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Bald 50 Prozent Öko-Strom

Stadtwerke bauen Erneuerbare-Anteil durch Windpark-Zukauf aus

Während Umsatz und Gewinn 2014 leicht zurückgingen, kommen die Stadtwerke Tübingen (SWT) beim Ausbau erneuerbarer Energien gut voran. Noch in diesem Jahr könnte gut die Hälfte des gesamten Tübinger Bedarfs mit Öko-Strom gedeckt werden. Dafür sollen auch vier gerade erst gekaufte Windräder sorgen.

27.07.2015
  • Volker Rekittke

Tübingen. Ob das Öko-Image der Stadtwerke beim Anbieter-Wechsel wohl eine Rolle spielt? „Aber ja“, sagt Achim Kötzle, der im dreiköpfigen Stadtwerke-Vorstand für den Energie-Bereich zuständig ist. Wie auch seine Kollegen – der Kaufmännische Geschäftsführer Ortwin Wiebecke und der Technische Geschäftsführer Wilfried Kannenberg – ist Kötzle überzeugt, dass die grüne SWT-Strategie aufgeht. Mehr als 11 000 von insgesamt 85 000 Kund(inn)en, das sind gut 13 Prozent, würden bereits Strom aus umweltschonenden Quellen beziehen: Sonne, Wind, Wasser und Kraft-Wärme-Kopplung.

Die Stadtwerke lassen sich den Umstieg auf Erneuerbare einiges kosten. Allein 2014 steckten die SWT laut Geschäftsbericht gut 13 Millionen Euro in Beteiligungen hauptsächlich von Wind- und Photovoltaikanlagen. In diesem Frühjahr investierten die Stadtwerke knapp 19 Millionen Euro in vier Windräder bei Oberkochen in der Nähe von Aalen – mit einer Leistung von knapp 10 Megawatt.

Vergangene Woche nun legten sich die Stadtwerke ihren sechsten und bislang leistungsstärksten Windpark zu – wieder mit vier Rädern, die diesmal in einem größeren Windfeld von insgesamt 29 Windrädern in Framersheim (Rheinland-Pfalz) errichtet werden. Sobald diese Räder mit einer Gesamtleistung von 13,5 Megawatt voraussichtlich im August in Betrieb gehen und dann noch im Dezember jene in Oberkochen, werden die SWT rund die Hälfte des in Tübingen verbrauchten Stroms umweltfreundlich selbst produzieren (inklusive Kraft-Wärme-Kopplung): also etwa 200 Millionen von jenen 400 Millionen Kilowattstunden (KWh) Strom, die in der Stadt pro Jahr verbraucht werden. Allein mit dem schon bald von vier Rotoren bei Framersheim erzeugten Strom (27,1 Millionen Kilowattstunden Jahresproduktion) können rund 6800 Vier-Personen-Haushalte umweltfreundlich versorgt werden.

Im Stromgeschäft haben die Stadtwerke bei Privatkunden im Stadtgebiet einen Anteil von 90 Prozent. Allerdings kommen mittlerweile schon die Hälfte aller privaten SWT-Stromkunden von außerhalb – die meisten aus der Region rund um Tübingen. Etwas anders sieht es bei den Tübinger Firmenkunden aus – hier haben die SWT einen Anteil von rund 70 Prozent. Beim Gas haben die Stadtwerke in Tübingen dann wieder einen sehr hohen Tübinger Marktanteil: 93 Prozent. 11 300 Kunden sind es in der Unistadt, außerhalb noch einmal etwa 4500.

Parkhaus Altstadt-Mitte muss wohl saniert werden

Auch mit einem anderen Tübinger Dauerbrenner – dem Verkehr – haben die Stadtwerke viel zu tun. So sind beim vor zehn Jahren rundum-sanierten Parkhaus Altstadt-Mitte (Stadtgraben) schon länger wieder Schäden aufgetreten. Noch läuft das „Beweissicherungsverfahren“ – aber „erhebliche Baumängel“ (Wiebecke) werden wohl eine erneute Sanierung notwendig machen.

Und was ist mit dem derzeit allenthalben diskutierten Ausbau des ÖPNV, Stichwort: ticketloser Nahverkehr? „Zu manchen Spitzenzeiten und auf einigen Linien ist es schwierig, noch etwas zu verbessern“, sagt Wiebecke. So fahre an einem Werktagmorgen alle 90 Sekunden ein Bus zu den Kliniken. Zu anderen Zeiten und auf anderen Strecken gebe es durchaus Möglichkeiten. Wenn denn klar ist, woher das Geld dafür kommt, so Kötzle und Wiebecke unisono: „Wir können das nicht leisten.“ Denn die SWT hätten durch TüBus und Bäder (siehe unten) schon heute „ein strukturelles Defizit“ von 6 Millionen Euro im Jahr.

Stadtwerke bauen Erneuerbare-Anteil durch Windpark-Zukauf aus
Ein neuer Windpark entsteht derzeit bei Framersheim (Rheinland-Pfalz). Vier von insgesamt 29 Rotoren haben die Stadtwerke Tübingen gekauft.

Die Umsatzerlöse der Stadtwerke Tübingen (SWT) sanken 2014 gegenüber dem Vorjahr um 6 Millionen (-3%) auf 201 Millionen Euro. Dafür verantwortlich ist laut SWT vor allem der Rückgang beim Erdgasverkauf um 18 Prozent – weil der Winter 2014 fast ausfiel. Erneut mit rund 6 Millionen Euro subventionierten die SWT den defizitären ÖPNV (3,35 Mio.) sowie die Bäder (2,72 Mio). Übrig blieben 2014 nach Steuern 2,9 Millionen Euro, rund 2 Millionen weniger als 2013. Mit knapp zwei Dritteln dieses Gewinns wird das Eigenkapital gestärkt, ein starkes Drittel wird an die Stadt Tübingen als Eigentümerin ausgeschüttet. Die Eigenkapitalquote lag Ende 2014 bei 35 Prozent, das entspricht Rücklagen von 58 Millionen Euro. Aktuell sind bei den Stadtwerken 480 Mitarbeiter/innen beschäftigt – inklusive der 100 Beschäftigten bei der hundertprozentigen Tochter TüBus.

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27.07.2015, 12:00 Uhr

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