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Für wirtschaftlichen Ökostrom

Stadtwerke klagen gegen Atom-Subventionen und investieren in Erneuerbare Energie

Ortwin Wiebecke, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Tübingen, warnt vor einer Wiederkehr der Atomkraft und der Braunkohle. Erneuerbare Energien seien nicht allein ökologischer, sondern auch ökonomischer. Die Stadtwerke richten ihre Strategie danach aus.

23.06.2015
  • Gernot Stegert

Tübingen. Möglicherweise setzen die Stadtwerke Tübingen (SWT) 100 000 Euro in den Sand. So viel kostet nämlich ihr Anteil an der gemeinschaftlichen Klage mit anderen Stadtwerken vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Kläger wollen die Genehmigung der Europäischen Kommission von staatlichen Beihilfen in Höhe von 34 Milliarden Euro für das in England geplante neue Atomkraftwerk Hinkley Point C kippen. „Wir sehen hier eine Renaissance der Atomkraft“, sagte Wiebecke gestern im Tübinger Presseclub. Die grundsätzliche Sache ist den Stadtwerken das Geld für die Klage wert.

Das Problem der britischen Subventionen sei, dass sie keine Anschubfinanzierung wie bei den Erneuerbaren Energien in Deutschland sei, sondern eine Dauerförderung. „Das ist ein Irrweg“, so der SWT-Geschäftsführer, „ohne wirtschaftliche Grundlage.“ Dadurch werde künstlich billige Energie in den Markt gedrückt. Der Wettbewerb werde verzerrt. Regionale Stromversorger seien davon betroffen.

„Atomenergie ist ohnehin nicht wirtschaftlich“, weiß Wiebecke. Die Kosten für die Endlagerung etwa seien nie einberechnet worden, die Rückstellungen der Konzerne dafür viel zu niedrig. Bei den Erneuerbaren Energien dagegen „ist die Förderung schon deutlich nach unten gegangen“. Bei der Photovoltaik beispielsweise von 40 auf 10 Cent je Kilowattstunde. Die Betreiber des britischen Atommeilers würden unbegrenzt einen Preis von 12,8 Cent garantiert bekommen plus Inflationsausgleich.

Doch nicht bloß die britischen Atompläne machen den Tübinger Stadtwerken Sorgen. „Ich sehe die Stimmung zur Energiewende insgesamt als schwierig an“, sagte Wiebecke. Die Diskussion in Deutschland habe sich zu lange auf den Preis verengt. Zu wenig würden die Chancen gesehen. Die Energiewende sei zwar nicht in Gefahr: „Es gibt schon noch einen Grundkonsens.“ Aber die Strompreise seien derzeit etwas zu gering, so dass als Fehlanreiz die Braunkohle wieder attraktiv sei.

In Tübingen sei die Stimmung besser, sagte Wiebecke, „wir spüren die Unterstützung der Bevölkerung“. Er belegte die Behauptung mit Zahlen. 10 000 von 80 000 Stromkunden bezahlen im Blue-green-Tarif freiwillig einen Cent mehr je Kilowattstunde für Öko-Strom. Das bringe rund 300 000 Euro im Jahr ein. Das Geld investieren die Stadtwerke in Erneuerbare Energien.

Die SWT-Strategie hat nach Wiebecke drei Säulen: Erstens den Ausbau Erneuerbarer Energien. Hier seien die Möglichkeiten der Wasserkraft ausgeschöpft. Bei der Sonnenenergie tue sich derzeit wenig Neues. Bei der Windkraft kaufen die SWT Beteiligungen an Anlagen und sind weiter auf der Suche. Gerade laufen konkrete Verhandlungen, verriet der Geschäftsführer.

Zweite Säule der SWT-Strategie ist die Flexibilisierung und Sicherheit der Versorgung gegen Schwankungen bei Wind und Sonne. Hier spielen die Blockheizkraftwerke und die Fernwärme (wir berichteten kürzlich) eine große Rolle. Dritte Säule ist laut Wiebecke die Energieeffizienz, also das Einsparen von Verbrauch bei den Kunden.

Stadtwerke klagen gegen Atom-Subventionen und investieren in Erneuerbare Energie
Ortwin Wiebecke

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23.06.2015, 12:00 Uhr

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