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Kristall und Luxuswaren im Listhaus

Stadtarchiv beleuchtet die Geschichte des List-Geburtshauses in der Wilhelmstraße 64

Anlässlich des 225. Geburtstags von Friedrich List öffnet das Stadtarchiv sein „Listarchiv“. In einer Vitrinenausstellung sind unter anderem Dokumente zu sehen, die den Wandel seines Geburtshauses vom reichsstädtischen Bürger- zum modernen Geschäftshaus dokumentieren.

16.06.2014
  • Gerald Kronberger

Reutlingen. Mit der Neunummerierung der Reutlinger Gebäude 1888 erhielt das Geburtshaus Friedrich Lists die Bezeichnung Wilhelmstraße 64. Zusammen mit der Haushälfte Wilhelmstraße 66 war es nach dem Stadtbrand 1726 unter einem Giebeldach errichtet worden. Der Vater von Friedrich List, der umgangssprachlich als der „dicke List“ bekannte Weißgerber Johannes List (1746 bis 1813), erwarb es gleichsam in Etappen 1776 und 1797 von Mutter und Großmutter. Nach Lists Tod 1846 wurde Reutlinger List-Denkmal beim Bahnhof geplant, das schließlich 1863 eingeweihte. Schon 1857 wurde seine Friedrich List durch die Kennzeichnung seines Geburtshauses erstmals im Reutlinger Stadtbild gewürdigt: Die Stadt beauftragte den Bildhauer Ernst Machold (1814 bis 1879) mit der Anfertigung einer steinernen Gedenktafel. Diese wurde im August 1857 an der Fassade angebracht, ging später aber verloren.

Durch die Expansion des „Haushaltungsmagazins“ von Flaschner Wilhelm Fauché (1880 bis 1963), dessen Vater 1886 Eigentümer des Gebäudes Wilhelmstraße 68 geworden war, wurde der Begriff „Listhaus“ zwischen 1911 und den 1970er-Jahren schließlich für einen stattlichen Gebäudekomplex zwischen Wilhelm- und Kanzleistraße namensgebend. 1909 erwarb Fauché die Nachbargebäude Nr. 66 sowie im Jahr 1911 Lists Geburtshaus.

Diese Gebäudegruppe fasste er zum „Listhaus“ zusammen, in dem neben „Haus- und Küchengeräten“ unter anderem „Kristall“ und „Luxuswaren“ angeboten wurden. Die Flaschnerei gab Fauché 1912 auf. Das „Listhaus“ wurde zunächst 1919 bis auf die Begerstraße und in den 1950er Jahren unter der Leitung von Fauchés Schwiegersohn Wilhelm Panne (1903 bis 1984) bis zur Kanzleistraße vergrößert. Weitere Erwerbungen folgten. 1976 und 1977 wurde der Komplex grundlegend umgebaut.

Im Gebäudebuch von 1893 ist die Grundfläche des Geburtshauses von Friedrich List noch mit 74 Quadratmetern angegeben. Als 2001 die Buchhandlung Osiander das „Listhaus“ vollständig anmietete, wurde dessen Gesamtverkaufsfläche mit rund 3000 Quadratmetern beziffert.

Es ist anzunehmen, dass sich Friedrich List, der leidenschaftliche Propagandist einer florierenden „Nationalökonomie“, auch über eine solch lokale Metamorphose seines Geburtshauses gefreut hätte. Die kleine Archivalienschau „Wilhelmstraße 64 – Ein Geburtshaus wächst über sich hinaus“ vor den Diensträumen des Stadtarchivs im Erdgeschoss des Reutlinger Rathauses kann bis Ende Juli zu den Öffnungszeiten der Rathaus-Eingangshalle besichtigt werden.

Stadtarchiv beleuchtet die Geschichte des List-Geburtshauses in der Wilhelmstraße 64
Fassadenansicht der Haushälften Wilhelmstraße 66 und 64 aus einer Bauakte von 1880. Oben rechts ist die verschollene Friedrich-List-Gedenktafel von 1857 zu erkennen.Stadtarchiv

Stadtarchiv beleuchtet die Geschichte des List-Geburtshauses in der Wilhelmstraße 64
Im Adressbuch von 1913/14 findet sich eine erste „Listhaus“-Annonce.

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16.06.2014, 12:00 Uhr

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