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Streit um Klostermillionen bleibt spannend
Das Benediktinerkloster Neresheim: Drei Jahre nach dem Fund von vier Millionen Euro wird vor Gericht um das Vermögen gestritten. Foto: dpa
Stuttgart/Neresheim

Streit um Klostermillionen bleibt spannend

Wem gehört das viele Geld, das ein verstorbener Neresheimer Abt gebunkert hatte? Das Gericht schlägt einen Vergleich vor.

22.10.2016
  • ULRIKE SCHNEIDER

Neresheim. Das Oberlandesgericht (OLG) in Stuttgart hat am Freitag im Zivilprozess den juristischen Streit um die rätselhaften Millionen des Benediktinerklosters Neresheim verhandelt. Wer eine Entscheidung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die will der Vorsitzende Richter Oliver Mosthaf erst am Dienstag, 22. November, verkünden. Ob die Ausführungen, wie sie der Krefelder Rechtsanwalt Walter Marcelli als einer der Kläger gemacht hat, das Urteil des Ellwanger Landgerichts ins Wanken bringen, wird sich dann zeigen.

Aber der Reihe nach: Der Saal 2.10 des Oberlandesgerichts Stuttgart ist an diesem Freitagvormittag Ziel zahlreicher Medienvertreter. Es geht um Geld, das der verstorbene Neresheimer Benediktiner-Abt Norbert Stoffels auf dubiosen Konten gebunkert hatte. „Beseelt von der Mission, das Kloster zu sanieren“, habe sich der Abt rührig um Spenden bemüht, sagt Klostersprecher Max Hohenberg. Nach Stoffels‘ Tod 2013 fanden sich die Kontounterlagen im Kloster. Wo es herkommt, wissen die verbliebenen Mönche nicht.

Kläger in dem Zivilprozess ist der Krefelder Rechtsanwalt Walter Marcelli. Er beansprucht – neben zwei weiteren Klägerinnen – einen Teil der insgesamt mehr als vier Millionen Euro, deren Herkunft ungeklärt ist. Der erste Termin am Oberlandesgericht im Frühjahr war geplatzt, weil Marcelli im Stau steckte. Jetzt ist er mit dem Taxi angereist.

Mit Stock betritt der Rechtsanwalt Marcelli den Gerichtssaal, die große Aktentasche lässt sich der 85-Jährige von einem Zuhörer in den Sitzungssaal bringen. Am Tisch neben ihm hat schon der Rechtsanwalt der Klägerin H., Alexander Benens, Platz genommen. Benens spricht kaum. Es ist Marcelli, der an diesem Vormittag in zweieinhalb Stunden das Wort führt.

Den Vorsitz im Verfahren im 6. Senat hat Oliver Mosthaf. Ihm zur Seite sitzen die Richter Jochen Kapp und Robert Häcker. Mosthaf nennt in der Einführung die kritischen Punkte, auf die sich das Urteil des Ellwanger Landgerichts gründet und deshalb die Forderungen Marcellis über zweimal 300 000 und einmal 400 000 Euro zurückgewiesen hat. Mosthaf fordert, dass Marcelli Originale und Vollmachten seiner Mandanten vorlegt. Die bleibt der Rechtsanwalt jedoch schuldig. Er spricht etwa davon, dass ein Original bei „einer Behörde“ liege. Er lässt es offen, ob er damit die Krefelder Staatsanwaltschaft meint, die nach wie vor in diesem Fall ermittelt. Indes erspart ihm in dem Zusammenhang Richter Mosthaf nicht die Bemerkung der „Steuerhinterziehung, die wir nicht beurteilen können“.

Der Rechtsanwalt versichert, das kreative Steuersparmodell von Alt-Abt Stoffels und ihm selbst als Treuhänder habe dazu gedient, der Kirche Gutes zu tun. „Sämtliche Wertpapiere seien Leihgaben, deren Erträge für das Kloster bestimmt waren“, versichert der Rechtsanwalt den Richtern. Wertpapiere für drei Millionen Euro sollen sich bis 2008 im Tresor des Rechtsanwalts befunden haben. Richter Mosthaf hakt nach, will die Stückelung wissen, erfahren, wie Marcelli die Papiere aufbewahrt hat. „In Briefumschlägen, nach Leihgeber sortiert“, antwortet der. Solange, bis die Papiere ins Bankdepot gewandert seien.

Deutliche Worte zu Marcellis Erläuterungen findet einer der beiden Vertreter des Klosters, Henning Necker. „Ich glaube Ihre Geschichte nicht.“ Marcelli habe, wie er selbst einräume, Millionen über das Depotkonto in Krefeld bewegt. „Und dazu soll es keinen Federstrich in einer Akte geben?“

Der Vorsitzende Richter Oliver Mosthaf schlägt den beiden Parteien einen Vergleich vor. Die gütliche Einigung lehnt aber Mirco Gökeler für das Benediktinerkloster ab. Es lasse sich nach dem Tod des Altabts Norbert Stoffels nicht mehr prüfen, wer Anspruch auf die Wertpapiere habe. „Wir wissen also nicht, welche weiteren Forderungen noch auf uns zukommen“, sagt er. Walter Marcelli selbst habe schließlich von Geldgebern aus dem gesamten Bundesgebiet gesprochen.

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22.10.2016, 06:00 Uhr

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