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Barrieren werden niedriger

Stadtverwaltung will zügig auf Hinweise von Rollstuhlfahrer Heribert Adis reagieren

Da behaupte noch einer, dass „die da oben auf dem Rathaus“ gar nicht hinhören, wenn man ihnen was sagt. Im Fall von Heribert Adis, der diesen Sommer mit einer ganzen Liste von Verbesserungsvorschlägen für Rollstuhlfahrer kam, will die Stadt sehr zügig reagieren und bis zum Herbst eine Reihe von Bordsteinen absenken.

20.08.2014
  • Hete Henning

Rottenburg. „Wir sind froh über jeden Hinweis auf Stellen in der Stadt, an denen Verbesserungen erforderlich sind“, schrieb Baubürgermeister Thomas Weigel in einem Brief an Heribert Adis. Der ist 77 Jahre alt und auf den Rollstuhl angewiesen , seit ihm vor zwei Jahren ein Bein amputiert wurde. Der Rottenburger hatte im Frühsommer auf eine ganze Reihe von Barrieren und Fallen für Rollstuhlfahrer hingewiesen. Das TAGBLATT berichtete ausführlich. Zur Untermauerung seiner Beobachtungen brachte Adis außerdem auf dem Rathaus einige Fotos vorbei, die er auf seinen Touren durch die Stadt gemacht hatte.

Stahlbügel mitten auf dem Gehsteig

Die Barrierefreiheit, ließ Baubürgermeister Weigel ihn daraufhin wissen, „ist uns ein großes Anliegen“. Deshalb werde die Stadt „kurzfristig“ Umbaumaßnahmen vornehmen. So sollen an mehreren Stellen die Bordsteine abgesenkt werden: an der Ecke Erasmusstraße/Schadenweilerstraße, an der Ecke Dätzweg/Schadenweilerstraße sowie am Fußgängerüberweg in der Weggentalstraße. Dort ist der Gehweg mit einem Stahlbügel gesperrt, an dem ein Schild darauf hinweist, dass Mütter mit Kindern auf dem Weg in die Innenstadt hier die Straßenseite wechseln sollen. Während Fußgänger problemlos an der Barriere vorbei kommen, ist für Rollstuhlfahrer, die ohne Hilfspersonal unterwegs sind, Endstation, denn den Bordstein kommen sie nicht hinunter.

Bereits abgesenkt, aber eben nicht tief genug, sind zwar die Bordsteine an der Ecke Bei der Eich/Stadtlanggasse und am Zebrastreifen an der Ecke Schadenweilerstraße/Im Greut. Nach Heribert Adis‘ Beobachtungen droht an diesen Stellen der Elektro-Rollstuhl zu kippen. Auch hier will die Stadt kurzfristig Abhilfe schaffen.

Bis Oktober sollen die Bordsteine fertig sein

„Kurzfristig“ bedeutet laut Baubürgermeister Weigel, dass die Arbeiten bis zum Herbst erledigt sein sollen. Das Tiefbauamt kümmere sich bereits darum. „Wir hoffen, dass wir‘s bis Oktober hinkriegen“, sagte Weigel auf Anfrage des TAGBLATTs. Adis ist hoch erfreut, dass seine Anregungen so schnell in die Tat umgesetzt werden sollen.

Bei einigen Punkten auf Adis’ Mängelliste wird es allerdings etwas dauern, bis die Stadt aktiv wird, und zumindest ein Verbesserungsvorschlag lässt sich laut Weigel gar nicht umsetzen. Das ist die Verlängerung der Fahrrad-, Kinderwagen- und Rollstuhlrampe an der Treppe, die vom Panoramawegle am südlichen Neckarufer zur Oberen Brücke hinauf führt. Diese Rampe ist so steil, dass sie nach Adis’ Erfahrung für Rollstuhlfahrer gar nicht und für Menschen mit Kinderwagen kaum zu überwinden ist. Seine Idee, die Rampe einfach zu verlängern, um die Steigung abzumildern, stieß bei der Stadt auf wenig Gegenliebe. Das sei „baulich kompliziert“, sagt Weigel, die Rampe müsste 20 Meter lang werden und „würde scheußlich aussehen“.

Statt dessen soll ein einfaches Umleitungsschild Menschen mit Rollator, Rollstuhl und Kinderwagen den Weg von dem Panoramaweg durch die Kirchgasse zur Königstraße weisen.

„Deutlich fünfstellige Beträge“ kosten nach Weigels Schätzung die Rollatorspuren, die sich Heribert Adis und viele andere Rottenburger mit Rollator beziehungsweise Rollstuhl beispielsweise im huppeligen Pflaster vom Metzelplatz bis zur Mittleren Brücke wünschen. Der Metzelplatz sei erst kürzlich neu gesandet und damit einfacher befahrbar worden, so Weigel, außerdem hätten die Technischen Betriebe abgesackte Steine neu verlegt.

Eine Rollatorspur fürs Nonnengässle

Während der Metzelplatz noch eine Weile warten soll, will die Stadt sich nächstes Jahr des Nonnengässles zwischen Morizplatz und Königstraße annehmen. Der dortige Kopfsteinpflasterbelag stamme „aus grauer Vorzeit“ und müsse erneuert werden, sagt Weigel. Weil im Nonnengässle ein Physiotherapeut seine Praxis hat und seine Patienten dankbar für ebenes Pflaster sind, soll bei den Bauarbeiten im kommenden Jahr auch eine Rollatorspur aus glatt geschliffenen großen Steinen wie beispielsweise am Ehinger Platz verlegt werden. „Mit Kleingeld ist das nicht zu machen“, sagt Baubürgermeister Weigel. Er rechnet mit Kosten in Höhe von 30.000 Euro.

Stadtverwaltung will zügig auf Hinweise von Rollstuhlfahrer Heribert Adis reagieren
Der Bordstein am Zebrastreifen Ecke Schadenweilerstraße/Im Greut ist zwar schon abgesenkt, aber nicht genug. Weil er deshalb nur mit Vorsicht zu genießen ist – der Rollstuhl droht sonst zu kippen – will die Stadt ihn auf Anregung von Heribert Adis (im Bild) noch niedriger machen. Archivbild: Henning

Stadtverwaltung will zügig auf Hinweise von Rollstuhlfahrer Heribert Adis reagieren
Eine Rollstuhlfahrer-Falle befindet sich in der Weggentalstraße. Fußgänger sollen dort die Straßenseite wechseln, kommen aber problemlos an der Barriere vorbei. Für Leute im Rollstuhlfahrer geht es gar nicht weiter. Auch hier will die Stadt jetzt den Bordstein absenken. Bild: Adis

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20.08.2014, 12:00 Uhr

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