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Beizeiten heim

Stadtverkehr Rottenburg ist nichts für Nachteulen

Immer wieder beklagen sich Rottenburger/innen, dass sie abends nicht mehr mit dem Bus von der Stadtmitte in ihr kernstädtisches Wohnquartier kommen.

05.09.2010
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Nicht allen ist das Anrufsammeltaxi bekannt (spätestens eine halbe Stunde vor Fahrtbeginn unter Telefon 07472/949440 buchen). Ordnungsamtsleiter Eduard Bomm weist darauf hin, dass dieses Taxi (zum Preis eines gewöhnlichen Bustickets) von Montag bis Freitag jeweils von 19 bis 23 stündlich fährt, samstags von 13 bis 23 Uhr und sonntags von 8 bis 23 Uhr. Das letzte Sammeltaxi sei gar so liebenswert, dass es seine Fahrgäste nicht an den Bushaltestellen rauswerfe, sondern sie individuell bis vor die Haustüre fährt.

Letzteres ist eine feine Sache. Doch die Aussagen zur Zeitspanne, in der das Ruftaxi fährt, hören sich besser an als sie zu sein scheinen. Diese etwas vage Formulierung „scheinen“ muss sein an dieser Stelle. Wer den Fahrplan für das Ruftaxi studiert, kommt zu der Erkenntnis: Ins Kreuzerfeld fährt unter der Woche das späteste Ruftaxi um 21.47 Uhr ab Bahnhof. Richtung Burgäcker-Äuble das letzte um 22.05 Uhr ab Marktplatz und ins Lindele um 22.21 Uhr ab Eugen-Bolz-Platz.

Samstags dürfen die Leute etwas länger ausgehen, ohne aufs eigene Auto oder das normale, teurere Taxi angewiesen zu sein: Da scheinen die Kreuzerfeldler am besten dran mit einer Abfahrtszeit von 23.47 Uhr am Bahnhof. Ins Lindele und hinauf zum Burgäcker-Äuble nennt der Fahrplan frühere Schlusszeiten.

An Sonn- und Feiertagen gilt abends der selbe Fahrplan wie von Montag bis Freitag. Deshalb stellen Kulturbeflissene, die im Kreuzerfeld wohnen, fest: „Wenn wir sonntagabends zum Konzert in die Zehntscheuer wollen, kommen wir nicht mal mehr mit dem Bus heim.“ Gerade die Konzerte des Kulturvereins mit Künstlern internationalen Niveaus sind in aller Regel am Sonntagabend. Das Anrufsammeltaxi scheint keine Lösung, denn laut Plan startet es ja schon 21.47 Uhr am Bahnhof.

Kann es wirklich sein, dass Konzertbesucher hernach zwar mit dem ÖPNV nach Ergenzingen oder nach Tübingen gelangen, die Bewohner/innen der Rottenburger Kernstadt aber nicht? Eduard Bomm im Rottenburger Ordnungsamt weiß es besser. Ins Kreuzerfeld, aber auch in alle anderen Bereiche der Kernstadt kommen die Leute auch noch mit dem Ruftaxi, das um 22.47 Uhr am Bahnhof startet!

Bomm gibt zu, dass der Fahrplan dies verheimlicht. Anders als beim Bus-Tagesbetrieb gelten die aufeinanderfolgenden Haltestellen nicht als festgelegte Tour. Beim Ruftaxi sagt der Fahrplan lediglich aus, an welcher Haltestelle um welche Uhrzeit das letzte Ruftaxi losfährt. Aber von jeder Haltestelle aus – und das sagt der Plan eben nicht – können sich die Fahrgäste an jede Haltestelle der Kernstadt fahren lassen. Welche Strecke das Taxi da im einzelnen fährt, stellt das Taxi-Unternehmen je nach den Anmeldungen zusammen. Deshalb ist der rechtzeitige vorherige Anruf nötig.

Wer dies weiß, lebt ein wenig zufriedener. Denn er kann montags bis freitags noch um 22.12 Uhr vom Eugen-Bolz-Platz oder als letzte Möglichkeit um 22.47 Uhr vom Bahnhof aus sein Kernstadt-Ziel erreichen. Samstags fährt das Ruftaxi letztmalig um 23.05 Uhr vom Marktplatz, um 23.47 vom Bahnhof oder als allerletzte Möglichkeit um 0.01 Uhr vom Ehinger Platz. Selbst wer sonntagabends das Zehntscheuer-Konzert genoss, sollte noch heim kommen: 22.44 Uhr ab Sprollstraße oder 22.47 vom Bahnhof aus fährt das Sammeltaxi, falls es gerufen wird, in alle Kernstadt-Bereiche.

Das ist alles nicht sehr spät. So begegnen die Eltern manchmal noch ihren Kindern, die gerade erst weg gehen. Aber immerhin steckt eine kleine, in manchen Fällen wesentliche Verbesserung zwischen den Zeilen des Fahrplans. Verbesserungen, die auch übers Internet nicht verraten werden, weder von den Stadtwerken noch von Naldo. Eduard Bomm denkt nun nach, wie sich die versteckten Vorteile auf dem Fahrplan darstellen lassen. Zudem rät er Institutionen wie dem Kulturverein, auf ihn zuzukommen. Vielleicht lasse sich sogar ein Ruftaxi anbieten, das den Leuten nach dem Konzertgenuss noch ein Glas Wein in einer Gaststätte gestattet.

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05.09.2010, 12:00 Uhr

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