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Streit um Hajek-Villa muss vor Gericht entschieden werden
Architekt Roland Ostertag nennt es eine „einmalige Farbschachtel“: Seit 2005 steht das Hajek-Haus leer. Foto: Ferdinando Iannone
Denkmalschutz

Streit um Hajek-Villa muss vor Gericht entschieden werden

Stadt und Eigentümer sind sich uneins, wie die Auflagen für den Umbau des Künstlerhauses auszulegen sind.

11.10.2016
  • Rainer Lang

Stuttgart. Die Kunst des Bildhauers und Malers Otto Herbert Hajek hat in Stuttgart Spuren hinterlassen. Seine Werke stehen vor der Liederhalle und am Hauptbahnhof, seine frühere Villa an der Hasenbergsteige 65 ziert auf dem einem 27 Ar großen Grundstück gleich ein ganzer Skulpturenpark. Ein Anwesen wie ein eigenes Kunstwerk. Seit 1967 wohnte Hajek in dem Haus in bester Stuttgarter Aussichtslage, mit seiner Frau zog er dort fünf Kinder groß. Hier, in der „einmaligen Farbschachtel“, wie der renommierte Stuttgarter Architekt Roland Osterstag das bunte Haus beschreibt, fanden auch gesellige Runden statt – Prominente wie der frühere SPD-Bundeskanzler Willy Brandt oder der Stuttgarter Politiker Peter Conradi waren Gäste.

Seit 2008 unter Denkmalschutz

Kein Wunder, dass nach Hajeks Tod im Jahr 2005 schnell die Idee geboren war, das Haus, das so viel Kultur und Geschichte birgt, für die Nachwelt zu erhalten. 2009 schließlich wurde die Villa aus dem Jahr 1921 mit 15 Zmmern und 350 Quadratmetern Wohnfläche zum Kulturdenkmal erklärt, an ihrer Erhaltung bestehe „aus künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse“, hieß es damals. Und zwar nicht nur wegen ihrer farbigen Fassade, sondern auch wegen des von Hajek entworfenen Teppichbodens, der Küche aus den 60er Jahren mit gelb angestrichenen Deckenbalken sowie dem Atelier, einem von Hajeks Bruder Franz entworfenem Bau.

Mittlerweile ist ein Streit um das Haus entbrannt. Die Stadt Stuttgart und der neue Eigentümer liegen derart im Clinch, dass die Sache vor dem Verwaltungsgericht geklärt werden muss. Wie es dazu kam: Nachdem Hajeks Witwe 2011 ebenfalls gestorben war, entschieden sich die Kinder zum Verkauf. Sohn Urban Hajek hatte in dem Gebäude eigentlich einen Künstlertreff einrichten wollen, scheiterte aber an den Denkmalschutzauflagen. Mit Markus Benz, dem Geschäftsführer des Edelmöbelfabrikanten Walter Knoll, schien dann ein Investor gefunden, der das nötige Kleingeld besaß und die Villa in Hajeks Sinn nutzbar machen wollte. Den Verkauf an einen Autohändler, der auf dem Anwesen Oldtimer hatte unterbringen wollen, hatte das Regierungspräsidium zuvor gestoppt.

Entsetzen bei Besichtigung

Zwei Millionen Euro bezahlte Benz und bekundete beim Kauf, die Villa mithilfe eines renommierten Architekurbüros sanieren zu wollen.. „Wir wollen ein Bekenntnis zu Hajek ablegen“, sagte Benz damals. Doch als die bei der Stadt angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde 2013 die ersten Baumaßnahmen begutachtete, war das Entsetzen groß: Große Teile der Ausstattung sowie Wände waren entfernt worden, bauliche Veränderungen hatten stattgefunden, die nicht den Auflagen entsprachen.

Die Stadt erließ eine Rückbauverfügung. Benz legte Widerspruch beim Regierungspräsidium ein, der wurde zurückgewiesen, also reichte der neue Eigentümer am 16. Juni Klage beim Verwaltungsgericht in Stuttgart ein. Dabei hatten sich die Denkmalschützer durchaus pragmatisch gezeigt: Zu Zugeständnissen wären sie jedenfalls bereit gewesen, hätten zugestimmt, dass Teppichboden und Küche entfernt werden. Ein Fenster im früheren Atelier des Künstlers, wie von Benz geplant, kam für sie aber beispielsweise nicht infrage. Benz wiederum war nach dem Kauf offenbar zu der Überzeugung gelangt, dass wegen des schlechten baulichen Zustands des Objekts größerer Veränderungsbedarf bestehe. Aktuell wollten sich weder er, noch die Stadt zu dem Fall äußern, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle. Beim Verwaltungsgericht ist der Fall noch nicht terminiert.

Anwohner sind verärgert

Seit dem Jahr 2005 bereits steht die Hajek-Villa im Stuttgarter Westen mittlerweile leer. Zum Unmut vieler Anwohner des Anwesens, die beklagen, immer wieder sei das Haus als Party- und Wohnort missbraucht worden – inzwischen ist das Gelände durch einen Bauzaun gesichert. Investor Benz kam den Nachbarn da gerade recht, sein Engagement schätzen sie hoch ein und unterstützen ihn: Es sei ausreichend, nur die Außenhülle zu erhalten, finden sie.

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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