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Hilfskräfte fordern Tarifvertrag

Streichung des Weihnachtsgelds führt zu Solidarisierung

Die wissenschaftlichen Hilfskräfte (Hiwis) der Tübinger Uni wollen die Streichung des Weihnachtsgelds nicht einfach schlucken. Nach der Übergabe von mehr als tausend Protestunterschriften fordern die Hiwis jetzt einen Tarifvertrag.

10.12.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Für die 630 „geprüften“ unter den insgesamt mehr als zweitausend studentischen Hilfskräften an der Uni Tübingen war die Überraschung besonders herb: Bei ihnen fehlen zum Jahresende mehrere hundert Euro im Portemonnaie, mit denen sie fest gerechnet hatten. Das weggefallene Weihnachtsgeld, klagt eine Betroffene, werde bei ihnen durch die geringfügige Tariferhöhung bei weitem nicht aufgewogen. Und für sie ist die Hiwi-Tätigkeit kein Zubrot; sie bestreiten zum Beispiel als Doktoranden mit dem Einkommen in der Regel ihren Lebensunterhalt.

Die Absicht der Universitätsleitung, das Weihnachtsgeld („Sonderzahlung“) der Hiwis in diesem Jahr zu streichen (wir berichteten), wurde zwar bereits am 2. Januar 2012 in einem Rundschreiben mitgeteilt. Doch offensichtlich erfuhren die wenigsten Betroffenen davon, denn die Mitteilung ging an die Institute, die sie anscheinend nicht weitergaben. Sie war auch im Internet einsehbar, fiel dort aber niemandem auf.

Vonseiten der Uni heißt es, es sei unmöglich, alle betroffenen Hiwis etwa per Rundmail zu informieren, zumal die Verträge oft in der Jahresmitte wechselten und die neuen Hiwis, für die die Regelung nun gilt, zu dem Zeitpunkt noch gar nicht eingestellt gewesen seien. In den neuen Arbeitsverträgen stand dann bereits drin, dass es keine Sonderzahlungen mehr gibt.

Das Kommunikationsproblem kann der Personalrat der Uni nachvollziehen. „Die Uni ist zwar der Arbeitgeber der Hiwis“, sagt Uwe Stephan, aber die Universitätsleitung habe keinen Zugriff auf einzelne Hiwis, da diese von den Instituten ausgesucht und eingestellt werden. Die Streichung des Weihnachtsgelds habe aber auch den Studierendenvertretern im Senat bekannt sein müssen, sagt Stephan. „Das Thema wurde im Senat behandelt, die Fachschaften wussten es.“ Der Personalrat habe auch gegen die Streichung protestiert.

Viel mehr kann die Personalvertretung nicht tun, denn für die Hilfskräfte als Gruppe hat sie kein Vertretungsrecht; der Personalrat kann sich lediglich bei individuellen Problemen für sie als Beschäftigte einsetzen. „Wir konnten nur moralisch protestieren“, sagt Uwe Stephan. Auch aus seiner Sicht trifft es die geprüften Hilfskräfte, die oft längerfristige Verträge haben, besonders hart. „Die werden bestraft“, findet Stephan.

Andere Unis zahlen höchsten Stundenlohn

Er kann nachvollziehen, dass wegen der sehr unterschiedlichen und unterschiedlich langen Hiwi-Verträge die Ausrechnung des jeweiligen Weihnachtsgelds höchst kompliziert war. Dieses Problem hätte man aber seiner Ansicht nach mit einer Pauschalierung lösen können, „damit alle was kriegen“. Schließlich bezahlten auch die anderen Universitäten den nach den Landessätzen höchstmöglichen Stundenlohn – „und außerdem noch Weihnachtsgeld“.

Nach Auskunft der Uni-Leitung ist die Streichung des Weihnachtsgelds keine Sparmaßnahme. Die Uni überweise den Instituten die selben Summen wie zuvor, sagte Uni-Sprecher Michael Seifert dem TAGBLATT. Da stellt sich die Frage: Was machen die Institute mit dem überschüssigen Geld? In einem Punkt kann Seifert beruhigen: Falls das Geld in diesem Jahr nicht mehr ausgegeben wird, könne es ohne Abstriche in den Haushalt des nächsten Jahres übertragen werden.

Rektor Helmut Engler und Kanzler Andreas Rothfuß zeigten sich bei der Übergabe der Unterschriften nicht bereit, das Weihnachtsgeld wieder einzuführen. Nachdem der Ärger sie zusammengeführt hat, wollen die Hiwis aber so schnell nicht aufgeben. Sie arbeiten am Forderungskatalog für einen Tarifvertrag. Ein Entwurf soll am Freitag, 14. Dezember, diskutiert werden.

Nicht bestätigen ließ sich indes eine Aussage aus dem Hiwi-Arbeitskreis, wonach in Freiburg die Hiwi-Tätigkeit als Tutor auch mit Credit Points belohnt wird. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen der Freiburger Uni ist davon jedenfalls nichts bekannt.


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