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Kunst aus Klicks

Steffi Schöne will nach ihren Nomaden-Jahren in Horb zur Ruhe kommen

In der Kunstwelt hat sich Steffi Schöne bereits einen Namen gemacht. Ihre Fotoarbeiten und Skulpturen sind in mehreren Sammlungen vertreten. Jetzt freut sich die neue Bewohnerin des Antonie-Leins-Künstlerhauses auf das Horber Abenteuer.

20.08.2015

Ein wacher Blick. Ein fester Händedruck. Aufrechter Rücken. Barfuß. Sehr sympathisch. Das ist der erste Eindruck von Steffi Schöne. Seit zwei Wochen wohnt die 36-Jährige im Antonie-Leins-Haus und trat damit die Nachfolge von Monika Gollar an. Im Mai wurde Schöne vom Beirat des Künstlervereins einstimmig von insgesamt 15 Bewerben auf Platz eins gewählt. „Ich war total überrascht und happy, als ich den Zuschlag bekam“, sagt sie.

Denn die Fotokünstlerin will in Horb zur Ruhe kommen. Obwohl Ruhe vielleicht das falsche Wort ist. Die vergangenen Jahre war Schöne ständig unterwegs. Sie bezeichnet sich selbst als „Nomadin“. Kindheit und Jugend in Halle an der Saale, Kunstgeschichtsstudium in Köln und Düsseldorf, Bildhauerei- und Multimedia-Studium in Wien, ein Jahr in Australien, Aufenthalte in Künstlerresidenzen in Portugal und Irland, Abstecher nach New York, Dozentin an der georgischen Hauptstadt Tiflis. Ihre letzte Station vor Horb war Hannover. Bevor man sich in der großen weiten Welt verliert, drängt der Fotograf zum Fotoshooting. Steffi Schöne streift sich kurz Schuhe über, nimmt selbst ihre Kamera mit. Während sie im Fokus der Kamera steht – „Ich bin das gar nicht gewohnt, ansonsten ist es anders herum“ – erzählt sie von ihrem Weg zur Fotografin. Wie sie mit einer kleinen Knipse angefangen hat. Die Kamera war zuerst nur Mittel zum Zweck. Sie fotografierte alltägliche Gegenstände – wie Stühle, Tische oder Gefäße – um anhand der Fotos die Dreidimensionalitä zu untersuchen und Skulpturen zu schaffen. Doch kam Schöne an einen Zeitpunkt, in dem sie mit dem automatischen Modus nicht mehr weiterkam. Sie begann sich für die Technik zu interessieren, für die Kunst des Fotografierens. Und setzt sie gezielt als künstlerisches Ausdrucksmittel ein.

Damit gelang ihr der Durchbruch. 2011 wurde in der Stuttgarter Galerie Edith Wahlandt ihre Ausstellung „Mise en Scène“ gezeigt. Darunter waren Arbeiten, die während ihres Studiums in Wien entstanden sind. Konferenzstühle wurden zu abstrakten Bildelementen, die Fotografien bearbeitete sie digital weiter. Diese Werke spiegeln die Essenz von Schöne: Sie arbeitet an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Kunst. Mit diesen Arbeiten ist sie in vielen Sammlungen vertreten.

Im Laufe der Zeit experimentierte Schöne viel, entdeckte, was in einer Kamera alles steckt. Und was sie daraus machen kann. Sie arrangiert Tassen, Gefäße und Gläser auf einen Tisch und schiebt diese 15 Minuten bei Langzeitbelichtungen hin und her. Die Gefäße brechen aus ihrer starren Form, es entstehen neue Linien, Flächen und Formen. Oder Schöne setzt auf den Sekundenklick wie bei ihren „Gläsernen Portraits“, bei dem das Gesicht hinter Gläsern verschwindet. „Ich versuche alles auszureizen, was geht“, sagt sie.

Ihr Weg zur Künstlerin ging über einen Umweg. Vor dem Studium machte sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin. „Die Eltern wollten, dass ich etwas Sicheres lerne“, erzählt sie. So hat sie erst mit 26 Jahren ihr Kunststudium in Wien bei Erwin Wurm begonnen. Diese Jahre haben sie sehr geprägt. „Dort hat meine künstlerische Entwicklung stattgefunden.“ Nun also Horb. Ihr erster Eindruck: „Es ist sehr, sehr schön.“ Was ihr gleich aufgefallen ist: Das Läuten der Kirchenglocken und die vielen Treppen und Stäpfele. Nach ihrer Nomadenzeit wünscht sie sich jetzt einen Ort, an dem sie länger an einem Projekt arbeiten kann. Glücklich ist sie über das große Atelier. Sie hat sich bereits eine Blitz-Anlage zugelegt. „Früher musste alles in einen Koffer passen“, beschreibt sie ihren Besitz während der Reise-Jahre. Jetzt will sie sich voll auf Horb einlassen. Ihr gefällt das Gemütliche hier und dass sie so schnell in der Natur ist. Schöne ist leidenschaftliche Radfahrerin. Oder wenn die Muse mal streikt, macht sie gern einen Spaziergang. Doch genauso schnell ist sie im Städtchen – und sie ist überrascht, wie viel in Horb kulturell passiert.

Dazu möchte sie jetzt ihren Beitrag leisten. Eine Ausstellung ist auf jeden Fall geplant. Sie schätzt den Austausch mit den anderen Bewohner Elisabeth Kaiser und Christoph Mügge im Antonie-Leins-Künstlerhaus. „Ich bin mit vielen Ideen nach Horb gekommen. Diese muss ich aber erst mal sortieren“, meint sie. Außerdem steht jetzt zuerst ihr Fotoworkshop Ende September in Italien an. Den Teilnehmern will sie dabei helfen, fotografische Gewohnheiten abzulegen, um Neues zu entdecken. Das ist auch ein Teil ihres Lebens: sie gibt Kurse und macht Auftragsarbeiten als Mediengestalterin.

Wenn sie wieder zurück aus Italien ist, wird sie sich so richtig in das Horber Abenteuer stürzen. Und dabei geht es nicht nur um die Kunst, sondern auch um die Menschen. Steffi Schöne freut sich auf Begegnungen. Vielleicht sogar im sportlichen Bereich. Schöne hat lange Volleyball gespielt, in Georgien ist sie zum Tischtennis geschwenkt. „Da habe ich mit der Nationalmannschaft trainiert“, verrät sie. Mal sehen, was sie sich für die Neckarstadt einfallen lässt…dagmar stepper

Steffi Schöne will nach ihren Nomaden-Jahren in Horb zur Ruhe kommen
Bitte lächeln: Steffi Schöne ist Fotokünstlerin und normalerweise steht sie hinter der Kamera – nicht davor. Bild: bbm

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20.08.2015, 12:00 Uhr

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