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Betreuung statt Verkauf

Stadt will Autohaus für Hechinger-Eck-Schule kaufen

Das ehemalige Autohaus an der Schickhardtstraße könnte die Raumnöte der Grundschule am Hechinger Eck lindern. Diese überraschende Wendung tat sich am Montag im Gemeinderat auf.

25.07.2012
  • Ute Kaiser

Tübingen. Auslagerung von Klassen in die Mörike-Schule, was Eltern nicht wollten, zusätzliche Container neben den schon stehenden: Die Frage, wie die Misere an der Grundschule in der Südstadt gelöst werden kann, trieb Schule, Eltern, Stadtverwaltung und den Gemeinderat (wie mehrfach berichtet) schon heftig um. Am Montag präsentierte OB Boris Palmer „von der Seite und spät“, wie er einräumte, eine neue mögliche Lösung: das frühere Autohaus als Ausweichquartier für Ganztagsbetreuung und Essensversorgung.

„Autohäuser zu Mensen“, so fasste Palmer mit einem abgewandelten Spruch der Friedensbewegung den Vorschlag der Verwaltung zusammen. Dem schloss sich der Gemeinderat einstimmig an. Konkret heißt das, dass die städtische GWG das Gebäude kaufen soll und dann für bis zu fünf Jahre an die Stadt vermietet. Weil die ehemaligen Büro- und Verkaufsräume umgebaut werden müssen, rechnet die Verwaltung mit Investitionen von rund 300 000 Euro plus bis zu 60 000 Euro Jahresmiete zuzüglich Nebenkosten. Dann könnten auch die schon genutzten Container abgebaut werden.

Sollte die geplante Anmietung bis Mitte August nicht klappen, werden weitere Container mit gut 300 Quadratmetern Nutzfläche aufgestellt¨– so wie bisher geplant. Das würde bei einer Standzeit von fünf Jahren rund 700 000 Euro ausmachen. Das Autohaus käme die Stadt günstiger. Es soll, so Hochbauamts-Chef Andreas Haas, „möglichst bis zu den Herbstferien, spätestens bis zum Jahreswechsel“ für Betreuung und Mittagessen zur Verfügung stehen.

Eltern und Schulleitung, so der Tenor aus den Gesprächen, die Stadträte und Verwaltung nach dem unerwarteten neuen Vorschlag geführt hatten, könnten mit dieser Alternative leben. Auf den Hinweis von Bertram Flehmig (CDU), darauf zu achten, dass es „keine toxischen Altlasten“ gebe, sagte Palmer eine Luftmessung in den ehemaligen Büro- und Ausstellungsräumen zu.

Unabhängig von der aktuellen Wende bleibt es bei den zugesagten Workshops mit allen Betroffenen. Der für das Hechinger Eck soll am 13. Oktober sein, der für alle Südstadtschulen am 17. November. Bis dahin, versprach der für Schulen und Finanzen zuständige Erste Bürgermeister Michael Lucke, „legen wir alle Zahlen, die gebraucht werden, auf den Tisch“.

Kritik an fehlendem Konzept für die Südstadt

Vor allem SPD, CDU und FDP waren mit der Informationspolitik und der Planung der Stadt für die Südstadtschulen nicht zufrieden. Das zeigte am Montag beispielsweise die Stellungnahme von SPD-Sprecher Martin Sökler. Er mahnte „tragfähige Lösungen“ und ein Gesamtkonzept an. Und er hielt der Verwaltung vor, sie hätte den Gemeinderat „früher ins Boot holen müssen“. Auch Kurt Sütterlin (FDP) bemängelte fehlende „vorausschauende Schulplanung“.

Diese Kritik wollte Palmer nicht akzeptieren. Er sprach von „sprunghaft gestiegenem Bedarf an Ganztagsbetreuung und Mittagessen“, was Sökler zurückwies, und den „vielen Unbekannten“ nach der Landtagswahl. Beispielsweise dass bei Gemeinschaftsschulen wie der Französischen Schule keine Schulbezirke mehr vorgesehen sind. AL-Sprecher Heinrich Schmanns betonte, wie wichtig Planungssicherheit für Eltern und Schüler/innen ist. Aber er distanzierte sich von der Kritik. Es sei „wohlfeil, auf der Verwaltung herumzuhacken“.

Stadt will Autohaus für Hechinger-Eck-Schule kaufen
Wo einst an der Hechinger Straße Wagen verkauft wurden, kann womöglich im Herbst die Ganztagsbetreuung und die Mensa der Grundschule am Hechinger Eck untergebracht werden. Der rund 150 Meter lange Weg vom Schul- zum ehemaligen Autohaus würde über die rückwärtige Schickhardtstraße führen. Diese Sackgasse ist, so Baubürgermeister Cord Soehlke am Montag im Gemeinderat auf Nachfrage, „ungeheuer gering“ von Autofahrern frequentiert.

Eine „alternative Raumnutzung“ für die Mörike-Schule legte die Verwaltung schriftlich vor. Wenn die Grundschule am Hechinger Eck die Klassenzimmer auch in Zukunft nicht brauchen sollte, könnte dort die Schule am Lindenbrunnen unterkommen. Deren Pavillons sollen durch einen Neubau ersetzt werden. Der Baubeginn ist für 2013 vorgesehen. Die Stadt muss für mindestens sieben Klassenzimmer Ersatz finden, weil die anderen beiden Standorte der Grundschule Innenstadt voll sind. Die Schüler/innen würden im Schuljahr 2013/14 zweimal am Tag mit Bussen von der Uhlandstraße ins Feuerhägle gebracht werden. Spätestens im Sommer 2015 würden die Räume wieder frei.

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25.07.2012, 12:00 Uhr

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