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Die Entscheidung naht – der zweite Anlauf

Steinbruchauffüllung in Talheim: Noch knapp eine Woche zur Gemeinderatssitzung / Was hat sich getan?

Es kommt entweder der große Schlussstrich, oder der Startschuss für ein millionenschweren Projekt, das Talheim auf Jahre prägt. Einen Monat war Zeit, um das Thema Steinbruchauffüllung von allen Seiten zu beleuchten. In einer Woche steht es wieder auf der Agenda im Gemeinderat.

19.11.2014
  • Benjamin Breitmaier

Talheim. Montagabend in Talheim, wieder sind fast 50 Leute gekommen. Das Sportheim ist fast bis auf den letzten Platz voll – der letzt Informationsabend vor der Entscheidung. Unter den Besuchern sind trotz gleichzeitiger Fraktionssitzungen drei Gemeinderäte: Viviana Weschenmoser (SPD), Anton Ade (FD/FW) und Hermann Walz von der unabhängigen Liste. Knapp ein Monat ist vergangen. Am 25. Oktober wurde die Entscheidung über weitere Verhandlungen zur Teilauffüllung des Talheimer Steinbruchs im Horber Gemeinderat vertagt. Die Bürgerinitiative Talheim21 wusste ihre Zeit zu nutzen. Die jüngste Aktion: Ein Flyer in einer Auflage von 20 000. Ausgetragen von Mitgliedern der Bürgerinitiative – fast jeder Briefkasten in Horb wurde bedient. „Das war gut, so konnten wir mit vielen Leuten ins Gespräch kommen“, sagt BI-Sprecher Dietmar Meintel. Vier eng beschriebene Seiten, eine Chronologie, die bis in die 80er-Jahre zurückreicht. Meintel: „Es sind sehr viele Erfahrungsberichte von Anwohnern eingearbeitet. Außerdem liegen uns die Orginalverträge mit der Firma Kaltenbach von der ursprünglichen Nutzung des Steinbruchs vor.“

Hoffung liegt in der Luft, in Talheim. In einer Woche könnte alles vorbei sein. Noch einmal werden die Argumente vorgestellt, die Gefahren aus Sicht der BI aufgelistet. Noch einmal schaut man sich den Beitrag im ZDF an. Hände strecken sich in die Luft – die Frage lautet, wer im Raum einen Brief an den Ortschaftsrat geschickt hat. Nicht wenige melden sich.

Die Gegenseite – die Firma Kaltenbach – wusste die Zeit bis zur Entscheidung ebenso zu nutzen. Ein positiver Bescheid aus dem Rat, wäre es für den Unternehmer nur ein erster Schritt. Lärm, Emissionen, Imissionen, Naturschutz – die Liste der Gutachten, die es einzuholen gilt, ist lang. Mit dem Regierungspräsidium gab es erste Gespräche. Kaltenbach hält es für möglich, dass er die Genehmigung bekäme. Die Naturschützer stellen das infrage. Mit allen Fraktionen hat der Geschäftsführer gesprochen. Sein Ziel war es „die Transparenz zu verbessern“. Die Gerüchte, dass am „Strukturbeitrag“ – der knappen Million – etwas geändert hat, kann er nicht bestätigen.

Transparenz – aus mehreren Fraktionen wurde kritisiert, dass es hier hapert. Dass zu wenig Informationen auf dem Tisch liegen, die Sitzungsvorlage im Gemeinderat zu dünn war. Aus Sicht der Verwaltung wird zumindest an der Sitzungsvorlage nicht geschraubt. „Alle Fragen, die angesprochen waren, wurden in der letzten Sitzung geklärt“, sagt OB Peter Rosenberger. „Der Gemeinderat hat mit seinem Beschluss selbst festgestellt, dass die Sitzungsunterlage nicht zu dünn ist.“ Für ihn ist es „kein feiner Stil, zu sagen, die Verwaltung hat eine Sitzung schlecht vorbereitet, nur weil im Vorfeld die politischen Entscheidungen anders vorhergesagt wurden. Hätte der Ortschaftsrat mit großer Mehrheit entschieden, hätte sich der Gemeinderat einfach angeschlossen.“ Er hofft allerdings, dass die Fraktionen in ihrer Entscheidungsfindung den entscheidenden Schritt weitergekommen sind. Nach seinem Kenntnisstand gebe es keine neuen Entwicklungen. „Mein Vorschlag ist eindeutig: ablehnen.“

Einige seiner Kollegen aus der CDU-Fraktion waren sich bei der jüngsten Sitzung im Gemeinderat noch nicht sicher. Kaltenbach war auch bei ihnen. Fraktionsvorsitzender Gerhard Munding denkt, dass es am Dienstag eine Entscheidung gibt: „Wir werden das Thema vermutlich vom Tisch kriegen.“ Er hatte gegen die Auffüllung gestimmt. Einige seiner Fraktionskollegen waren für die Vertagung. Munding denkt, dass dieses Bild am nächsten Dienstag einheitlicher aussieht. Ein Informationsdefizit sieht er nicht: „Die BI hat uns bombardiert mit allem möglichen Material, wir sind bestens informiert, was da gewünscht wird.“

Um die Entscheidungsfindung zu erleichtern, waren Andreas Bronner, Munding und Monika Fuhl in Trichtingen. In zwei Steinbrüchen wird hier Abraum von Stuttgart 21 abgeladen. Obwohl die beiden Steinbrüche außerhalb von Trichtingen liegen, gibt es auch hier Bürgerproteste wegen Dreck und Lärm. Im Gespräch mit dem Bürgermeister von Epfendorf – Trichtingen ist ein Teilort – erfuhr Munding, dass täglich zwischen 35 und 100 Lastwagen durch den Ort müssen. Die Schwankungen seien allerdings beträchtlich, je nachdem wie viel Aushub aus Stuttgart gerade kommt. Damit sich der Dreck in Grenzen hält, sind Wascheinrichtungen und Kehrmaschinen laufend im Betrieb.

In Talheim geht die Infoveranstaltung zu Ende. Sprecher Dietmar Meintel freut sich, dass das Interesse am Thema ungebrochen ist. Zu dem unglücklich gewählten Termin der Infoveranstaltung sagt er: „Uns war nicht klar, dass zu der Zeit die Fraktionssitzungen stattfinden.“ Er bietet an, bei Interesse aus dem Gemeinderat kurzfristig eine weitere Veranstaltung zu organisieren.

Auf Facebook tat die BI gestern Abend noch ihren Ärger kund, dass das entscheidende Gremium der Infoveranstaltung überwiegend fernblieb: „Es waren gerade mal drei Gemeinderäte anwesend. Davon waren zwei aus Talheim. Das war sehr schade“, heißt es dort. Die Kommunikation zwischen Gremium und Bürgerinitiative sieht Meintel auch weiterhin kritisch: „Der Gemeinderat kommuniziert mit uns wenig. Wir haben noch nie eine Einladung erhalten, obwohl wir das angeboten haben.“

Der Sitzung am kommenden Dienstag sieht die BI laut Meintel mit Spannung entgegen: „Wer noch Informationen braucht, für den stellen wir sie auch zur Verfügung. Wir werden aber nicht versuchen, Entscheidungsträger irgendwie zu beeinflussen. Wir hoffen einfach auf einen guten Ausgang.“ Der Sprecher der Bürgerinitiative weiter: „’Es ist den Bürgern nicht mehr zuzumuten, diese Belastung‘, stand damals vor zehn Jahren in der SÜDWEST PRESSE“, das gelte auch heute noch.

Steinbruchauffüllung in Talheim: Noch knapp eine Woche zur Gemeinderatssitzung / Was hat sich
Er hofft, dass der am Dienstag der Startschuss für ein Projekt fällt, das auch Talheim zugute kommen soll: Armin Kaltenbach. Archivbild

Steinbruchauffüllung in Talheim: Noch knapp eine Woche zur Gemeinderatssitzung / Was hat sich
Er hofft, dass das Thema Steinbruchauffüllung am nächsten Dienstag ein für allemal begraben wird: BI-Sprecher Dietmar Meintel.Archivbild

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19.11.2014, 12:00 Uhr

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