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Von der Schiene auf die Straße

Streik der Lokführer: Wie kommen Tübinger Bahnkunden an ihr Ziel?

Bis einschließlich Sonntag werden wegen des Streiks der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) kaum Züge fahren. Auch die Tübinger Bahnkunden sind verärgert und müssen Alternativen suchen, wie sie zur Arbeit, Schule oder Uni kommen.

06.11.2014
  • Jonas Bleeser Madeleine Wegner

Streik der Lokführer: Wie kommen Tübinger Bahnkunden an ihr Ziel?
Gestern strömten die Fahrgäste zum Tübinger Hauptbahnhof. Heute werden viele auf Auto und Bus ausweichen.Bild: Sommer

Tübingen. „Eigentlich sollten mal die Kunden streiken“, sagt eine ältere Bahn-Kundin. Die Unterjesingerin fährt fast täglich mit dem Zug nach Tübingen. Für den erneuten Streik der Lokführer hat sie kein Verständnis: „Warum legen 1000 Leute ganz Deutschland lahm?“ Das kurzfristige Schlichtungsangebot der Bahn hatte die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) gestern Nachmittag abgelehnt. Bereits seit gestern steht der Güterverkehr still, seit vergangener Nacht ist auch der Personennah- und Fernverkehr bundesweit betroffen. In Tübingen streikt der größte Teil des im Personenverkehr eingesetzten Zugpersonals: 80 von 100 Lokführern, zehn von 30 Zugbegleitern und sechs von acht Rangierführern.

Ohne Bahn sitzt mancher einfach fest

Um von Herrenberg nach Tübingen und zurück zu kommen, fährt der Student Andreas Kehl regelmäßig mit der Bahn. „Der Streik sorgt schon für erhebliche Einschränkungen“, sagt der 25-Jährige. Heute wird er den Schienenersatzverkehr nutzen. Für einen Streik habe er prinzipiell zwar Verständnis, „in der aktuellen Lage jedoch absolut nicht“. Da er selbst kein Auto besitzt, befürchtet er wie beim letzten Streik am Wochenende in Herrenberg festzusitzen. Er wünscht sich, „dass GDL-Chef Weselsky den Posten räumt und seinen Platz denen überlässt, die mit mehr Menschenverstand da rangehen“.

„Viele Mitschüler haben schon gestern gesagt, sie können wegen des Streiks den Rest der Woche nicht zur Schule kommen“, berichten Janina Lehrmeyer und Sarah Beiter, die in Tübingen eine Erzieherausbildung machen. Beide Berufsschülerinnen kommen aus der Rottenburger Umgebung. Sie können zwar einen Bus nehmen, müssen jedoch mehr Zeit einplanen: Sie verpassen dann ihre Anschlussbusse.

Die Bahn hat einen Notfallfahrplan erstellt, der jeweils aktuell auf der Homepage (bahn.de) abzufragen ist. Außerdem hat die Bahn unter 0 8000 / 99 66 33 eine kostenfreie Servicenummer eingerichtet. Der Ersatzfahrplan gilt bis einschließlich Sonntag und betrifft in Tübingen vor allem die Strecke nach Stuttgart. Wie beim vergangenen Streik fährt hier stündlich nur der Regionalexpress, nicht jedoch die IRE- und RB-Züge. Für die Ammertalbahn gibt es einen Schienenersatzverkehr, der heute und morgen von 6 bis 20 Uhr stündlich, am Wochenende alle zwei Stunden verkehrt. Die RAB weist jedoch darauf hin, dass es zu Kapazitätsengpässen kommen kann. Vielen Kunden ist die Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr oder mit Zügen nach Notfallfahrplan während des Streiks zu unsicher. Sie suchen deshalb nach Alternativen (siehe auch Infokasten) und steigen vor allem aufs Auto um.

Taxis und Mietwagen profitieren vom Streik

„Bei uns ist Hochsaison“, sagt Fritz Necker von der Tübinger Europcar-Autovermietung. Vor allem ganz kleine Wagen sind während der Streiktage besonders oft gebucht. Die Nachfrage sei merklich höher als an anderen Tagen, doch nicht dramatisch, versichert Necker: „Wer ein Auto möchte, bekommt eines.“

Bei der Firma Minicar haben bereits gestern mehr Kunden als gewöhnlich Wagen gebucht: „Wir fahren, was wir können“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Schilling. Besonders in den Stoßzeiten zwischen 8 und 9 Uhr werden wohl alle seine Fahrer unterwegs sein. Die Zahl der Anfragen stieg bereits gestern Nachmittag an. Der Streik der Lokführer wirke sich aber nicht so stark aus wie der Ausstand der Busfahrer im Juli: „Da war auf den Kurzstrecken deutlich mehr los.“ Seine Firma vermietet auch Kleinbusse, die gestern ebenfalls sehr gefragt waren.

Bei der Tübinger Taxi-Zentrale sind laut Matthias Braun heute alle 39 Fahrer im Einsatz. Wie bereits beim vergangenen Streik rechnet Braun wieder mit Kunden, die sich lieber ein Taxi leisten, als sich auf den Notfahrplan der Bahn zu verlassen – und sei es bis nach Stuttgart: „Da gab‘s auch das letzte Mal welche, die das machen.“

Deutlich mehr Buchungen von Leihwagen konnte der Carsharing-Anbieter Teil-Auto zwar nicht verzeichnen, dafür haben sich zwei Neukunden ausdrücklich wegen des GDL-Streiks für einen Vertrag bei Teil-Auto entschieden.

Alternativen zur Bahn in Zeiten des Streiks

Wer eine längere Reise geplant hat, kann versuchen, noch einen Platz in einem Fernbus zu ergattern. Von Tübingen aus fahren die Unternehmen „Mein Fernbus“, „Dein Bus“, „Flixbus“ und „Eurolines“ sowie die Tübinger Omnibusgesellschaft Kocher-Lutz mit ihrer „Münchenlinie“. Etliche Fernbuslinien setzen zusätzliche Busse ein.
Auch die klassischen Mitfahrgelegenheiten sind eine Möglichkeit. Auf den Internetseiten von Mitfahrzentrale.de,Mitfahrgelegenheit.de oder blablacar.de gibt es auch für Pendler Alternativ-Möglichkeiten zum Zug, beispielsweise nach Stuttgart. Sollte der von der Bahn versprochene Fahrplan nicht erfüllt werden, könnte man auch den Airport-Sprinter nehmen und am Flughafen in Bus oder S-Bahn umsteigen. Eine Minicar- oder Taxifahrt vom Tübinger Bahnhof zum Stuttgarter kostet je nach Anbieter pauschal zwischen 75 und 83 Euro.

Die SÜDWEST PRESSE bietet unter www.finderle.de ein Portal für Mitfahrgelegenheiten an.

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06.11.2014, 12:00 Uhr

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