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„Stimmung reinbringen, die Lachen und Weinen vereint“
Feiert Weihnachten mit der Mutter in der schwäbischen Heimat: Sebastian Koch. Foto: Stephanie Lehmann
Interview

„Stimmung reinbringen, die Lachen und Weinen vereint“

Schauspieler Sebastian Koch stellt sein Hörbuch mit weihnachtlichen Texten von Rilke, Hüsch, Hacke und Polt auf einer Tour durch schöne Kirchen vor.

22.11.2016
  • CLAUDIA REICHERTER

Ulm. Wer erfährt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, entfernt sich eine Zeitlang vom Weihnachtsrummel, meint Sebastian Koch. Der 54-Jährige hat mit drei Minuten Verspätung aus Berlin angerufen – und entschuldigt sich höflich dafür. Er dachte, er werde angerufen. Ein Missverständnis also. Wie die Geschichte mit der Nichtexistenz des Weihnachtsmanns. Damit räumt er in seinem neuen Hörbuch mit einem Leserbrief aus der englischen Zeitung „The Sun“ auf. Weil sich der Schauspieler selbst Weihnachten wieder angenähert hat, geht er nun mit besinnlichen Texten und musikalischer Begleitung auf Tour.

Herr Koch, was war Ihr schönstes Weihnachtserlebnis?

Sebastian Koch: In Bezug auf Gerhard Polts „Mein schönstes Weihnachtserlebnis“, gell? Och. Ich muss sagen, da gibt es eigentlich zwei. Einmal als Kind natürlich, in Obertürkheim bei Stuttgart, diese Aufregung zu Weihnachten, die hab ich noch sehr gut in Erinnerung. So zwischen acht und zwölf Jahren war das ein Riesending mit schönen Ritualen. Zum zweiten ist es jetzt das Fest der Familie für mich. Da ich doch viel unterwegs bin, genieße ich es besonders, dass man sich mal fünf bis sechs Tage am Stück sieht. Meine Tochter Pauli, die heute 20 ist und in London lebt, die hält das Beisammensein eigentlich zusammen. Dieses Jahr feiern wir bei meiner fast 80-jährigen Mutter in Stuttgart. Ich war mal eine Zeitlang wegen des ganzen Kommerzes eher weggekommen von Weihnachten, aber durch die Geburt meiner Tochter hat sich das wieder geändert.

Ein erfolgreicher Schauspieler geht zwischen zwei Hollywood-Blockbustern mit Weihnachtstexten auf Lesereise. Wieviel Kommerz ist da mit dabei?

Nee, das ist sicherlich keine Geldgeschichte bei mir. Die Weihnachts-CD und die Lesereise dazu zu machen, ergab sich wie so Vieles in meinem Leben eher zufällig. Bernd Hoffmann, der das Bad Homburger Poesie- und Literaturfestival ins Leben gerufen hat, hat mich dazu eingeladen, und die dortige Kirche hat mich als protestantisch geprägten Menschen so tief beeindruckt, dass ich mir sagte, es wäre schön, in diese wundervollen Räume eine Stimmung reinzubringen, die das Lachen und das Weinen und das Politische, also das Heilige an sich, vereint. Das war der Impuls. Denn Kirche war in meiner Kindheit ja so etwas wahnsinnig Ernstes. Da durfte man weder lachen noch applaudieren. Das war mir immer sehr befremdlich.

Wie wurden die Texte, die Sie zwischen den Musikstücken lesen, zusammengestellt?

Das habe ich selber gemacht. 30 Texte kamen schließlich in die engere Auswahl. Ausschlaggebend war, dass ich einen Text mag, dass er in irgendeiner Form etwas macht mit mir. Dazu gehört ein so todtrauriger Text wie „Das Christkind“ von Rilke, den ich gar nicht kannte. Allein, wie er sätzelang Lichtstimmungen beschreibt, ist an Schönheit und Poesie kaum zu übertreffen. Da dachte ich mir, das könnte ein Zentrum dieses Abends werden. Aber letztlich macht es die Mischung – wenn man von einer humorvollen Seite ausgeht, wie sie etwa Hanns Dieter Hüsch, Axel Hacke und Gerhard Polt vertreten, klappt das auch ganz gut, finde ich.

Polts „Schönstes Weihnachtserlebnis“ erzählen Sie auf Schwäbisch. Können Sie kein Bairisch?

Jo mei, des is jo a Wohnsinn, wenn's des auf Boarisch mochat… (lacht). Nun, das wäre eben ein Fake. Und allzu weit ist mein Heimatdialekt vom Bairischen ja nicht weg. Außerdem funktioniert es ganz gut.

Absolut. Auf ihrer Lesereise besuchen Sie jetzt Orte, die Sie „durch ihre Schönheit und Spiritualität“ seit Ihrer Kindheit bis heute sehr beeindrucken, heißt es in der Ankündigung. Was für Orte sind das?

Generell schöne Kirchen. Ich mag solche alten Kirchenräume. In Paris etwa habe ich mir in Saint Julien Le Pauvre immer Konzerte angehört, eine der wenigen erhaltenen romanischen Kirchen in der Innenstadt. Dabei spielte es keine Rolle, ob die ganz klar und modern wie etwa von Le Corbusier sind oder romanisch oder barock. Es geht um das Gefühl, dass jemand einen besonderen Raum erschaffen hat, damit wir darin meditieren oder uns sammeln können und das ist manchmal eben besonders gut gelungen.

In der Ulmer Pauluskirche etwa?

Genau! Was für eine großartige Akustik. In Ulm habe ich übrigens mal Theater gespielt, in „Der gestiefelte Kater“, direkt nach der Schauspielschule war das, glaube ich, so um 1986. Mensch. Da habe ich einen Raben gespielt. Das ist eine schöne Erinnerung.

Und in die Zukunft geblickt? Welche Projekte stehen demnächst an?

Über Konkretes kann ich leider noch nicht sprechen. Ich will auf jeden Fall weniger machen in Zukunft. Aber es gibt ein paar interessante Sachen, von Theaterrollen über Regie bis hin zu diversen Filmangeboten.

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22.11.2016, 06:00 Uhr

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