Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Mit Strom geht’s leiser

Stadt will Laubbläser-Flotte auf Elektro-Betrieb umstellen

Unsere Stadt soll leiser werden. Nach diesem Motto suchen die Kommunalen Servicebetriebe nach einer Alternative zum nervig-lauten Antrieb der Laubbläser. Statt der röhrenden Zweitakt er könnten künftig Elektromotoren für Wind sorgen. Gestern nahmen die Stadtgärtner auf der Neckarinsel die ersten Akku-Bläser für Testzwecke in Betrieb.

23.10.2012
  • Sepp Wais

Tübingen. Kaum ist der Sommer und mit ihm die lärmige Rasenmäher-Saison überstanden, bricht eine neue Plage über die friedliebenden Bürger und ihr Wohnumfeld herein: Allem Anschein nach verbannen die öffentlichen und privaten Grünpfleger ihre heulenden Motorsensen nur deshalb ins Winterdepot, um noch größere Plagegeister herauszulassen: die Laubbläser, die nun wie Tyranno-Hornissen aus dem Jurassic Park durch Gärten und Parks wedeln.

So empfinden es jedenfalls viele Bürger in Tübingen, die dann ihren Zorn am liebsten ganz oben im Rathaus abladen, beim Oberbürgermeister. Nach seiner Statistik gibt es in der Tübinger Aufreger-Skala nur zwei Ärgernisse, die den Laubbläser toppen: zu wenig Mülleimer und zu viel Hundekacke. Grund genug für Boris Palmer, so meinte er gestern in der Platanenallee, sich persönlich der „lauten Luftverpester“ anzunehmen und den Umstieg auf Akku-Bläser voranzutreiben.

Ein Zurück zum lärm- und abgasfreien Handrechen kommt für Sandro Belser, den kaufmännischen Leiter der Kommunalen Servicebetriebe (KST), aus wirtschaftlichen Gründen, nicht mehr infrage: „Mit einem Laubbläser fegt ein Mann zehn Mal mehr zusammen als mit dem traditionellen Rechen.“ Deshalb setzt die Stadtverwaltung bereits seit zwanzig Jahren auf die Windmaschinen, insgesamt sind derzeit über hundert solcher Geräte im Einsatz.

Dabei gibt es längst leisere und abgasfreie Alternativen am Markt: Seit drei Jahren bietet die Entringer Gartentechnik-Firma Thurner Elektro-Bläser an – bislang allerdings ohne durchschlagenden Erfolg, wie Harald Thurner gestern einräumte: „Die Leute denken, wenn das Ding keinen richtigen Krach macht, dann bringt es auch keine Leistung.“ Dieses Vorurteil möchte er jetzt mit Tübinger Hilfe ausräumen.

Die vier Laubbläser, die er gestern den Stadtgärtnern übergab, machen Thurner zufolge genauso viel Wind wie kleinere Zweitakter-Varianten. Das aber wesentlich leiser: Während die Sprit-Motoren mit fast 110 Dezibel den Schallpegel in einer Disko erreichen, machen die Elektrogeräte mit etwa 80 Dezibel kaum mehr Krach als ein Staubsauger. Und was vor allem Belser an den neuen Geräten interessiert: Über die gesamte Lebensdauer von etwa 700 Arbeitstagen sind die Elektrobläser deutlich günstiger als die Zweitakter: Rechnet man Anschaffung und Betriebskosten zusammen, kommt ein Sprit-Bläser auf 7100 Euro, ein Elektro-Bläser hingegen nur auf 2600 Euro.

Dennoch ist KST-Mitarbeiter Jürgen Cordois, der das elektrische Blasrohr gestern zum ersten Mal in die Hand bekam, noch nicht überzeugt: „Vom Krach her ist es auf jeden Fall besser, beim Tragekomfort auch – ob aber der Akku genug Leistung bringt, um auch nasses und festgetretenes Laub aufzuwirbeln, das muss sich erst noch zeigen.“ Fürs erste haben sich die Stadtbaubetriebe deshalb mit vier Elektro-Bläsern begnügt, die nun auf kleineren Grünflächen getestet werden. Wenn sie sich bewähren, will Palmer nach und nach die gesamte „Bläser-Flotte“ austauschen.

Stadt will Laubbläser-Flotte auf Elektro-Betrieb umstellen
Leise und doch martialisch? Städtische Laubbläser im Einsatz. Archivbild: Metz

Die Laubbläser werden am Donnerstag auch den Gemeinderat beschäftigen: SPD-Mann Klaus te Wild will in der „Fragestunde“ von OB Palmer wissen, „wann all diese scheußlichen Geräte endlich abgeschafft werden“. Daran knüpft er die Frage, ob der Verwaltung bewusst sei, „dass mit dem Laub Würmer, Raupen, Spinnen, Käfer und Amphibien mit bis zu 300 Stundenkilometern weggeblasen werden“. Oder auch, dass beim Einsatz der Zweitakter neben Abgasen „auch Feinstaub, Hundekot, Sporen, Schimmelpilze sowie Reifen- und Bremsabrieb aufgewirbelt werden“. Und schließlich fragt te Wildt: „Wie vereinbart die Verwaltung den Einsatz der Geräte mit dem unter dem Slogan „Tübingen macht blau“ gepflegtem Image, eine ökologisch orientierte Stadt zu sein?“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

23.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball