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Naturschutz, ausgeführt mit der rabiaten Motorsäge

Stadt Rottenburg und Verein Vielfalt pflegen gemeinsam Hecken

Über eine Heckenpflegeaktion berichten Thorsten Teichert vom Verein Vielfalt und Hannah Wagner, die Umweltbeauftragte der Stadt Rottenburg.

29.12.2014
  • ST

Rottenburg. Dass Hecken in der Landschaft wichtige Biotope sein können, wissen die meisten. Weniger verbreitet ist dagegen das Wissen um die Pflegebedürftigkeit dieser Gehölze. Die Stadt Rottenburg arbeitet derzeit an einem Pflegekonzept für alle städtischen Hecken und hat nun zusammen mit dem Verein „Vielfalt“, der auch der Landschaftserhaltungsverband des Landkreises ist, begonnen, Pflegerückstände aufzuarbeiten. Im Blickwinkel waren dabei zunächst Hecken zwischen dem Heuberg und der Kreisstraße nach Wendelsheim.

Anhäufungen von Reisig östlich des Streimbergs kündeten davon, wie dringend die Verjüngung für die Biotope war. „Wenn Hecken zu alt werden, werden sie innen kahl. Eine grüne Hülle wahrt außen nur noch den Schein“, sagt erläutert Thorsten Teichert, der bei Vielfalt für die Landschaftspflege zuständig ist. „Die Hecke wird dann für Vogelarten, die eigentlich darin brüten würden, zunehmend wertlos.“

Daher sei es wichtig, die Gehölze regelmäßig abzusägen. So können sie wieder frisch und gesund nachwachsen. Das nenne man „auf den Stock setzen“. Damit es keine Radikalkur wird, gehe man abschnittsweise vor. Das heißt: Teilbereiche bleiben stehen und werden in den kommenden Jahren gepflegt.

„Das holzige Material hat als Rohstoff für die energetische Verwertung einen Wert, als Hackschnitzel“, erklärt Teichert. „Unser Auftragnehmer hat nicht nur schnell und sauber gearbeitet, sondern konnte auch das Material sinnvoll verwerten. So können Kosten minimiert und ein kleiner Beitrag zur regenerativen Energiegewinnung geleistet werden.“

Das Geld für diese Biotoppflege kommt aus Fördermitteln des Landes, die der Verein Vielfalt über das Landratsamt vermittelt. Er möchte die Landschaftspflege im Auftrag der Verwaltung stärker als Standbein für Landwirte und andere Unternehmer entwickeln. Die Fördermittel gibt es aber auch für ehrenamtliche Biotoppflege in Vereinen oder für Kommunen.

Zusätzlich zur Landschaftspflege kümmert sich Vielfalt auch um das „Plenum“-Projekt im Landkreis. Dabei können ebenfalls Vereine, Kommunen, Landwirte oder Unternehmer Fördermittel des Naturschutzes beantragen, etwa für die Erzeugung und Vermarktung naturnah erzeugter regionaler Produkte.

Vorrang bei der jetzigen Pflegeaktion hatten die Hecken südwestlich von Wendelsheim, weil in diesen Gewannen stark gefährdete Vogelarten vorkommen. Arten, die am Boden in Äckern und Wiesen brüten, wie die Grauammer oder das Rebhuhn. Sie benötigen zum Schutz vor ihren Feinden „freie Sicht“ und meiden Areale, die mit hohen Gehölzen zuwachsen. „Das ist eine recht spezielle Artenschutzgeschichte, bei der wir uns von Experten beraten lassen und die wir eng mit der Naturschutzbehörde abstimmen“, sagt Teichert.

Die Pflegeaktion ist gleichzeitig praktischer Auftakt für das neue Heckenpflegemanagement, das die Stadt Rottenburg erstellt. „In Rottenburg haben wir allein schon in städtischem Besitz zirka 21 Kilometer Hecken, von denen viele in die Jahre gekommen sind“, berichtet Hannah Wagner, die Umweltbeauftragte der Stadt. „Neben dem Naturschutz gilt es auch andere Belange zu berücksichtigen, zum Beispiel Verkehrssicherheit, angrenzende Bewirtschaftung, Windschutz, Sichtschutz und natürlich die Kosten. Da muss man konzeptionell und vorausschauend an die Sache rangehen, anstatt immer nur feuerwehrartig auf akute Notstände zu reagieren. Deswegen erfassen wir die Hecken systematisch und setzen Prioritäten.“ Das sei ein Mammutprojekt, aber es schaffe Grundlagen für die künftige Arbeit.

Stadt Rottenburg und Verein Vielfalt pflegen gemeinsam Hecken
Sieht aus wie eine etwas verwilderte Hecke. Aber es ist eine Anhäufung von Reisig, das beim Auslichten von Hecken in der freien Landschaft angefallen ist. Privatbild

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29.12.2014, 12:00 Uhr

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