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Ausstellung zeigt die 150-jährige Geschichte der Tübinger Stadtwerke

Stolze Reihe der Pioniere

150 Jahre Tübinger Stadtwerke sind in der Ausstellung „Wir wirken mit“ auf wenigen Metern zusammengefasst. Wer der Geschichte im Wortsinne nachgeht, erfährt manch Neues.

13.07.2012
  • gernot stegert

Stadtwerke-Jubiläum (1): Die Anfänge der Gasversorgung

Stadtwerke-Jubiläum (1): Die Anfänge der Gasversorgung --

02:28 min

Tübingen. Keine Leiche, sondern wertvolle Dokumente im Keller hatten die Tübinger Stadtwerke. Im zweiten Untergeschoss in der Eisenhutstraße 6, hinter allen Rollregalen, ganz unten, verstaubt und verdreckt, fanden sich wichtige Verträge, Pläne und Zeichungen. Das erzählte gestern der Historiker Dr. Rainer Lächele von der Aalener Firma D.I.E. Firmenhistoriker mit leuchtenden Augen der Presse. Er ist der verantwortliche Ausstellungsmacher.

Stadtwerke-Jubiläum (2): Professoren drängten zum Gaswerkebau

Stadtwerke-Jubiläum (2): Professoren drängten zum Gaswerkebau --

02:34 min

Der Besucher tritt über eine Matte mit der Zahl 1859. In diesem Jahr begann der Bau der Eisenbahnlinie von Reutlingen über Tübingen nach Rottenburg. Auf ihr wurde Steinkohle rangeschafft, die fürs Gaswerk nötig war. Das wurde am 25. Oktober 1862 in Betrieb genommen. Das ist die Geburtsstunde der Tübinger Stadtwerke, die daher dieses Jahr Jubiläum feiern.

Stadtwerke-Jubiläum (3): Die hydraulische Akkumulierungsanlage

Stadtwerke-Jubiläum (3): Die hydraulische Akkumulierungsanlage --

03:52 min

Die Ausstellung ist in acht Stationen gegliedert. Denen sind jeweils Persönlichkeiten zugeordnet. „Wir erzählen die Geschichte der Menschen“, erklärte Lächele. Die erste prägende Figur ist Emil Spreng. Der Konstrukteur bot dem Tübinger Gemeinderat im Januar 1861 an, ein Gaswerk zu errichten, im März 1862 wurde der Vertrag dafür unterzeichnet und bereits im Oktober war die Einweihung. Schon das Tempo der Entscheidungsprozesse im Gemeinderat beeindruckt, die Bauzeit erst recht.

Eine ganz besondere Dichte kreativer Köpfe

Neben Stelltafeln und Exponaten informieren Videofilme, in denen Lächeles Mitarbeiterin Carmen Palm vor Tübinger Kulisse die Geschichte erklärt.

Station zwei ist Johann Jakob Bez gewidmet. Nicht allein ihm als Bierbrauer in der Bursagasse 4 fehlte ständig frisches Wasser. Also führte der Querkopf in seinem Keller Sprengungen durch, um an das Quellwasser eines Brunnens heranzukommen – mit Erfolg. Die Versorgung der Tübinger wurde erst 1879 mit dem ersten Wasserwerk in der heutigen Ebertstraße besser.

Stadtwerke-Jubiläum (4): Unternehmergeist in Krisenzeiten

Stadtwerke-Jubiläum (4): Unternehmergeist in Krisenzeiten --

02:56 min

Station drei informiert über den Tüftler Gottlob Himmel, der die Tübinger Gasbeleuchtung weiterentwickelte und eine Fabrik in Derendingen gründete – das spätere Himmelwerk. Außerdem erfand er die Fernzündung für Gaslampen, was das personalaufwändige Anzünden ersparte. Prunkstück der Ausstellung ist ein Modell des Tübinger Gaswerks von 1910.

Weiter geht es zum „Schaffer“ Otto Henig. Er war 34 Jahre Chef der Stadtwerke (bis Ende 1937) und weiteres Beispiel für „eine ganz besondere Dichte kreativer Köpfe in der Geschichte der Stadtwerke“, wie Lächele sagte. So war Henig ein Pionier in der Nutzung von Fernwärme und setzte sich 1909/1910 für eine gleislose elektrische Straßenbahn ein (vom Gemeinderat allerdings als zu riskant abgelehnt).

Henig sorgte für den Bau des Uhlandbades 1914, 1923 für die Einrichtung eines Pumpspeicherwerks auf dem Österberg und ließ in den 1920er Jahren sogar Elektroautos fahren. Auch die NS-Vergangenheit Henigs verschweigen die Ausstellungsmacher nicht.

Stadtwerke-Jubiläum (5): Der Schaffer Otto Henig und sein Verhältnis zum NS

Stadtwerke-Jubiläum (5): Der Schaffer Otto Henig und sein Verhältnis zum NS --

02:39 min

Auf weiteren Stationen geht es durch die Aufgabenfelder der Stadtwerke wie Gas, Strom, Bäder, Busverkehr bis zur Energiewende für die Zukunft.

Stadtwerke-Geschäftsführer Ortwin Wiebecke dankte gestern der Stadt „für die immer volle Unterstützung“ und dafür, „dass es nie Versuche gab, die Stadtwerke zu verkaufen“. Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Boris Palmer freute sich, dass Tübingen im Energiebereich schon früher seiner Zeit voraus war.

Stolze Reihe der Pioniere
Dieses mehr als hundert Jahre alte Modell des Tübinger Gaswerks ist eine besondere Attraktion der Stadtwerke-Ausstellung. Bild: Sommer

Die Ausstellung ist am Samstag, 14. Juli, von 11 bis 19 Uhr im Eisenhut geöffnet. Länger ist sie zu sehen vom 2. August bis 19. September im Tübinger Landratsamt, Wilhelm-Keil-Straße 50, und vom 17. September bis 19. Oktober in der Volksbank Tübingen, Herrenberger Straße 1-5. Auch Führungen für Schulklassen sind möglich.
Die Stadtwerke haben zur Ausstellung außerdem ein Buch zur Geschichte unter dem Titel „Wir wirken mit“ schreiben lassen.
Ein großes Jubiläumsfest feiern die Stadtwerke am morgigen Samstag, 14. Juli, von 11 bis 22 Uhr in der Eisenhutstraße.
Geplant sind Sport- und Tanzvorführungen, Kinderprogramm und Musik, abends eine Open-Air-Vorstellung mit Musik, Comedy und Zauberei.

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13.07.2012, 12:00 Uhr

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