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210 Handwerksgesellinnen und -gesellen wurden losgesprochen

Stolz auf das, was geschafft ist

Volles Haus. Gut 600 Gäste. 210 junge Handwerks-Gesellen und -Gesellinnen. Festliche Reden. Und fantastische Begleitmusik: Lads Go Buskin, sieben Schwaben, die auszogen, ihren Meistern auf irische Art den Marsch zu fiedeln, brachten viel Schwung in die große Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft am Freitagabend in Mössingen.

15.10.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. Die Quenstedt-Aula bordete beinahe über – bis hinaus ins Foyer, wo die Fleischerinnung schon ihre Platten fürs Büfett aufgebaut hatte, drängten sich die Leute. Tübingens Kreishandwerksmeister Gebhart Höritzer brauchte eine ganze Weile, bis er all die Ehrengäste im Saale begrüßt hatte, darunter auch viele Bürgermeister, der Landrat und der grüne Landtagsabgeordnete.

„Ihr könnt mir glauben, dass ich mir vorstellen kann, wie euch zumute ist“, rief Höritzer den 41 Junghandwerkerinnen und 169 Junghandwerkern aus dem ganzen Landkreis und aus nicht weniger als 28 Handwerksberufen zu: „Endlich vorbei – und stolz, dass man es geschafft hat!“ Mit dem Gesellenbrief, so Höritzer, sei aber nicht nur „diese Plagerei“ vorbei, nun beginne auch der Aufstieg ins Berufsleben – „der Rubel rollt, und jetzt steht euch beruflich nichts mehr im Wege, wenn ihr es wollt!“

Die letzten Worte hatte Tübingens oberstes Kreishandwerker sozusagen dick unterstrichen, selber ziemlich stolz auf diesen guten Nachwuchs (siehe Kästchen): „Wir sind Handwerk, wir können das“, gab er ihnen gleich den eingängigen Leitspruch der Branche mit auf den Weg und lobte wenig später den Mössinger Oberbürgermeister Michael Bulander für dessen wegweisende Worte im TAGBLATT: „Das Land braucht Handwerker, nicht nur Akademiker.“

Damit habe Bulander des Pudels Kern getroffen. Handwerk, so Höritzer, sei das Rückgrat der Wirtschaft. Allerdings müsse man sich manchmal fragen, „welcher Teil des Rückens wohl gemeint ist“. Leider werde man bisweilen das Gefühl nicht los, dass die Gesellschaft die Leistung des Handwerks nicht richtig anerkenne. Eltern und Politiker wollten aus jungen Menschen „lieber einen kleinen Einstein machen als einen Handwerker“. Handwerk dürfe nicht zur Notlösung werden. Handwerk sei innovativ, nachhaltig, zukunftssicher, vielseitig und kreativ. Nur ein starkes Handwerk – und dazu gehörten die jungen Menschen hier im Saal – könne die wirtschaftliche Zukunft sichern.

Die 210 jungen Handwerker/innen mussten sich noch etwas gedulden, bis Höritzer – nach rund zweieinhalb Stunden – feierlich die Formel sprach: „Kraft meines Amtes spreche ich euch los und frei von allen Pflichten und Bindungen der Ausbildung und des Ausbildungsvertrags und erkläre euch zu Gesellinnen und Gesellen.“

Landrat Joachim Walter gratulierte allen zum Gesellenbrief – „ein wichtiges und gleichermaßen wertvolles Papier“, wie er sagte. „Ohne Sie wäre die Zukunft des Handwerks im Kreis Tübingen nicht gesichert“; und damit auch nicht die Grundversorgung. Gerade in Zeiten des Multimedia sei dies nicht hoch genug einzuschätzen. Was Handwerker als die „Wirtschaftsmacht von nebenan“ für alle Bürger leisten, illustrierte der Landrat mit einer Geschichte von Kishon, bei dem eines Tages der Tisch zusammengebrochen war. Und erst mit Handwerker-Hilfe wieder hergestellt werden konnte. Walters Lehre, die er daraus zog, in Verbindung mit einem geflügelten Handwerker-Wort: „Ohne Handwerk keine Lebensqualität – Sie dürfen also ruhig klappern!“

Jedem, dem im Winter die Heizung ausfalle, werde schlagartig bewusst, was er am Handwerk habe – sagte OB Michael Bulander in seinem Grußwort an die versammelten Gesellinnen und Gesellen. „Wir alle freuen uns mit Ihnen!“ Es gebe jedoch immer mehr, die nach Höherem strebten, akademische Abschlüsse anstrebten; es sei immer schwieriger, „kluge Köpfe im Handwerk zu halten“.

Dabei, so Bulander, biete dieser Wirtschaftszweig mehr denn je tolle Chancen, glänzende Zukunftsperspektiven. „Handwerk hat immer noch goldenen Boden.“ Allein in Mössingen gebe es mehr als 260 Handwerksbetriebe. Und bis heute sei die Steinlachstadt dadurch relativ krisensicher. Die Lossprechung sei ein „wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit und Freiheit – nutzen Sie die Möglichkeiten“, appellierte Bulander an die 210 jungen Handwerker/innen. Er freute sich besonders, dass 16 davon aus Mössingen kommen. Gutes Handwerk sei hier zuhause.

Nacheinander wurden dann die 41 Frauen und 169 Männer von Rüdiger Strobel, dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Tübingen, auf die Bühne gebeten, nach Innungen eingeteilt, in alphabetischer Reihenfolge. Dort bekamen sie von ihren Innungs-Obermeistern die Gesellenbriefe. Ein fast prophetisch klingendes Wort von Strobel begleitete sie: „Plötzlich hat sich der Himmel aufgetan, auf dem Weg hierher.“

Und zwischendurch immer wieder der bodenständige Witz dieser fahrenden Folkloristen von der nahegelegenen Alb, die mit Fiedel, Klampfe und Schlagzeug das Leben auf der Walz besangen: „Er, er, er und er, Herr Meister, leb er wohl!“ Das Programm „Drei Jahreszeiten und ein Tag“ der Lads Go Buskin ist in 14 Tagen in der Pausa zu hören.

Stolz auf das, was geschafft ist
Bei ihnen war auch eine Junggesellin dabei: Die Zimmerer in ihrer traditionellen Kluft auf der Quenstedt-Bühne.Bild: Franke

16 junge Gesellinnen und Gesellen wurden von ihren Innungen mit einem Preis bedacht, 15 mit einer Belobigung ausgezeichnet. Die Innungsbesten wurden dazuhin mit einem Reise-Gutschein belohnt: der Schreiner Alexander Bauer, der Maler und Lackierer Kai Murthum, die Friseurin Ines Kehrer, der Stukkateur Oktay Beycuy, der Feinwerkmechaniker Fabian Bischoff, der SHK-Anlagenmechaniker Tobias Mitschele, der Glaser Mathias Motzer, die Raumausstatterin Elke Walker und die Zimmerer Nico Hlawinka sowie Can Yapici. Als „gesamtinnungsbeste“ Junghandwerkerin (Note 1,5) bekam Ines Kehrer von den Volks- und Raiffeisenbanken des Bezirks einen Sonderpreis in Höhe von tausend Euro und Kai Murthum als bester Junghandwerker (Note 1,3) einen Sparkassenbaustein im Wert von tausend Euro von der Kreissparkasse Tübingen.

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15.10.2012, 12:00 Uhr

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