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Rempler war kaum spürbar

Staatsanwaltschaft stellt Unfallflucht-Ermittlung gegen OB Palmer ein

Kein hinreichender Tatverdacht: Die Tübinger Staatsanwaltschaft hat im Dezember das Verfahren gegen Oberbürgermeister Boris Palmer „wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort“ eingestellt.

07.01.2015
  • hz

Tübingen. Beim Einparken in der Tiefgarage des „Blauen Turms“ hatte der OB Ende September mit einem Dienstwagen das Auto eines Fitness-Centers gestreift. Ein Gutachten ergab jetzt, dass Boris Palmer den Parkrempler im September aber nicht zwingend bemerkt haben muss. Staatsanwältin Tatjana Grgic sagte am Mittwoch, es handle sich um einen relativ oberflächlichen Schaden, der durch einen Streifvorgang in sehr flachem Winkel entstanden sein muss.

Für Palmer sei der Unfall also vielleicht weder hör- noch spürbar gewesen. Um den Tatbestand einer Unfallflucht zu erfüllen, muss der Fahrer aber erst mal wissen, dass er einen Unfall gebaut hat, erklärt Grgic. Weil der Streifer in der Tiefgarage jedoch durchaus überhörbar war, kann dem OB auch kein Vorsatz nachgewiesen werden.

„Dass ich nichts bemerkt habe, wusste ich ja“, kommentiert Palmer das Gutachten, das seine Version der Ereignisse bestätigt. Die hatte Palmer am 16. Oktober, drei Tage vor der Tübinger OB-Wahl, in einem offenen Brief an die Aufsichtsbehörde öffentlich gemacht: „Heute um 13.50 Uhr informierte mich die Staatsanwaltschaft darüber, dass Ermittlungen wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort gegen mich eingeleitet wurden“, schrieb er damals.

Er habe beim Einparken durchaus bemerkt, „dass die Autos blöd stehen“, sagte Palmer am Mittwoch. Darum habe er sich ja gleich in dem Fitness-Center drei Stockwerke unter dem OB-Büro gemeldet. An der Rezeption erkannte man das Stadtoberhaupt offenbar nicht. Palmer wurde aber von einer Überwachungskamera gefilmt. Und als die Fahrerin des Fitness-Centers später den Schaden am Auto bemerkte und anzeigte, habe die Polizei, so Palmer, erst die Videoaufzeichnungen sichten müssen, um den mutmaßlichen Missetäter als Tübingens OB zu identifizieren.

Das TAGBLATT berichtete am 17. Oktober über die Ermittlungen gegen Palmer, nachdem sich drei Tage vor der Wahl ein anonymer Briefschreiber an die Redaktion gewandt hatte. Auch Palmer meint, dass da jemand das Wahlergebnis beeinflussen wollte. „Mehr als 61,7 Prozent hätte ich aber auch ohne Lackschaden nicht gekriegt. Und ich glaube, dass mich auch keiner nur deshalb gewählt hat.“

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07.01.2015, 12:00 Uhr

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