Abfall

Streit um Deponie für Sondermüll

Die Bürger in Oberweier wehren sich dagegen, dass mit PFC belasteter Boden bei ihnen entsorgt werden soll.

25.05.2021

Von LSW

Die Deponie-Erweiterung in Oberweier ist umstritten. Foto: Uli Deck/dpa

Gaggenau. Die Stimmung im Gaggenauer Ortsteil Oberweier. ist angespannt, vor vielen Häusern stehen große Protestschilder. „Wir fordern Transparenz“, „Wir wollen leben und unsere Enkel auch“, „Kein PFC auf die Deponie Gaggenau-Oberweier“ steht darauf, gerne auch verziert mit einem Totenkopf.

PFC ist ein Reizwort in der Region. Die Abkürzung steht für per- und polyfluorierte Chemikalien, die gesundheitsschädlich und in der Natur kaum abbaubar sind. Ein Umweltskandal rund um diese Stoffe bewegt Mittelbaden seit Jahren – und seit Herbst 2020 ganz besonders Oberweiher. Damals sei klar geworden, dass hinter der als Optimierung bezeichneten Maßnahmen eine Erweiterung der Deponie stecke, kritisieren Dietrich Knoerzer und Toni Böck. „In Wirklichkeit geht es darum, tonnenweise PFC-belasteten Bodenaushub auf die Deponie zu bringen.“ Knoerzer und Böck gründeten die Bürgerinitiative „Stop Deponie Oberweier“.

Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) Rastatt sind über die Vorwürfe der Bürgerinitiative mindestens so empört wie die Bürgerinitiative über die Deponiepläne. In Mittelbaden soll ein Kompostunternehmer bis Ende 2008 PFC-verseuchten Kompost auf Felder vor allem in den Kreisen Baden-Baden und Rastatt ausgebracht haben. Betroffen sind mehr als 1000 Hektar Ackerland; die Schadstoffe gelangten später auch ins Grundwasser. Brunnen wurden geschlossen, bis heute laufen Prozesse.

Wenn Erdaushub anfällt, wird dieser bisher quer durch die Republik zu geeigneten Deponien gekarrt. Das Landratsamt Rastatt strebt nun nun eine Lösung vor Ort an. Auf dem Deponiegelände „Hintere Dollert“ soll nun ein Extra-Abschnitt für PFC-haltigen Bodenaushub entstehen. Das Landratsamt rechnet mit rund 30 000 Tonnen, die pro Jahr im Landkreis anfallen könnten. Auf der Deponie lagern bereits rund 330 000 Tonnen an Abfällen aus der Papierindustrie. Das im Sickerwasser entdeckte PFC wird mit einer Sickerwasseranlage herausgefiltert, damit die Chemikalien nicht ins Grundwasser gelangen. Das, so die Kritiker, sei ein ewiger und gefährlicher Kreislauf. Der Kreistag soll im Juli über die Deponie entscheiden. dpa

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Erstellt:
25. Mai 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Mai 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2021, 06:00 Uhr

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