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Literatur

Streit um Erfolgsautor Yann Moix

Frankreich hat einen neuen Skandal. Es geht um Antisemitismus und innerfamiliäre Zerwürfnisse.

21.09.2019

Von DPA / Sabine Glaubitz

Paris. Er galt als Favorit für Frankreichs begehrtesten Literaturpreis, den Prix Goncourt. Doch auf diese Auszeichnung braucht sich Yann Moix mit seinem neuen Buch „Orléans“ in diesem November keine Hoffnungen mehr zu machen. Der Erfolgsautor und Fernsehmoderator steht seit Tagen im Mittelpunkt einer Kontroverse in Frankreichs Kulturszene. In der „Moix-Affäre“ geht es um antisemitische Vergangenheit, Verdrängung und familiäre Selbstzerfleischung.

Hätte man Moix auf die Goncourt-Favoriten-Liste gesetzt, wäre man Gefahr gelaufen, dass die sozialen Netzwerke der Akademie vorgeworfen hätten, für Antisemitismus zu werben, erklärte der Präsident der Akademie Goncourt, Bernard Pivot, dem Radiosender RTL. Also habe man entschieden, Moix trotz der vorwiegend guten Kritiken seines Buches außen vor zu lassen.

Moix steht im Zentrum einer Polemik aus zwei Akten. Der jüngste wurde durch die von der Wochenzeitung „L'Express“ enthüllten antisemitischen Zeichnungen und Texte ausgelöst, die der heute 51-Jährige vor 30 Jahren veröffentlicht hat. Auf einer ist ein Deportierter abgebildet mit einer Getränkedose in der Hand, daneben der Slogan: „Coca-Crema, you can beat the jew!“ (etwa: Coca-Crema, du kannst den Juden besiegen) – eine antisemitische Version des Spots „Coca-Cola, you can‘t beat the feeling“ (Coca-Cola, du kannst das Gefühl nicht übertreffen). Für seine Zeichnungen hat sich Moix in mehreren Medien entschuldigt und sie als Jugendsünde abgetan. Er sei kein Antisemit.

Vorwürfe gegenüber Eltern

Die Glaubwürdigkeit der Entschuldigung wurde vielfach in Frage gestellt. „Eine nicht allzu entfernte Vergangenheit“ titelte zum Beispiel „Le Monde“ und zitierte den Essayisten Paul-Éric Blanrue, einen ehemaligen Anhänger der rechtsextremen Partei Rassemblement National, der behauptet, bis 2013 Kontakt zu Moix gehabt zu haben.

Der erste Akt begann mit dem Erscheinen von „Orléans“ am 21. August. Der autobiografische Roman handelt von der Kindheit, die Moix einen Alptraum nennt. Auf über 270 Seiten geht er auf die von seinen Eltern erlittenen Misshandlungen und Erniedrigungen ein. Der Vater des Autors wehrte sich in einem Interview in der Regionalzeitung „La République du Centre“ gegen die Anschuldigungen. Sein Sohn sei nie geschlagen worden. Moix' vier Jahre jüngerer Bruder Alexandre bezichtigte ihn ebenfalls der Verlogenheit, nannte Yann einen zynischen Machiavelli und einen Neurotiker, der für seine literarischen Ambitionen zu allem bereit sei.

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Erstellt:
21. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 06:00 Uhr

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