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Tübinger Mitgefühl nach dem Terror

Stimmen zu den Anschlägen am Freitagabend in Paris

Aus „Je suis Charlie“ wurde am Freitagabend „Je suis Paris“: Nicht nur In den sozialen Netzwerken bekunden Millionen Menschen aus der ganzen Welt ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge in Paris. Das TAGBLATT sammelte Stimmen aus Tübingen und sprach mit dem Wurmlinger Sportfotograf Markus Ulmer, der in Paris vor Ort im Stadion war.

16.11.2015
  • Lorenzo Zimmer

Tübingen. Die französische Trikolore am Deutsch-Französischen Kulturinstitut in der Doblerstraße hing am Montag noch immer auf Halbmast. Am Eingang haben viele Tübinger Kränze niedergelegt und Kerzen angezündet – ein Piktogramm des Eiffelturms dient als Zeichen der Solidarität. „Schon am Samstag haben die Leute angefangen Kränze niederzulegen und uns ihr Mitgefühl auszudrücken“, sagte Institutsleiter Matthieu Osmont am Montag. „Das hat uns sehr gefreut.“

Stimmen zu den Anschlägen am Freitagabend in Paris
TAGBLATT-Fotograf Markus Ulmer war am Freitagabend vor Ort, als tausende Zuschauer nach dem Fußball-Länderspiel im Stade de France aufs Spielfeld strömten.

Vielerorts kam es am Montag zu spontanen Mahnwachen und Schweigeminuten. Vor der alten Burse versammelten sich mehrere Dutzend Studenten der Philosophie und Kunstgeschichte. „Es war eine spontane Aktion, bei der nicht viel gesprochen wurde“, so der Kunsthistoriker Professor Sergiusz Michalski. Die Stimmung sei gedrückt und merkwürdig gewesen. Eine entsprechende Einladung der Universitätsleitung an alle Hochschulmitglieder kam indes zu spät: Erst um 13.15 Uhr rief sie in einer Mail alle Studierenden und Mitarbeiter zu einer Schweigeminute um 12 Uhr auf.

Auch im Deutsch-Französischen Institut gedachte man der Opfer: Rund 20 Mitarbeiter und Gäste schwiegen gemeinsam am Montag um 12 Uhr und trugen sich in ein Trauerbuch ein. „Die Betroffenheit in Deutschland ist spürbar größer als bei den Anschlägen auf Charlie Hebdo“, sagte Osmont. Er kommt selbst aus Paris. „Der Konzertsaal Bataclan liegt zehn Gehminuten von meiner Wohnung in Paris.“ Über Facebook erhielt der Franzose noch in der Nacht zu Samstag Entwarnung von seinen Angehörigen und Freunden: „Viele haben von selbst geschrieben, dass sie unverletzt und in Sicherheit sind.“

Stimmen zu den Anschlägen am Freitagabend in Paris
Matthieu Osmont

Wie das Kulturinstitut in den kommenden Wochen mit der Aufarbeitung der Anschläge umgehen will, war am Montag noch unklar: „Das Leben muss irgendwie weitergehen – auch wenn das zur Stunde schwierig ist“, so Osmont. Angedacht sei eine Vorlesungsreihe zum Thema in Zusammenarbeit mit der Uni: „Nach der Trauer wird die Zeit für Aufarbeitung und Analyse kommen.“ Doch Osmont warnt auch: „Diese Anschläge werden nicht das Ende sein. Erst der Anschlag auf das russische Flugzeug, dann die Anschläge von Beirut vor wenigen Tagen und jetzt Paris.“ Dies alles sei eine klare Botschaft an die Länder, die sich am Syrienkrieg beteiligen, so Osmont.

Im Stadion beim Fußball-Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland vor Ort waren am Freitagabend auch der Fotograf Markus Ulmer aus Wurmlingen und sein Praktikant Fabian Lämmle aus Mössingen. Ulmer: „Schon während des Spiels hörten wir die Detonationen.“ Doch er und seine Kollegen seien von Pyrotechnik ausgegangen: „Das ist bei Fußballspielen dieser Größenordnung keine Seltenheit.“

In der Halbzeitpause erhielt der 41-Jährige dann Nachrichten aus Deutschland: „Aus Bremen kam dann eine SMS, dass es am Stadion Explosionen gegeben habe.“ Nach dem Spiel muss es dann einen Auslass-Stopp an den Ausgängen gegeben haben: „Einige Zuschauer kamen zurück ins Stadion“, so Ulmer.

Stimmen zu den Anschlägen am Freitagabend in Paris
Tunesien, Madrid, New York, Syria, Paris, Beirut: Die Liste der Anschlagsorte von islamistischen Terroristen wird länger. Die Anschläge von Paris nahmen einige Tübinger zum Anlass, vor dem Deutsch-Französischen Kulturinstitut Blumen niederzulegen und Kerzen zu entzünden.

Das Spielfeld wurde zugänglich gemacht, um eine Panik zu verhindern: „Ein paar Leute haben geweint, aber das waren eher Einzelfälle.“ Viele Leute machten auf dem Platz Selfies: „Von Panik oder Tumulten war kaum eine Spur.“

Nach dem Spiel sei es in der Stadt eher ruhig zugegangen, beschreibt Ulmer seine Eindrücke. „Auf den 250 Metern bis zum Hotel habe ich keinen einzigen Polizisten gesehen.“ Lediglich auf der Fahrt nach Deutschland habe er Beamte wahrgenommen: „An der Mautstation bei Straßburg stand eine Streife und dann auf deutscher Seite ein paar Beamte – aber mehr nicht.“

Das Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen postete eine Stellungnahme auf seiner Internetseite: „Das Zentrum verurteilt hiermit aufs Schärfste die terroristische Anschlagsserie in Paris.“ Dieser Akt sei – wie jede terroristische Handlung – mit der islamischen Religion, Lehre und Praxis in jeglicher Hinsicht unvereinbar. Und weiter: „,Wissen ist Licht‘ sagte der Prophet Muhammad; Dunkelheit kann nur vom Licht besiegt werden, Ignoranz nur von Bildung – und Bildung ist uns eine Herzensangelegenheit!“

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16.11.2015, 12:00 Uhr

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