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Werner Sinner mit seiner UT 250 beim Geschicklichkeitsfahren

Statt Hütchen nur Blechdosen

Sie ähnelte einer BMW, war aber eine „UT“. Werner Sinner fuhr das Stuttgarter Motorrad eineinhalb Jahre lang. In den 1950er-Jahren war er öfter bei einem Fahrtraining dabei. Die Tübinger ADAC-Jugendgruppe bot es auch auf der alten Hirschauer Straße im Tübinger Westen an.

09.06.2012

Tübingen. Die Biker sind längst wieder unterwegs. Doch der Umgang mit den schnellen Zweirädern will geübt sein, es empfiehlt sich daher, an einem Fahrsicherheitstraining teilzunehmen.

In den 1950er Jahren nannte dies der ADAC noch „Geschicklichkeitsfahren“. Die technischen Hilfsmittel waren denkbar einfach, die Not machte eben erfinderisch: Statt rot-weißer Plastikhütchen dienten leere Öldosen als Hindernis und Wegbegrenzung. Der Mössinger Werner Sinner nahm 1958 in Tübingen an einem solchen Geschicklichkeitsfahren teil.

„Das war kein Sicherheitstraining, wie man es heute kennt. Wir gingen da hin aus Gaudi und Spaß am Hobby“, erinnert sich Sinner. Er und seine Kumpel mussten keine Vollbremsungen hinlegen, es ging nur darum, zwischen den Öldosen im Slalom zu fahren.

Die Tübinger Jugendgruppe des ADAC bot solche Geschicklichkeitsparcours öfter an, Sinner war denn auch mehrmals mit dabei, auch wenn er kein Mitglied im Club war. „Das lief damals alles etwas lockerer ab, man kannte sich ja eh‘ untereinander“, sagt er. In allerbester Erinnerung ist ihm etwa auch ein Motocross-Fahren zwischen Tübingen und Dußlingen.

Das Motorrad, mit dem Sinner auf der Hirschauer Straße zwischen den Öldosen manövrierte, war eine UT. Der Markenname steht für den Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim, dort wurden die Maschinen in den 1920er Jahren produziert. Das Modell von Sinner wurde etwa Mitte der 1950er Jahre gebaut. Es hatte 250 Kubikzentimeter Hubraum und war der BMW R 26 ähnlich.

„Die UT habe ich damals gebraucht für 850 Mark (etwa 425 Euro) in Nehren gekauft. Sie ersetzte mein Moped, mit dem ich jeden Tag nach Derendingen zum Arbeiten fuhr“, erzählt der gelernte Elektriker. Ein eigenes Auto hatten in der Nachkriegszeit nicht viele, daher konnten die Motorradfahrer auch ungestört auf der Landstraße üben. „Manchmal kam der Bus Richtung Hirschau vorbei, aber das war’s dann schon“, weiß Sinner.

Am Geschicklichkeitsfahren nahmen auch oft junge Männer teil, die noch keinen Führerschein hatten. „Wir tauschten die Motorräder einfach untereinander. Meine UT wollte jeder ausprobieren, weil sie für damalige Verhältnisse ziemlich schwer war“, erzählt der Mössinger.

Nach nur eineinhalb Jahren verkaufte Sinner die Maschine wieder, was er heute ein bisschen bereut. Er kaufte sich dafür eine Maicoletta, den legendären Motorroller aus Pfäffinger Produktion.

Statt Hütchen nur Blechdosen
Die Helmpflicht lag noch in weiter Zukunft: Werner Sinner auf seibner UT 250 beim Geschicklichkeitsfahren.

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09.06.2012, 12:00 Uhr

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