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Reutlingen wartet Stuttgarter Messergebnisse ab

Strahlt der Granit in der Wilhelmstraße radioaktiv?

Die Stadt Stuttgart will mit Bodenmessungen klären, ob der in der Königstraße neu verlegte Flossenbürger Granit zu stark radioaktiv strahlt. Das interessiert auch Reutlingen – denn in der Wilhelmstraße ist das gleiche Gestein verlegt worden.

16.10.2012
  • Thomas de Marco

Strahlt der Granit in der Wilhelmstraße radioaktiv?
Viele Gesteine wie der neu verlegte Flossenbürger Granit in der unteren Wilhelmstraße geben natürliche Radioaktivität ab. Wie groß die Belastung ist, wird derzeit in Stuttgart gemessen. Danach will Reutlingen entscheiden, ob es eigene Messungen veranlasst.

Reutlingen. In Reutlingen sind in der unteren Wilhelmstraße 1800 Quadratmeter Flossenbürger Granit verbaut worden. Für die Katharinenstraße sowie die Stadtmauerstraße beim Tübinger Tor sind noch einmal 2500 Quadratmeter des aus dem Oberpfälzer Wald stammenden Gesteins als Belag vorgesehen. Deshalb hat Arno Valin, der Leiter des Reutlinger Amts für Umwelt, Straßen und Verkehr, Kontakt zu seinen Kollegen in Stuttgart aufgenommen.

Bei den Vorbereitungen für ein Projekt von „Jugend forscht“ ist dem Ingenieur Bernd Laquai in Stuttgart durch Zufall aufgefallen, dass der neu verlegte Bodenbelag auf der Königstraße offenbar „nicht unerheblich radioaktiv“ strahle. An mehreren Stellen zwischen Hauptbahnhof und Tübinger Straße habe der Ingenieur in ein Meter Höhe über dem Belag eine Radioaktivität von etwa 0,3 bis 0,4 Mikrosievert pro Stunde gemessen, in der oberen Königstraße seien die Werte mitunter noch etwas höher gewesen, heißt es in der „Stuttgarter Zeitung“. Der Flossenbürger Granit zeichne sich durch eine erhöhte natürliche Radioaktivität aus, bei der unter anderem das Gas Radon freigesetzt werde. Radon gilt als lungenkrebserregender Stoff.

Das städtische Gesundheitsamt in Stuttgart erklärte dazu, dass die gemessenen Werte „akut nicht besorgniserregend“ seien. Es könnte aber sein, dass gegebenenfalls Grenzwerte für Arbeitsplätze nicht eingehalten würden. Um Gewissheit zu bekommen, wird nun in Stuttgart geplant, die in Karlsruhe ansässige Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg mit Messungen zu beauftragen.

Über die Ergebnisse lässt sich auch Reutlingens Amtsleiter Valin informieren. „Auf dieser Basis entscheiden wir dann, ob wir selber messen lassen“, erklärt er. Valin geht allerdings davon aus, dass von dem Granit keinerlei Gesundheitsgefahr ausgehe. „Beim Flanieren und Einkaufen ist die radioaktive Strahlung überhaupt kein Thema. Aber auch wenn die Belastung im Rahmen des Üblichen liegen dürfte, nehmen wir die Sache nicht auf die leichte Schulter. Wir begleiten die Stuttgarter Untersuchungen mit großem Interesse“, sagt Valin. Wie seine Amtskollegen in der Landeshauptstadt mag er sich freilich gar nicht ausmalen, was es bedeuten würde, den Granit in der unteren Wilhelmstraße austauschen zu müssen.

Damit ist allerdings eher nicht rechnen, wenn es nach Daniel Gonsior geht. Er ist Inhaber der Arge-Natursteinwerke in Flossenbürg-Altenhammer (östlich von Bayreuth an der tschechischen Grenze), die Reutlingen mit dem Granit beliefern. „Wir haben schon zigtausende Quadratmeter mit unserem Granit verlegt und noch nie eine Reklamation bekommen“, sagt er. „Wir haben Prüfzeugnisse für alles. Die Berufsgenossenschaft sowie die bayerische Landesgewerbeanstalt in Nürnberg sind dahinter her.“ Für Gonsior ist neu, dass ein Ingenieur wie in Stuttgart mit dem Geigerzähler losmarschiere und messe.

Und was rät Gonsior nun den Reutlingerinnen und Reutlingern? „Strahlenschutzanzüge für die Fußgängerzone, das wäre eine Touristenattraktion. Aber im Ernst: Die sollen das Flair der Straße genießen und nicht alles glauben, was einer misst. Sonst kommen wir zum Messen!“

Granite und viele andere Gesteine weisen eine natürliche Radioaktivität auf, erklärt Manfred Martin vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg. Von einem Granit oder einem vulkanischen Gestein gehe im Vergleich zu Buntsandsteinen oder Muschelkalken etwa die doppelte oder dreifache Strahlung aus. „Wir sind von vielen Gesteinen mit natürlicher Radioaktivität umgeben“, sagt Martin. „Die gehört zum Grundrauschen.“ Die US-amerikanische Firma Environmental Health and Engineering in Needham (Massachusettes) etwa hat in einer Studie von 2008 festgestellt, dass die von Küchenarbeitsflächen aus Granit ausgehende Strahlung geringer sei als die, der die Menschen normalerweise ausgesetzt seien.

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16.10.2012, 12:00 Uhr

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