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Anerkennung als Weltkulturerbe

Stadträte begrüßen Tübingens Unesco-Bewerbung

„Einstimmig!“ jubelte Oberbürgermeister Boris Palmer, nachdem der Gemeinderat am Montag zugestimmt hatte, dass sich die Stadt um die Anerkennung als Weltkulturerbe bewirbt.

04.07.2012
  • sabine lohr

Tübingen. Die Altstadt von Regensburg ist Weltkulturerbe, die Insel Reichenau auch, das Wattenmeer und – ganz neu – das Opernhaus in Bayreuth. Auch Tübingen möchte sich gerne mit dem Titel schmücken und bewirbt sich nun gemeinsam mit Marburg darum.

Diese Idee ist jedoch nicht in Tübingen geboren worden, sondern in Marburg. Die hessische Universitätsstadt rechnet sich Chancen auf die Anerkennung als Weltkulturerbe aus. Das mit der Bewerbung beauftragte Freie Institut für Bauforschung und Dokumentation glaubt, mit der „Kombination von materieller Überlieferung mit Elementen geistigen Erbes“ eine Chance zu haben. Allerdings nicht alleine. Zumal ja leicht die Frage aufkommen könnte, warum Marburg sich bewirbt und nicht Tübingen. Zudem habe eine gemeinsame Bewerbung größere Chancen. Also fragte Marburg in Tübingen an, ob man sich nicht gemeinsam zum Thema „Die Universitätsstadt als kultureller Raum“ bewerben wolle.

Man will. Der Gemeinderat war am Montag sehr angetan von der Idee. „Das macht die Stadt bekannter, das tut uns gut“, glaubt etwa Susanne Bächer (Grüne). Kurt Sütterlin (FDP) fand, die Bewerbung passe zum Tourismuskonzept, fragte aber auch, ob nicht „die Gôgen fragen, was das bringt“. Unterstadtbewohner Bernd Gugel (Grüne) meinte dazu: „Ich bin als Gôg ganz stolz auf Tübingen.“

Kloster Bebenhausen ist Pufferzone

Verwundert war lediglich Wolfgang Wettach. Er ist Ortsvorsteher von Bebenhausen und fragte, warum denn das Kloster und die Klosterschule Bebenhausen in dem Exposé nicht vorkommen, das Dagmar Waizenegger vom Fachbereich Kultur zusammen mit Stadtarchivar Udo Rauch verfasst hat. „Bebenhausen gehört schon dazu“, sagte Waizenegger, es zähle zur so genannten „Pufferzone“. Für diesen abfällig klingenden Begriff entschuldigte sie sich sogleich, er sei eben der Fachausdruck.

Das erwähnte Exposé, in dem die Besonderheiten Tübingens als Universitätsstadt hervorgehoben werden, dient nur als kurze Begründung der Bewerbung, die auch noch das Votum des Landeskabinetts braucht. Dazu reicht das Papier allerdings nicht aus. Ein Universitäts-Professor – keiner aus Tübingen – soll nun ein Gutachten erstellen, das ausführlicher auf die auch bauhistorischen Elemente der Unistadt eingeht. Das wäre zum Beispiel, wie Waizenegger sagte, die Tatsache, dass die Universität in Tübingen als erste nicht nur bestehende Gebäude nutzte, sondern auch selber welche baute – etwa die Burse.

In etwa drei Jahren entscheidet dann die Kultusministerkonferenz, ob Tübingen und Marburg auf die Liste kommen, mit der sich die Länder bei der UNESCO bewerben. Frühestens 2020 wird dann die eigentliche, sehr umfangreiche Bewerbung eingereicht. Bis dann entschieden wird, gehen noch einige Jahre ins Land.

„Wenn Marburg Weltkulturerbe wird, hat es das Tübingen zu verdanken“, sagte Albrecht Kühn selbstsicher (CDU).

Stadträte begrüßen Tübingens Unesco-Bewerbung
Die Universität in der Stadt: Das Evangelische Stift ist eins der alten Gebäude, die bei der Bewerbung Tübingens um die Anerkennung als Weltkulturerbe eine Rolle spielen wird. Zumal Tübingen und Marburg die ersten beiden protestantischen Unistädte waren.Archivbild: Bild: Metz

Weil die UNESCO als Weltkulturerbe nur anerkennt, was schützenswert ist, schlägt die Stadtverwaltung vor, die entsprechenden Gebäude in Tübingen unter Ensembleschutz zu stellen. Über den Denkmalschutz hinaus habe die Aufnahme in das Weltkulturerbe keine Festsetzungen zur Folge. Einschränkungen gab es in der Vergangenheit aber durchaus: Dem Kölner Dom, der auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes stand, drohte der Entzug dieses Titels, weil die Stadt in der Nähe des Doms unverdrossen weiterbaute – bis die UNESCO einschritt. Das Dresdner Elbtal verlor seinen Status, weil die Stadt eine vierspurige Brücke über die Elbe baute.

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04.07.2012, 12:00 Uhr

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