ins Messer gefallen? Das muss das Landgericht Rottweil klären.Foto:dpa
Landgericht Rottweil verhandelt den gewaltsamen Tod eines Landwirts aus Deißlingen

Staatsanwalt glaubt dem Angeklagten nicht

Vor einem halben Jahr wurde in einem Aussiedlerhof bei Deißlingen ein Landwirt erstochen. Ein 61-Jähriger ist angeklagt, ihn getötet zu haben. Der sprach gestern von einem tragischen Unglück.

06.04.2016
  • PETRA WALHEIM

Rottweil/Deißlingen. "Ich bin nur froh, dass meine Tochter noch lebt." Die Mutter von Margit O. ist auch in der Sitzungspause noch den Tränen nahe. Die 26-jährige Margit hat vor einem halben Jahr den Überfall auf den Hofladen eines Aussiedlerhofs bei Deißlingen im Kreis Rottweil miterlebt und musste mitansehen, wie ihr Schwager unter ihren Händen verblutete.

Ein Unbekannter war am Morgen des 6. Oktober 2015 in dem Hofladen aufgetaucht, hatte die Frauen, die darin arbeiteten, mit einem 22 Zentimeter langen Messer bedroht und Geld gefordert. Der 38-jährige Landwirt Jörg O. kam dazu, wollte den Räuber überwältigen und bezahlte seinen Einsatz mit dem Leben. Ob der Eindringling bewusst zugestochen hat oder der Landwirt ins Messer gefallen ist, muss die 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Rottweil in den nächsten neun Sitzungstagen klären.

Nach der Version des 61 Jahre alten Angeklagten war es ein Unglück, "das größte Unglück in meinem Leben", sagte er. Es tue ihm leid, sagte er den Angehörigen gestern und bat um Verständnis für sein Handeln. Zuvor hatte er Richtern und Schöffen eine Schilderung der Geschehnisse aufgetischt, die der Erste Staatsanwalt Michael Gross später so kommentierte: "Sie erfinden hier eine Geschichte, die ihnen passt, die aber mit der Wahrheit wenig zu tun hat." Auch der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer fand die Ausführungen wenig glaubhaft. "Wir haben mit ihren Einlassungen so unsere Schwierigkeiten", sagte er. Es gebe zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten.

Der Mann, der in Ex-Jugoslawien und Ungarn gelebt und immer wieder auch in Deutschland gearbeitet hat, wollte die Kammer davon überzeugen, dass er an diesem Morgen am meisten Angst hatte. Deshalb habe er sich eine Strumpfmaske über den Kopf gezogen und die Frau, die ihm als erstes in dem Hofladen begegnet war - Margit O. -, gefesselt. Von der Chefin des Hofladens, Christa O., die dazu kam, habe er Geld gefordert, ohne sie mit dem Messer zu bedrohen. Das habe er immer nur mit der Klinge nach unten in der Hand gehalten. "Ich hatte nicht die Absicht zu rauben", sagte er. Er habe nur etwas zu essen haben wollen und ein wenig Geld, um sich eine Fahrkarte nach Ungarn kaufen zu können.

Als der Landwirt versucht habe, ihn zu überwältigen, seien sie gemeinsam zu Boden gegangen, und der Mann sei in das Messer gefallen. Das drang nach Auskunft des Gerichts tief in die rechte Körperseite des Mannes ein, verletzte Lunge, Leber und auch das Herz. Kurz danach war der Mann tot.

Den staatenlosen Räuber stellte die Polizei in einem angrenzenden Wald. Ja, er sei in den Wald gerannt und habe, als er die Polizei gesehen habe, gerufen, dass er hier sei, sagte er gestern. Die Wahrheit ist, dass es eine groß angelegte Suchaktion gegeben hat.

Auch die Version der Betroffenen klingt anders. Margit O., die mit dem Bruder des Getöteten verheiratet ist, Mutter Christa und Vater Albrecht sagten gestern einmütig aus, der Mann habe sie sehr wohl mit dem Messer bedroht, habe Geld in Scheinen verlangt, sei mit Münzen nicht zufrieden gewesen. Er sei, nachdem Jörg O. zu Boden gegangen sei, mit dem Messer auf Albrecht O. losgegangen. Es sei gelungen, ihn in der Küche einzusperren. Doch er sei durchs Fenster entwischt - und das, obwohl er nach eigenen Angaben ein stark schmerzendes Bein gehabt habe.

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06.04.2016, 06:00 Uhr

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