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Leitartikel

Steinzeit-Kommunist

Als Legende, als letzten Aufrechten seiner Art betrauern weltweit viele Medien den Tod des „Máximo Líder“. Doch der verklärte Blick auf Fidel Castro hat nichts mit der Realität des abgewirtschafteten Inselstaats zu tun.

28.11.2016
  • TOBIAS KÄUFER

Castros Jahrhundertherrschaft hat die Opposition ausgelaugt und ausgehungert. Hunderte Dissidenten entschieden sich nach jahrelanger Haft für ein Leben im Exil, erschöpft von den ständigen Attacken des Inlandsgeheimdienstes und seiner perfiden Methoden. Unter Kubas Staatsmedien gibt es keine Opposition, keine Armut, keinen Widerspruch. Im Vergleich zu Fidel Castros Umgang mit der Opposition erscheinen die Methoden des türkischen Präsidenten Erdogan milde. Zwar entschärfte sich der Umgang mit Regimekritikern in Kuba nach der Revolution. Doch Castro senkte immer noch seinen allmächtigen Daumen – wie zuletzt beim Schwarzen Frühling 2003, als hunderte Regimekritiker für Jahre in Kerkern verschwanden.

Im August hatte Kuba den alten Mann noch einmal ganz groß gefeiert. 90 Jahre alt war Fidel da geworden. Der letzte verbliebene Polit-Popstar des vergangenen Jahrhunderts, der es nie verstanden hat, seine Revolution ins 21. Jahrhundert zu führen. Wenn es nach Fidel Castro gegangen wäre, dann wäre Kuba auf immer so streng kommunistisch, so abgeschottet, so anti-freiheitlich geblieben, wie es in den langen Jahren unter seiner Regierung war. Den vorsichtigen Öffnungsprozess seines Bruders Raul beobachtete er misstrauisch.

Von 1959 bis 2008 hat Fidel regiert. In den ersten Jahren auch mit brutaler Gewalt, willkürlichen Hinrichtungen, Folter und Enteignungen. Homosexuelle ließ Castro brutal jagen. Das ist bei heutigen Castro-Fans ebenso vergessen, wie bei der seltsamen Romantisierung von Che Guevara, von dem überliefert ist, dass er bei Folterungen politischer Gegner die Gewaltakte höchst persönlich genoss. Auch Kubas Kommunisten hatten ihr eigenes Guantanamo, doch dem kubanischen Regime ist es dank einer völligen Abschottung gelungen, sich von den eigenen Verbrechen zu entkoppeln. Eine Aufarbeitung dieser schweren Menschenrechtsverletzungen hat nie stattgefunden, auch weil Fidel viele Angehörige seiner Opfer überlebte. Es wird schwer sein, nach seinem Tod irgendwann noch einmal lebende Zeitzeugen zu finden. Castros Andenken wird von der Gnade des späten Todes profitieren. Seine Gegner hat er zu Lebzeiten bereits eliminiert.

Ohne Fidel Castro wird der kubanischen Revolution der Rettungsanker fehlen, die Autorität, die trotz wirtschaftlicher Probleme und Massenflucht die Gesellschaft zusammenhielt. Raul Castro hat seinen Abschied bereits angekündigt. In rund zwei Jahren wird er nach Ablauf seiner Amtszeit von der Kommandobrücke gehen. Ihm wird voraussichtlich Bruno Rodriguez folgen, der in Mexiko geborene Sohn eines spanischen Bürgerkriegsflüchtlings. Rodriguez vertritt seit vier Jahren als Außenminister Kubas das Gesicht der Insel. Er gilt als zuverlässiger Diplomat und knallharter Zensor. Kuba bleibt dem Castro-Kurs wohl auch in Zukunft treu.

leitartikel@swp.de

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28.11.2016, 06:00 Uhr

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