Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Treffen mit Orbán angekündigt

Störfeuer von Helmut Kohls Terrasse

Altbundeskanzler Helmut Kohl (86) will sich mit Ungarns umstrittenen Premier Viktor Orbán treffen. Eine Kritik an Angela Merkels Flüchtlingspolitik?

05.04.2016
  • SVEN GÖSMANN, DPA

Die Botschaft ist in Prosa über einen zufrieden im Rollstuhl in der Frühlingssonne sitzenden Altkanzler verpackt, aber sie hat es in sich. Anlässlich seines 86. Geburtstags gewährte Altbundeskanzler Helmut Kohl (86) seinem langjährigen Vertrauten, Bild-Herausgeber Kai Diekmann, Zugang zu seiner Terrasse in Ludwigshafen-Oggersheim und zugleich zu seinen Gedanken über die Flüchtlingskrise.

Und so transportiert der Journalist eine Nachricht, die man als Kampfansage Kohls an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lesen kann: Kohl wolle sich mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán treffen. Orbán ist der wohl entschiedenste Gegner Merkels in der Flüchtlingskrise. Schon der Besuch von CSU-Chef Horst Seehofer bei Orbán in Budapest Anfang März hatte für Unruhe im Merkel-Lager gesorgt. Nun also Kohl. Zu den Umständen des geplanten Treffens äußert sich der Altkanzler nicht. Es ist zu vermuten, dass der ungarische Premier Kohl in dessen Privathaus in Oggersheim besuchen wird. Dort hatte Kohl auch den kroatischen Außenminister Miro Kovac empfangen, ebenfalls ein Verfechter einer rigideren Flüchtlingspolitik.

Der Altkanzler ist zwar Privatier, aber gerade in europäischen Fragen noch ein beachteter Richtungsgeber innerhalb der Union. Er schätze Orbán als "Europäer mit Herzblut". Auch sei er unglücklich über den aktuellen Zustand der europäischen Politik, schüttele nur den Kopf über den Konflikt zwischen CDU und CSU, heißt es. So kann man auch den Teil eines Buchbeitrages als brisant empfinden, den Kohl vorab zur Veröffentlichung freigegeben hat. Darin schreibt der "Ehrenbürger Europas": "Einsame Entscheidungen, so begründet sie dem Einzelnen erscheinen mögen, und nationale Alleingänge müssen der Vergangenheit angehören." Das liest sich wie die häufiger aus Unionsreihen zu hörende Kritik an Angela Merkels Entscheidung vom 5. September vergangenen Jahres, als die Kanzlerin die Grenzen öffnen ließ, um in Ungarn festsitzende Flüchtlinge nach Deutschland einreisen zu lassen.

Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich angesichts des geplanten Treffens gelassen: "Der Altbundeskanzler ist selbstverständlich völlig frei in der Auswahl seiner Besucher. Wir freuen uns, wenn sein Gesundheitszustand es ihm erlaubt, regen Anteil zu nehmen am politischen Leben."

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball