Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Baseball gegen die Besatzer

Star des Taiwan-Kinos bringt seinen Film „Kano“ nach Tübingen

Spätestens seit „Warriors of the Rainbow“ ist Umin Boya ein Superstar des Taiwan-Kinos. Im Kino Arsenal präsentiert er am Samstag seinen Film „Kano“: „Ich wollte endlich meine eigenen Geschichten erzählen“, sagte er dem TAGBLATT über seinen Wechsel zur Regie.

10.07.2014
  • Dorothee Hermann

In seinen Filmen begibt sich Umin Bayo mit Vorliebe in eine düstere Zeit in der Geschichte Taiwans: die Jahrzehnte unter japanischer Herrschaft von 1895 bis 1945. Das opulente Actiondrama „Warriors of the Rainbow – Seediq Bale“ (2011) wurde ein Kassenschlager: Seediq-Ureinwohner revoltieren nach Jahren der Unterdrückung gegen die japanische Armee (nach einem realen Aufstand im Jahr 1930). Actionstar Boya brilliert als tätowierter Krieger und Bogenschütze. Mit der Rolle tauchte er auch in die eigene Familiengeschichte ein: Väterlicherseits gehört der 36-Jährige selbst zu den Ureinwohnern.

Seit Mittwoch ist Umin Boya Stargast der Taiwan-Woche des Taiwan-Forschungszentrums der Uni Tübingen. Als Regenbogen-Krieger spielte er ausgerechnet einen Ureinwohner, der mit den verhassten Japanern zusammenarbeitete. Solche Ambivalenzen sind Boya wichtig: „Die japanische Okkupation dauerte 50 Jahre. Es gibt sehr viele Blickwinkel, aus denen man diese Geschichte erzählen kann“, betont er. „Damals war die taiwanesische Gesellschaft extrem hierarchisch gestaffelt.“ An der Spitze standen die Japaner; es folgten die Han-Chinesen und erst dann die Ureinwohner.

Sein Regie-Debüt „Kano“ durchbricht diese rassistische Zuordnung: Ein gemischtes Baseball-Team aus taiwanesischen Ureinwohnern, Chinesen und Japanern schafft es als Außenseitermannschaft ins Finale der japanischen Nationalliga – und zeigt es der übermächtigen Kolonialmacht. Der Film hat im Tübinger Kino Arsenal Europa-Premiere.

„In Taiwan lernt man in der Schule viele negative Dinge über die japanische Besatzung“, sagt der Filmemacher. In „Kano“ blendet er stattdessen „auf das Talent des einzelnen“ – um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Boya hat als Model und Darsteller in Werbespots angefangen, um seine Studiengebühren zu finanzieren, sagt er im TAGBLATT-Gespräch. Gezielt angestrebt hat er die Leinwandkarriere nicht: Er studierte Gartenbau an der China Cultural University auf dem bekannten Yangming-Berg nahe der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh.

Als Schauspieler machte er früh in TV-Produktionen auf sich aufmerksam. Die Mini-Serie „Crystal Boys“ aus dem Jahr 2003 gilt inzwischen als schwuler Klassiker des taiwanesischen Fernsehens. Bei der Erstausstrahlung gab es noch große Widerstände, erinnert sich Boya. „Es war das erste Mal, dass Homosexualität in Taiwan im Fernsehen thematisiert wurde.“ Aber mit dem Film sei das Thema viel präsenter geworden. „Heutzutage ist es kein Problem mehr“, sagt er. „Aber es gibt natürlich noch sehr viele konservativ denkende Menschen.“ Die Homo-Ehe sei noch nicht möglich. „Aber viele engagieren sich dafür.“

Derzeit sitzt der Schauspieler an einem neuen Drehbuch. „Es ist wieder ein Kriegsthema“, sagt er: „Es geht um das Ende des Zweiten Weltkriegs auf Taiwan.“

Info: „Warriors of the Rainbow“ läuft am Freitag, 20.15 Uhr; „Kano“ am Samstag, 17 Uhr, jeweils im Kino Arsenal. Umin Boya ist bei den Vorstellungen zugegen.

Star des Taiwan-Kinos bringt seinen Film „Kano“ nach Tübingen
Uman Bayo.Bild: Sommer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.07.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.