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Streit um Kopftuch
vor Gericht
Die Klägerin Emine K. im Arbeitsgericht. Foto: dpa
Religion

Streit um Kopftuch vor Gericht

Eine Muslimin und ihr Arbeitgeber suchen nach einer gütlichen Einigung. Bislang allerdings vergeblich.

20.04.2017
  • LSW

Heidelberg. Im Streit zwischen der Drogeriemarktkette Müller und einer Kopftuch tragenden Mitarbeiterin will das Gericht eine gütliche Einigung erreichen. Das Arbeitsgericht Heidelberg verwies das Verfahren gestern an eine Schlichtungsstelle. Erwartet worden war zunächst, dass Richter Daniel Obst eine Entscheidung darüber trifft, ob die 32-jährige Muslimin das religiöse Symbol in der Filiale in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) tragen darf.

Obst schlug den Parteien nach mehrmaliger Beratung mit seinen beiden Schöffen vor, ohne Beteiligung der Öffentlichkeit in Mannheim eine Einigung zu erarbeiten. Eine Möglichkeit in diesem Güterichterverfahren könnte auch die einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses sein. Das Verfahren soll im Mai beginnen.

Die Klägerin bot am Mittwoch als Kompromiss an, das Tuch etwa den Betriebsfarben anzupassen. Das lehnte der Anwalt des Drogeriemarktes Müller jedoch ab. Die Betriebsordnung erlaube keine Kopfbedeckungen von Beschäftigten im Kundenkontakt, sagte er.

Die Frau befindet sich derzeit in unbezahltem Urlaub. Sie hatte bei dem Unternehmen von 2001 bis 2013 ohne Kopftuch gearbeitet und war dann in Elternzeit gegangen. Als sie 2016 wiederkam, erschien sie mit Hidschab, einer von Musliminnen getragenen Kopfbedeckung. Das gefiel ihrem Arbeitgeber nicht.

In der etwa einstündigen Verhandlung prallten die Standpunkte aufeinander. „Der Arbeitsplatz ist kein Ort, um Glauben zu praktizieren“, sagte Unternehmensanwalt Marcus Mayer. Klaus Seitz als Jurist der Verkäuferin wies das zurück. „Meine Mandantin will weder islamisieren, noch den Koran verkaufen, noch fordert sie einen Gebetsraum“, sagte er. Die Frau habe 2015 eine Gesundheitskrise überstanden und trage seitdem aus „Dankbarkeit für ihre Rettung“ das Kopftuch.

Verfahren wegen Kreuzen oder Kopftüchern am Arbeitsplatz wurden in den vergangenen Jahren immer wieder vor Gericht verhandelt. Der Europäische Gerichtshof hatte im März entschieden, dass religiöse Symbole unter bestimmten Bedingungen untersagt werden können. dpa

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20.04.2017, 06:00 Uhr

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