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Im Gespräch

Starkes Duo

Seit 1. November 2014 lenkt die Nagolder Geschäftsfrau Barbara Benz die Geschicke des Einrichtungshauses Fleiner auf der Killesberghöhe in Stuttgart. Unter der Marke „Fleiner Möbel by architare“ finden sich im Traditionsmöbelhaus in Stuttgart internationale Premiummarken. Parallel dazu führt sie bereits seit sieben Jahren erfolgreich das Möbelhaus „architare“ in Nagold. Wirtschaft im Profil traf die Unternehmerin zu einem Gespräch auf dem Killesberg.

22.05.2015
  • INTERVIEW: Simone Maier | FOTO: Tom Ziora, Unternehmen

Frau Benz, wann haben

Sie sich entschieden, Fleiner zu übernehmen?

Barbara Benz: Das war eine sehr schnelle, jedoch wohlüberlegte Entscheidung. Als ich im Oktober 2014 von der drohenden Insolvenz von Fleiner hörte, war mir klar, dass dies für uns interessant sein könnte. Wir haben dann noch im selben Monat sehr schnell und sehr konzentriert verhandelt. Dazwischen war die Büromöbelmesse Orgatec in Köln, diese haben wir unterbrochen, um dann zu entscheiden, dass wir kaufen.

Warum passt Fleiner so gut zu Ihnen?

Fleiner war schon immer ein Mitbewerber von „architare“. Wir haben viele deckungsgleiche Marken im Premiumsegment und ich würde schon sagen, dass wir einfach verstehen, was Fleiner macht und wie die Branche tickt.

Was hat Sie an Fleiner überzeugt und haben Sie auch aus einer Art Verpflichtung heraus gehandelt?

Der Standort auf der neu erbauten Killesberghöhe ist sensationell. Der Name Fleiner genießt einfach einen sehr guten Ruf und ich könnte mir Stuttgart ohne diesen hochwertigen Einrichter nicht vorstellen. Und ja, Fleiner ist Tradition. 1928 wurde das Möbelhaus gegründet und mein unternehmerisches Herz würde es nicht hinkriegen, ein solches Traditionshaus sterben zu sehen.

Haben Sie Mut für die Entscheidung gebraucht?

Oh ja (lacht) – ich finde, dass es letzten Endes schon eine mutige Entscheidung war und ein hohes Risiko. Zumal wir eine große Investition getätigt haben und doch alles in sehr kurzer Zeit unter Dach und Fach gebracht haben. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass es richtig war. Von vielen treuen Kunden habe ich schon Karten und Dankesbriefe erhalten, dass sie happy sind, dass es Fleiner weiterhin gibt.

Was glauben Sie, hat zur Insolvenz von Fleiner geführt?

Ich denke, es waren in erster Linie strukturelle Probleme. Vieles in der Arbeits- und Organisationsstruktur war nicht auf dem modernsten Stand. Hier können wir jetzt unser Know-how einbringen, um es besser zu machen.

Was werden Sie künftig in Stuttgart anders machen?

Wir haben nun die Bereiche „Object Office“ und Wohnen unter einem Dach auf der Killesberghöhe. Wir richten ein gesamtes Stockwerk mit sogenannten „branded spaces“ ein, das sind Räume, in denen man ein Gesamtkonzept erkennen kann; wir zeigen die modernen Trends, zeigen neue Farben und haben eine eigene „Walter Knoll Lounge.“ Deshalb sind momentan viele Umbaumaßnahmen nötig. Zudem möchte ich gerne mehr Veranstaltungen für Kunden machen. Dafür bietet sich dieser Standort auf dem Killesberg geradezu an.

Wie haben die Mitarbeiter an beiden Standorten reagiert?

Klar waren die Mitarbeiter am Anfang verunsichert. 25 haben wir übernommen, manche haben eh schon in der kritischen Phase von Fleiner die Reißleine gezogen. Momentan gibt es Tage, da sind die Stuttgarter Mitarbeiter in Nagold und vice versa. Jeder lernt von jedem. Das klappt super und ich bin auch wirklich stolz auf die ganze Truppe, weil alle mitziehen und sich auf Veränderungen einlassen, das ist toll. Im Sommer gibt‘s ein gemeinsames Sommerfest für alle Mitarbeiter auf unserer wunderschönen Dachterrasse hier in Stuttgart. Das haben wir uns dann alle verdient (schmunzelt).

Glauben Sie wirklich an eine Zukunft für Möbel im Premiumsegment?

Ich habe das Gefühl, dass in diesen Zeiten wieder sehr viel Wert auf ein schönes Zuhause gelegt wird. Privateinladungen nach Hause sind wieder im Kommen, die Leute überlegen sich „wofür gebe ich mein Geld aus?“ und entscheiden sich ganz oft für eine gute Einrichtung. Im Fokus sind momentan das Schlafzimmer respektive schöne Betten und der Outdoor- Bereich. Garten und Terrasse als zusätzliches Zimmer: Darauf legen immer mehr Menschen wert.

Warum boomt Ihrer Meinung nach Ikea immer mehr und tradierte Unternehmen aus der Branche schließen?

Ikea hat eine klare Designsprache, eine gute Kultur und ein sensationelles Marketing. Ikea weckt Emotionen. Mir sind die Kunden lieber, die bei Ikea kaufen als bei irgendeinen Möbel-Discounter, weil die meistens den besseren Geschmack haben. Früher Ikea, heute „architare“ – so läuft das im besten Fall.

Haben Sie irgendwas von Ikea zuhause?

Hmm (sie überlegt). Becher für die Kinder. Möbel? Also, mein jüngster Sohn Hugo (Hugo ist 14, die anderen drei Söhnen sind 16, 18 und 20 - Anm. d. Red.) wollte vor Jahren ein Hochbett. Der Kostenvoranschlag des Schreiners hat mich fast umgehauen, also sind wir zu Ikea gefahren, weil ich mir schon dachte, na mal sehen, wie lange er das gut findet. Und was war das Ende vom Lied? Nach vier Monaten hat er mal angefragt, ob wir die Füße abmontieren könnten. In dem Fall war ich dann schmerzfrei und das Thema Hochbett war damit beendet (lacht).

Ihr Fazit? Würden Sie die Entscheidung, Fleiner zu übernehmen, wieder so treffen?

Auf jeden Fall. Klar ist es momentan eine Herausforderung mit der Umstrukturierung und dem Umbau. Morgens bin ich in Nagold und nachmittags fahre ich dann nach Stuttgart, aber ich sehe auf jeden Fall eine Zukunft an diesem Standort und die vielen netten Briefe und glücklichen Anrufe von langjährigen Kunden bestärken mich doch sehr, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Starkes Duo
Barbara Benz pendelt momentan zwischen Nagold und Stuttgart. Das imposante Gebäude auf dem Killesberg (li.) bietet auf rund 400 Quadratmetern Fläche viel Platz für hochwertige Möbel und besondere Raumkonzepte.

Starkes Duo

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22.05.2015, 12:00 Uhr

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