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Tübingen als Weltkulturerbe

Stadt will sich bei der Unesco gemeinsam mit Marburg bewerben

Dass Tübingen eine Universitätsstadt ist, hat viele Vorteile. Jetzt soll ein ganz besonderer hinzukommen. Die Stadt will sich als Weltkulturerbe bewerben.

21.06.2012
  • Gernot Stegert

Tübingen. Der Kulturausschuss des Gemeinderats hat beschlossen, dass sich die Stadt um die Anerkennung als Weltkulturerbe der Unesco bewirbt. Dies soll gemeinsam mit Marburg geschehen. Die hessische Universitätsstadt mit ähnlicher Tradition und Struktur hat die Initiative ergriffen und ist im April auf Tübingen als Partner zugekommen.

Beide Kommunen sind sehr stark von ihren Hochschulen geprägt. Und entsprechend bewerben sich die Zwillinge mit dem Konzept „Die Universitätsstadt als kultureller Raum über 500 Jahre“. Es geht also nicht um einzelne Attraktionen wie zum Beispiel die Eiszeitkunst, sondern um die Universitätsstadt als solche. Dabei werden nicht die Baudenkmäler betont, sondern wird die kulturell-geistesgeschichtliche Tradition herausgestellt (siehe Kasten).

„Die Anerkennung als Weltkulturerbe der Unesco würde Tübingen weit über die nationalen Grenzen hinaus bekanntmachen und damit den Tourismus nachhaltig stärken“, beschreibt eine Vorlage der Verwaltung die Vorteile. Und weiter: „Die Stätten des Weltkulturerbes gewinnen nachweislich an internationaler und nationaler Reputation.“ Eine Anerkennung würde auch den Wirtschaftsstandort aufwerten.

Erster Schritt sind die Tübinger Vorarbeiten und Entscheidungen. Stadtarchivar Udo Rauch hat ein Exposé verfasst. Das begründet die Bewerbung. Als nächstes steht im Juli die Entscheidung des Gemeinderats an.

Der zweite Schritt erfolgt auf Landesebene. Das für Denkmalschutz zuständige Ministerium, in Baden-Württemberg das Wirtschaftsressort, muss Tübingen empfehlen. Das Kabinett entscheidet. Das soll noch im Juli geschehen. Denn nur noch bis zum 1. August können die Bundesländer ihre Vorschläge einreichen. Baden-Württemberg wird die Albhöhlen mit der Eiszeitkunst vorschlagen. Im Gespräch ist auch Baden-Baden, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums mitteilte. Laut Stadtverwaltung sieht das Ministerium die Tübinger Initiative „positiv“. Dessen Sprecher betonte gestern gegenüber dem SCHWÄBISCHEN TAGBLATT allerdings, die Bewerbung sei „in einer frühen Entwurfsphase“.

Auf nationaler Ebene als drittem Schritt prüft eine Expertenkommission die Vorschläge und entscheidet daraufhin die Kultusministerkonferenz (KMK). Sie erstellt voraussichtlich bis 2015 eine Liste mit Vorschlägen für die Unesco. Ab 2016 werden dann die ein oder zwei Favoriten an die Unesco weitergeleitet.

Dann beginnt viertens die internationale Runde. Diese kann zehn bis 15 Jahre dauern. Das heißt: Selbst wenn Tübingen alle Hürden nehmen sollte, wäre mit einer Anerkennung als Weltkulturerbe nicht vor Mitte der 2020er Jahre zu rechnen.

Der Weg zur Anerkennung als Weltkulturerbe ist also lang und aufwändig. „Die Wahrscheinlichkeit ist klein, aber der Gewinn wäre so groß, dass sich die Arbeit lohnt“, erklärte Oberbürgermeister Boris Palmer gegenüber dem SCHWÄBISCHEN TAGBLATT und nannte eine Aufnahme in die Unesco-Liste bildhaft „eine wunderschöne Taube auf einem sehr hohen Dach“.

Tübingen profitiert von den Vorplanungen Marburgs. Das hat die Federführung der Bewerbung extern vergeben an das Freie Institut für Bauforschung und Dokumentation (IBD). Nach dessen Einschätzung haben sogenannte serielle Bewerbungen erhöhte Chancen. Damit sind gemeinsame Anträge von zwei oder drei Beteiligten gemeint.

Nennenswerte Kosten entstehen Tübingen erst, wenn die Bewerbung in die nationale Vorschlagsliste aufgenommen werden würde. Die Verwaltung rechnet mit 100 000 Euro. Diese Summe wäre nötig für eine halbe Stelle über zwei Jahre, für Gutachten und einen geforderten Managementplan, mit dem die Stadt ihren Umgang mit dem möglichen Weltkulturerbe zu regeln hätte.

gsiehe ÜBRIGENS

In dem Exposé von Stadtarchivar Udo Rauch wird das Konzept der „Universitätsstadt als kultureller Raum“beschrieben. Dieser Ansatz gilt als vielversprechend: „Nachdem in der Vergangenheit meist bedeutende Bau- und Kunstdenkmäler erfolgreich waren, haben dieses Mal vor allem solche Projekte eine Chance, die außergewöhnliche kulturelle Traditionen und geistesgeschichtliche Entwicklungen in den Vordergrund stellen.“ Tübingen will sich als „Universitätsstadt mit protestantischer Prägung“ bewerben. Spuren des Humanismus und der Reformation spielen da eine Rolle, auch die „weltanschauliche Bescheidenheit“ im Gegensatz zum katholischen Barock. Genannt werden ferner Bibliotheken, Archive und Institute, die Kriege überstanden haben – und natürlich die ältesten Kunstwerke der Menschheit auf dem Schloss.

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21.06.2012, 12:00 Uhr

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