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Leitartikel · USA

Stabile Beziehungen

23.04.2016
  • Peter De Thier, Washington

Konkrete Vereinbarungen werden keine getroffen, auch wird es nicht gelingen, die letzten Differenzen bei den Verhandlungen um das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP auszuräumen, wenn sich US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende in Hannover treffen. Dass Obama der Einladung der Kanzlerin folgt und zur Eröffnung der Hannover Messe nach Deutschland reist, ist vielmehr ein Ausdruck amerikanischer Wertschätzung. Er signalisiert, wie intakt im Großen und Ganzen die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der Supermacht USA und der Konjunkturlok der nach wie vor angeschlagenen Eurozone sind. Nicht zuletzt beweist der größtenteils symbolische Besuch, welche Bedeutung das Weiße Haus Merkel als politischer Verbündeten beimisst, die man in Washington mittlerweile als wichtigsten Ansprechpartner jenseits des Atlantik zu schätzen weiß.

Die gemeinsamen Interessen reichen von der Bewältigung der Flüchtlingskrise über Terrorbekämpfung bis hin zur Verabschiedung eines Freihandelsabkommens, von dem allerdings heute schon fest steht, dass der Kongress es bis zum Ende von Obamas zweiter Amtsperiode blockieren wird. Gewiss mag die traditionsreiche "besondere Beziehung" ("special relationship") zwischen den USA und Großbritannien weiter intakt sein. Gleichwohl ist es aber schon seit geraumer Zeit das Kanzleramt in Berlin, mit dem sich der US-Präsident zuerst verbinden lässt, wenn es darum geht, dass die USA und Europa in einer zunehmend verflochtenen Weltwirtschaft und einem immer komplexeren geopolitischen Umfeld an einem Strang ziehen.

Das hohe Ansehen hat für die Kanzlerin ebenso wie für die deutsche Wirtschaft Vorteile. Vorbei sind nämlich die Zeiten, in denen Washington scharfe Kritik daran übte, dass der Exportweltmeister nicht genug unternehme, um seine Überschüsse abzubauen und die Konjunktur mehr auf die Belebung der Binnennachfrage auszurichten. Die USA haben akzeptiert, mit einem bilateralen Defizit zu leben, das vergangenes Jahr 74 Milliarden Dollar erreichte und 2016 nur deswegen sinken dürfte, weil der Dollar im Verhältnis zum Euro wieder etwas schwächer geworden ist.

Das hohe Handelsdefizit ebenso wie der peinliche VW-Skandal, der dem Image des Unternehmens in den USA großen Schaden zugefügt hat, verblassen gegen die Unterstützung, die deutsche Unternehmen seit Jahren der weltgrößten Volkswirtschaft angedeihen lassen. Von den Autoherstellern Daimler und BMW über Siemens bis hin zum Chiphersteller Infineon, der mit rauem Gegenwind aus Silicon Valley zu kämpfen hat, investieren hunderte von deutschen Konzernen und mittelständische Unternehmen kräftig in den USA. Sie schaffen neue Arbeitsplätze, tragen zur Wertschöpfung bei und leisten somit einen wichtigen Beitrag, um die US-Wirtschaft zu stützen.

Insbesondere weiß auch der Bildungspolitiker Obama zu schätzen, dass viele der Firmen in ihren US-Werken mittlerweile das duale Ausbildungsmodell eingeführt haben. Für junge Amerikaner, die sich bisher zwischen Arbeitslosigkeit oder einem unerschwinglichen Universitätsstudium entscheiden mussten, eine attraktive Alternative "Made in Germany". Die Beziehungen sind also mehr als gesund. Sie sind robust und werden auch aufgrund des wachsenden Handels- und Investitionsvolumens eher noch stärker. Ein Zustand, den der Präsident mit seinem Auftritt in Hannover würdigen will.

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23.04.2016, 06:00 Uhr

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