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Im Süden viel Neues

Stadtplaner zeigt 100 Interessierten ein wenig bekanntes Tübingen

Das Französische Viertel und das Loretto sind bundesweit bekannte Vorzeigequartiere Tübingens. Aber das Gebiet südlich davon entlang der Alexanderstraße und der Königsberger Straße ist selbst vielen Einheimischen fremd. Ein Rundgang in der Reihe „Kennen Sie Tübingen?“ änderte das nun – zumindest bei den Teilnehmern.

19.08.2014
  • Gernot Stegert

Tübingen. „Wissen Sie, wo die Kreuzung Alexanderstraße / Mathildenstraße ist? In dieser Ecke von Tübingen war ich noch nie.“ So wie der Frau geht es etlichen am Montag. Fast 100 Interessierte treffen sich an der vereinbarten Ecke, um sich von Stadtplaner Tim von Winning ein wenig bekanntes Tübinger Viertel zeigen zu lassen.

„Der Süden ist nicht so bekannt wie andere Teile Tübingens“, sagt Christopher Blum vom Tübinger Kulturamt bei der Begrüßung. Und begründet damit auch die Wahl des Themas. Auch stadtplanerisch seien andere Quartiere bekannter, ergänzt von Winning; in der Nähe beispielsweise das Französische Viertel und das Loretto. Doch sollen diese in den nächsten Jahren mit dem übrigen Tübinger Süden verbunden werden.

Noch viele Jahre trenne die Bundesstraße 27 mit ihrem vielen Autoverkehr das Loretto vom Alexanderquartier, bedauert von Winning. Doch haben die Stadtplaner schon 1992 begonnen, auch das ehemalige Militärgelände südlich und nördlich der Alexanderstraße zu entwickeln. Diese war einst gesäumt von einer Mauer auf der einen Seite und einem Stacheldraht auf der anderen Seite. Jetzt ist es eine breite Wohnstraße mit einem kleinen öffentlichen Platz.

Von dort führt der Rundgang durch den 2004 von der Stadt erworbenen Alexanderpark, vorbei am Kinderhaus in den Innenhof der Gebäude Alexanderstraße 50/1 und 50/2. Zu sehen ist ein Gebäude-Ensemble, das nicht massiv, sondern aufgelockert wirkt. Grund ist ein Charakteristikum Tübinger Stadtplanung: die Kleinteiligkeit. Es wird zwar eng gebaut, aber die einzelnen Hausscheiben unterscheiden sich in Form, Fassade und Farbe. So entsteht wie im Französischen Viertel oder neuerdings in der Alten Weberei ein buntes Bild.

Von Winning erläutert am Innenhof an der Alexanderstraße auch das Fundament der Tübinger Stadtplanung: Die Stadt erwirbt Flächen und verkauft diese nicht meistbietend weiter, sondern nach Konzept. „Wer die beste Idee hat, bekommt den Zuschlag. So können wir die Nutzung steuern und verhindern das Ausmosten.“ Auch macht die Stadt Vorgaben, nicht bloß über einen Bebauungsplan. So musste sich in der Alexanderstraße jeder Eigentümer an der Tiefgarage beteiligen und sich mit den anderen auf die Gestaltung des Innenhofs einigen. „Das ist anstrengend für die Beteiligten, schafft aber eine hohe Identifikation“, sagt der Stadtplaner.

Der Rundgang führt weiter zu einem zweiten Innenhof, dem zwischen Königsberger und Stuttgarter Straße. Wo früher Parkplätze waren, wächst jetzt Rasen, Kinder spielen an aufgestellten Geräten oder toben auf dem Grün herum, sogar eine kleine Kletterwand gibt es. „Das waren hier früher Offizierswohnungen“, sagt von Winning und zeigt auf die sanierten Blöcke an allen vier Seiten. Als hier nach Abzug des französischen Militärs alle Wohnungen auf einen Schlag frei wurden, seien diese vor allem mit Menschen aus der städtischen Notfallkartei belegt worden. Folge sei ein hoher Migrationsanteil von 75 Prozent mit sozialen Problemen gewesen. Ziel der Stadtplanung ist laut von Winning eine auch soziale Auflockerung gewesen. Manche Wohnungen seien günstig auf den neuesten Stand gebracht worden, um sie als Sozialwohnungen zu erhalten. Andere wurden Eigentumswohnungen.

Bei einem dritten Halt vor den Stadtwerken erläutert von Winning die Pläne für das Gelände zwischen Stuttgarter Straße und Eisenhutstraße. Es gehört dem Bund, dem Land und dem Autohaus Diedler und sieht vor allem auf dem Landesteil mit den Schuppen recht wüst aus. Mit allen drei Eignern verhandelt die Stadt über einen Kauf und Alternativstandorte. Die Planer setzen darauf, dass der Schindhaubasistunnel kommt und die B 27 verlegt wird. Dann soll die Stuttgarter Straße in die Aixer Straße münden und die Eisenhutstraße überflüssig sein. Mit dieser Straßenführung, mit Bebauung und öffentlichen Plätzen soll das Französische Viertel besser an die Südstadt angebunden werden.

Schlussstation ist der Wennfelder Garten. Dort werden alte marode Nachkriegswohnblöcke abgerissen und durch neue, größere ersetzt. So entsteht doppelt so viel Wohnraum (120 Wohneinheiten) wie bisher. Die Zahl der günstigen Wohnungen soll bleiben, sagt von Winning. Und meint: „Die Dichte ist erträglich, weil man in einer Minute im Schindhau-Grün ist.“

Info Bei der nächsten Führung stellt Gudrun Emberger das Martinianum vor. Treffpunkt ist am Montag, 25. August, um 17 Uhr vor der Gaststätte Collegium, Lange Gasse 8. Alle weiteren Führungen mit Teilnehmerkarten sind bereits ausgebucht.

Stadtplaner zeigt 100 Interessierten ein wenig bekanntes Tübingen
Mit Blick auf den Innenhof an der Alexanderstraße erläutert Stadtplaner Tim von Winning (rechts) Prinzipien der Tübinger Stadtentwicklung. Bilder: Stegert

Stadtplaner zeigt 100 Interessierten ein wenig bekanntes Tübingen
Noch trennt diese Fläche des Landes das Französische Viertel vom Rest der Stadt.

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19.08.2014, 12:00 Uhr

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