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Gesundes von der Streuobstwiese

Steinlach-Metropole feiert mit einem großen Fest (nicht nur) den Apfel

Essen, Trinken, Vergleichen: Am Sonntag drehte sich auf dem Mössinger Pausa-Gelände alles um den Apfel. Tausende Besucher strömten in die Stadt.

03.10.2016
  • Michael Sturm

Äpfel mit Birnen vergleichen sei nicht gerade sinnvoll, sagt der Volksmund – und stopft sich im besten Fall sofort eine Frucht aus dem eigenen Garten zwischen die Zähne. Aber was für eine Sorte ist es denn überhaupt? „Ich habe Äpfel von den alten Bäumen in meinem Garten mitgebracht. Die will ich in der Halle bestimmen lassen“, sagt Gernot Moll, ein Besucher des Mössinger Apfelfests am Sonntag. Ein paar Bäume habe er noch, erzählt der Pfullinger. Einmal im Jahr lese er Obst auf, der Rest bleibe liegen.

Wie Moll sind einige auf dem Pausa-Gelände, die das Apfelfest als Informationsveranstaltung nutzen. Drinnen in der Halle sind etliche Sorten von den heimischen Streuobstwiesen zum Vergleich ausgestellt – von Äpfeln über Kirschen, Quitten und Schlehen bis hin zu Zibarten, einer wilden Pflaumenart. Das Interesse ist groß, vor den Schaukästen drängen sich die Menschen.

Wie Moll und seine Familie bewegen sich die meisten jedoch im Freien, weil es dort so viel Gutes zu riechen, erleben und essen gibt. Der Pfullinger gibt zu: „Man kommt schon auch wegen dem Essen.“ Seine Tochter probiert Chiliwurst im Sauerteig, seine Frau kommt mit einem Teller Kürbissuppe um die Ecke. Im Mittelpunkt des kulinarischen Angebots steht aber selbstverständlich der Apfel.

Den gibt es unter anderem als Flammkuchen und als Spirale aus der Schälmaschine des Mütter- und Familienzentrums Mössingen, sowie am anderen Ende des Geländes als Pfannkuchen. Die muss man aber schon selbst machen: „Der Arm tut langsam weh“, gesteht Steffen Kittelmann aus Gniebel, der eine der langstieligen kleinen Pfannen über das Feuer hält. Die Kinder sind bereits versorgt, der letzte Pfannkuchen ist für ihn selbst.

Wojciech Brun, seit einem Jahr Mössinger, nutzt das Apfelfest, um sich an die Sitten und Gebräuche in der neuen Heimat zu gewöhnen. Er nimmt den Apfel in flüssiger Form ein – als Most. „Ich habe nur ein bisschen probiert“, sagt er lachend – jemand habe ihm verraten dass der Most nicht so sehr in den Kopf, mehr aber in die Gedärme geht. Ein paar Meter weiter, am Stand des Naturschutzbunds gibt es frischen Apfelsaft, den die Nabu-Leute in Kanistern abfüllen und verkaufen. Einige Besucher bringen mittlerweile eigene Kanister mit – „letztes Jahr hatten wir zu wenig“, so Matthias Wekkeli, Kassier des Mössinger Nabu-Ortsvereins. Direkt nebenan bestaunen viele Kinder und einige Erwachsene den Vorgang, wie aus Apfel Saft wird. Alfred Metzinger hat eine alte Apfelmühle und eine ebenso bejahrte Spindelpresse mitgebracht. Die Äpfel, die er und sein Team verarbeiten, seien privat gesammelt worden. 40 Säcke, insgesamt grob 15 Zentner verschiedener Sorten, seien zusammen gekommen. Faulige werden sofort aussortiert, andere landen zunächst in einer Zinkwanne, wo sie gewaschen werden, ehe sie in die Apfelmühle kommen. Ein Mahlwerk aus gegenläufigen Steinwalzen zerreißt das Obst und teilt es in die musartige Maische und in Trester genannte Rückstände wie Stiele. Die Maische kommt in die Spindelpresse - dann fließt der Saft in Strömen. Lecker! Metzinger und seine Mannen schuften ordentlich: „Wir brauchen kein Fitness-Studio, wenn wir das den ganzen Tag machen.“ Er betont, dass beim Herstellen des Safts keine Rückstände übrig blieben. Der Trester werde auf einem Anhänger gesammelt. Ein Jäger wird ihn zum Anlocken hauptsächlich von Rehen nutzen.

Selbst einen sportlichen Wettkampf gab‘s: Die Rollblitz-WM. Der Rollblitz erinnert an einen überdimensionalen Schneebesen in Kugelform, mit dem es ein Leichtes ist, Äpfel aufzulesen. Ach wäre der nur schon vor 40 Jahren erfunden worden!

Halbmarathon durch die Streuobstwiesen rund um Mössingen

Genießen im Zeichen des Apfels lautet das Motto des von der LG Steinlach im Rahmen des Apfelfests veranstalteten Apfellaufs: ein Sportevent für alle, ohne Zeitnahme oder Platzierung. Vereinsmitglieder begleiteten die Läufer und Walker auf unterschiedlich langen Strecken durch die Streuobstwiesen. Trotz anfänglichen Regens haben insgesamt 120 Sportler mitgemacht. „Der Apfellauf scheint sich herumgesprochen zu haben“, berichtet Dieter Schneider, Vorsitzender der LG Steinlach: „Es waren in diesem Jahr einige Teilnehmer auch aus größeren Entfernungen angereist.“ Anspruchsvollste Strecke war ein Halbmarathon mit 800 Höhenmetern. Rund 40 Läufer wagten sich auf den Kurs über den Dreifürstensteig.

Beim Apfel-Schätzspiel des Vereins ging es darum, die Menge an Äpfeln in einer großen Obstkiste zu erraten. Am genauesten schätzte Martin Kostanzer aus Bisingen. Die Lösung: Es waren genau 699

Äpfelchen.

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03.10.2016, 18:45 Uhr

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