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Erstmals stößt Drohne gegen Passagierflugzeug

Störenfriede am Himmel

Über den Wolken ist die Freiheit nicht grenzenlos. Auch nicht für tausende Hobby-Piloten mit Drohnen. Nach dem Zwischenfall in London müssen sie sich wohl auf schärfere Regeln einstellen.

19.04.2016
  • CHRISTIAN EBNER, DPA

Frankfurt. Nun ist am Londoner Flughafen Heathrow passiert, womit Experten seit längerem rechnen. Ein unbemanntes Flugobjekt soll mit einem Passagierjet der British Airways zusammengestoßen sein. Die Kollision verlief glimpflich, wirft aber ein Schlaglicht auf eine noch weitgehend ungeregelte Dauergefahr im Luftverkehr. Denn möglicherweise hat eine Drohne den Zwischenfall verursacht.

Noch kann sich in Europa jedermann eine Drohne kaufen und sofort am Himmel loslegen. Die wenigen Vorschriften sind vielen Hobby-Piloten unbekannt und können leicht umgangen werden.

Immer wieder ist es zu Beinahezusammenstößen von Drohnen mit Verkehrsflugzeugen gekommen. Allein für den deutschen Luftraum berichtet die Deutsche Flugsicherung (DFS), dass Piloten in den vergangenen Monaten zwölf Drohnen gesehen hätten.

Die US-amerikanische Behörde FAA spricht sogar von hunderten Zwischenfällen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit klagt: "Die überwiegende Zahl von Drohnen wird von Laien betrieben, die oft keinerlei Vorstellung vom Luftverkehr haben oder die Risiken grob unterschätzen oder sogar negieren."

An Flughäfen ist das Problem augenscheinlich: "Die größte Gefahr besteht darin, dass Drohnen von den Triebwerken eingesaugt werden", sagt Jörg Lamprecht, der Chef des Kasseler Unternehmens Dedrone, das sich auf die Entdeckung unerwünschter Flugobjekte spezialisiert hat. "Insbesondere bei Start und Landung kann das verheerende Folgen haben."

Die staatlichen Kontrolleure reagieren bislang eher hilflos auf die private Armada. Etwa 400 000 Drohnen sind in Deutschland bereits verkauft worden, weltweit waren es nach Branchenangaben im vergangenen Jahr rund vier Millionen.

Anhand von ins Internet gestellten Drohnenfilmen versucht die niedersächsische Luftaufsicht, Piloten Verstöße etwa zur Flughöhe nachzuweisen. Als Königsdisziplin gilt, das Flugobjekt allein anhand der aufs Handy übertragenen Livebilder der Bordkamera zu navigieren. Das ist verboten. Der Pilot muss sein Gerät jederzeit im Blick haben.

"Leave your drone at home - Lass deine Drohne zuhause", twittert die US-Flugaufsichtsbehörde FAA, die am Wochenende die Kirschblütenparade in Washington zur "#NoDroneZone" erklärt hatte. In Kalifornien musste die Feuerwehr bereits Löschflüge abbrechen, weil zu viele private Flugkameras in der Luft waren. Die Amerikaner reagierten rasch, im vergangenen Dezember wurde eine verpflichtende Registrierung für die Eigner von unbemannten Flugobjekten ab 250 Gramm Gewicht eingeführt.

Die unbemannte Luftfahrt gilt als zukunftsträchtiger Markt. Konzerne wie Amazon, Walmart und die Deutsche Post experimentieren mit Drohnen zur Warenauslieferung. Unternehmen wollen ihre Anlagen künftig aus der Luft kontrollieren. Die Lufthansa bietet sich über eine Tochter als Dienstleister an, wenn es beispielsweise darum geht, Betriebsgelände, Kraftwerke oder Windkraftanlagen per professionell ferngelenkter Kamera genau zu untersuchen.

Die Europäer stecken noch in der Bürokratie fest. So haben die EU-Verkehrskommissarin, der deutsche Verkehrsminister wie auch der Chef der Deutschen Flugsicherung ein Register für Drohnenpiloten befürwortet. Auch ein online abzulegender Führerschein ist angekündigt. Experten vermuten, dass das zu einem Rückgang ungewollter Verletzungen der Schutzzonen rund um Flughäfen oder Menschenansammlungen führen würde.

Die Abwehr unerwünschter Flugobjekte ist auch angesichts möglicher Terroranschläge zu einem Geschäftsfeld geworden. So hat sich das Startup Dedrone darauf spezialisiert, Drohnen in kritischen Zonen überhaupt zu entdecken und dann Alarm auszulösen. Unternehmenssprecherin Friedrike Nielsen: "Wir können Drohnen von Vögeln unterscheiden."

Manche Drohnen-Hersteller programmieren in ihre Software gleich die Flugverbotszonen ein (Geo-Fencing). Das findet sich allerdings längst nicht in jedem Gerät - und kann von Kundigen abgeschaltet werden.

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19.04.2016, 06:00 Uhr

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