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Stadt Stuttgart setzt auf E-Antriebe
Oberbürgermeister Fritz Kuhn in seinem Dienstwagen, ein E-Smart. Foto: Susanne Kern
Elektromobilität

Stadt Stuttgart setzt auf E-Antriebe

Stuttgart stellt seinen Fuhrpark auf abgasfreie Fahrzeuge um. Gemeinderat schafft „Fonds für emissionsfreies Fahren“.

08.10.2016
  • RAIMUND WEIBLE

Noch vor kurzer Zeit undenkbar: ein Minister fährt zu einem offiziellen Termin nicht mit Chauffeur und glänzendem Oberklassefahrzeug vor, sondern kommt per Rad. Winfried Hermann, grüner Verkehrsminister, und sein Pressesprecher Edgar Neumann setzen seit einiger Zeit schon Helme auf und schwingen sich zu vielen Terminen innerhalb Stuttgarts auf ihre batterieunterstützten Pedelec-Räder. „Damit sind wir wesentlich schneller in der Stadt unterwegs“, sagt Neumann. So auch, als die Landespolizei ihre 29 neuen Elektroautos vorstellte und feierte – im insgesamt 5200 Fahrzeuge starken Landes-Polizeifuhrpark allerdings ein überschaubarer Posten.

Auch die allgemeinen Stuttgarter Zahlen muten noch bescheiden an. Aktuell waren Ende Juni insgesamt 360 000 Fahrzeuge in der Stadt zugelassen. Davon hatten gerade 937 Fahrzeuge einen vollelektrischen Antrieb, 489 sind Hybridfahrzeuge und 302 fahren mit Hilfe einer Brennstoffzelle.

Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg will Gas bei der Luftreinhaltung geben. Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß um 25 Prozent reduziert werden. Auch Stuttgart als besonders gebeutelte Feinstaubstadt arbeitet mit Finanzspritzen und zahlreichen Initiativen an der Reduzierung der Stickoxide. Zentrale Projekte sind dabei die Reduzierung des Individualverkehrs und die Umstellung auf E-Mobilität, die den CO2-Ausstoß im städtischen Flottenmix erheblich senken sollen.

„Stuttgart ist in Deutschland die E-Mobilitätshauptstadt Nummer Eins“, zeigt sich Michael Münter vom städtischen Referat für Nachhaltige Mobilität selbstbewusst. Und verweist als Beispiel auf die 500 Fahrzeuge große, vollelektrische car2go-Leihflotte oder das E-Roller-Projekt der Stadt. Auch acht Prozent der SSB (Stuttgarter Straßenbahnen) Busse und PKWs verfügen über alternative Antriebe, darunter sind 18 Hybridbusse. „Wir sind früher gestartet als andere Städte, obwohl oder gerade weil Stuttgart durch Daimler, Porsche, Bosch und viele Zulieferer eine starke Prägung als Autostadt hat.“

„Wir wollen die Luftschadstoffe und den Lärm in der Stadt reduzieren“, kündigte Oberbürgermeister Kuhn im April an. Er setzt sich schon seit drei Jahren für seine Dienstfahrten innerhalb der Stadt in einen Elektro-Smart. Künftig, so Kuhn, soll jedes Auto, das die Stadt anschafft, vollelektrisch unterwegs sein und der Strom zur Versorgung der Fahrzeuge aus regenerativen Energiequellen stammen.

Doch die Umstellung auf Fahrzeuge mit nicht fossilen Brennstoffen kostet. Im Doppelhaushalt 2016/2017 der Stadt sind 14 Millionen Euro für den Ausbau der nachhaltigen Mobilität eingeplant. Sie wurden mittlerweile durch Bundes- und Landesmittel weiter aufgestockt. Zum Beispiel für ein neues Elektro-Taxi-Förderprogramm. Im städtischen Fuhrpark werden vor allem Kleinfahrzeuge schrittweise – sobald die finanziellen Mittel vorliegen – durch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ersetzt. Aktuell sind acht Hybridfahrzeuge, neun vollelektrische Fahrzeuge, vier vollelektrische Kleintransporter, 16 E-Roller und 25 Pedelecs im Einsatz.

Zudem werden drei elektrische Lastenräder als Pilotprojekt im Garten-, Friedhofs- und Forstamt erprobt. Seit April 2016 nimmt die Stadt an einem Flottentest mit elektrischen Leicht-Lastkraftwagen teil, die in verschiedenen Ämtern auf ihre Alltagstauglichkeit geprüft werden.

Zur Beschleunigung der Umstellung auf einen vollelektrischen Fuhrpark hat der Gemeinderat im Haushaltsjahr 2016 zusätzlich einen „Fonds für emissionsarmes Fahren“ mit 300 000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit werden die höheren Anschaffungskosten, die Ladeinfrastruktur, E-Bikes und E-Lastenräder stadtintern bezuschusst.

Auch in der Landesregierung mit ihren annähernd 700 Fahrzeugen gibt es Anschaffungsziele für alternative Antriebe. Damit soll die selbst gesetzte Emissions-Obergrenze von 130 Gramm CO2/km eingehalten werden. Dieser Grenzwert wurde bereits im Sommer 2014 nahezu erreicht. Ab 2020 sollen nur noch 95 Gramm CO2/km gestattet sein.

Ministerpräsident Kretschmann selbst fährt mit innovativen Antriebstechnologien. In Stuttgart benutzt er einen Mercedes Benz S500 Plug-In-Hybrid, in Berlin einen Mercedes Benz B-Klasse F-Cell – ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle, die Wasserstoff in Strom wandelt und damit das Fahrzeug antreibt.

Kritik von der Umwelthilfe

„Bei den Landesregierungen ist ein Wechsel hin zu weniger durstigen Dienstwagen nur teilweise erkennbar“, bilanziert allerdings die Deutsche Umwelthilfe in ihrer jährlichen Studie „Dienstwagen-Check unter deutschen Spitzenpolitikern“. Dort wurden im Mai auch die Fahrzeuge der Landesspitze in Baden-Württemberg auf ihren CO2-Ausstoss hin begutachtet. Das reichte nur für Platz neun unter den deutschen Landesregierungen. Erst die Statistik 2017 wird zeigen, ob die neue grün-schwarze Ministerriege umweltfreundlicher fährt.

Immerhin gibt es jetzt eine Ladesäule direkt vor dem Neuen Schloss. Finanzministerin Edith Sitzmann fährt eine Mercedes S-Klasse mit Hybridantrieb und kann ihren Wagen stilvoll direkt vor ihrem Büro aufladen lassen.

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08.10.2016, 06:00 Uhr

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