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Starpianst Igor Levit spielt für Flüchtlinge
Er kam selbst als Flüchtling nach Deutschland: Igor Levit. Foto: dpa

Starpianst Igor Levit spielt für Flüchtlinge

Als Achtjähriger kam Igor Levit selbst als Flüchtling nach Deutschland. Der Starpianist will jetzt jungen Neuankömmlingen helfen.

28.11.2015
  • DPA

Hannover. Es sind nicht nur Til Schweiger und Udo Lindenberg: In Deutschland engagieren sich zahlreiche Künstler für Flüchtlinge. Der weltweit gefeierte Pianist Igor Levit begann Anfang November sein Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle mit einer kurzen Ansprache. Er möchte diesen Beethoven-Zyklus den Menschen widmen, "die unverschuldet ohne Hab und Gut gezwungen wurden, ihre Freiheit aufzugeben, ihr Leben aufzugeben, ihr Haus aufzugeben, ihre Heimat aufzugeben", sagte der 28-Jährige.

Der Musiker mit russisch-jüdischen Wurzeln appellierte an die 1600 Zuhörer, Neuankömmlinge und ihre ehrenamtlichen Helfer zu unterstützen und sich gegen "die gefährlichen, unmenschlichen, faschistoiden, radikalen Rattenfänger und deren Mitläufer" zu wehren.

An diesem Samstag spielt der Klassik-Shootingstar, der im Oktober seine dritte CD herausgebracht hat, nun bei einem vom NDR organisierten Begegnungskonzert in seiner Heimatstadt Hannover in Niedersachsen. Die Hälfte der gut 300 Karten ging an Flüchtlingsfamilien, die mit Bussen von ihren Unterkünften zum Konzertsaal gebracht werden. Auf dem Programm steht Saint-Saëns "Karneval der Tiere".

Für Levit ist das Konzert eine Geste, um den Menschen das Gefühl zu geben: "Ihr gehört dazu." Das Wort Flüchtlinge mag er nicht. "Dabei vergessen wir leicht, dass es Menschen sind. Jeder hat ein individuelles Schicksal", sagt der Pianist in seinem Lieblingscafé im Zooviertel der Landeshauptstadt.

Vor allem die Schicksale der Kinder gehen ihm nah. Liegt dies daran, dass er selbst Migrant ist? "Wir sind 1995 als jüdische Familie über das Flüchtlingskontingent nach Deutschland gekommen, aber mit dem Flugzeug und einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung", sagt Levit. "Wir sind nicht Tausende von Kilometern zu Fuß gegangen, haben uns nicht in ein Boot über das Mittelmeer setzen müssen."

Geboren in Nischni-Nowgorod, gab der Junge schon im Vorschulalter Konzerte. Die Wahl der neuen Heimat hatte auch mit seinem musikalischen Talent zu tun. Der bekannte Klavierpädagoge Wladimir Krainew, damals Professor an der Musikhochschule Hannover, hatte ein Video von Igors Spiel gesehen und ihm Unterricht angeboten.

Auf seinem neuen Album spielt Levit auch eine zeitgenössische Komposition. "The People United Will Never Be Defeated!" des US-Amerikaners Frederic Rzewski ist ein politisches Proteststück.

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28.11.2015, 08:30 Uhr

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